Diskussionen um Einlass vor der Galeria-Kaufhof: Kunden, die keinen aktuellen Tagestest hatten, wurden von den Kontrolleuren am Eingang abgewiesen. Foto: Engelsmann

Erst testen, dann shoppen. So gilt es seit Mittwoch in Berlin. Mit Ausnahme von Läden des täglichen Bedarfs können Kunden nun nur noch mit einem negativen Corona-Testergebnis in Modegeschäfte, in Elektromärkte, ins Einkaufszentrum oder ins Warenhaus, die es auch rings um den Alexanderplatz gibt. Doch dort finden sich am Mittwochvormittag beim Berliner Einkaufsstart mit Corona-Negativtest kaum Kunden ein. Denn die, die kommen, werden schon am Eingang wieder weggeschickt, weil sie auf die Schnelle keinen Testtermin bekommen hatten.

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So wie Doris Stande, die um 10 Uhr einen Friseurtermin in der Galeria Kaufhof hat. Zu Ostern chic machen will sich die 70-Jährige. Aber sie kommt nicht ins Warenhaus. „Ohne Negativtest, der 24 Stunden gilt, gibt es keinen Einlass“, sagt der Kontrolleur. Er weist noch mehr Kunden ab, von denen sich um die 20 vor dem Kaufhof-Eingang versammelt haben. Nur zwei dürfen passieren, die am Vorabend einen Test gemacht hatten. Dabei wird es auch in den nächsten 30 Minuten bleiben.

Das Warenhaus wirkt im Innern verwaist. Mehr Verkäufer als Kunden sind unterwegs. Draußen am Eingang bricht ein Tumult aus. „Man hat erklärt, auf dem Alex gibt es eine Teststation“, schimpft Monika Schering. „Dort wollte ich mir den Test holen. Aber wo ist die Station?“ Davon haben auch die Kaufhof-Kontrolleure gehört. Doch warum die Teststation nicht da ist, können sie nicht sagen.

Doris Stande (70) hatte einen Termin beim Friseur in der Galeria Kaufhof. Dennoch durfte sie nicht in das Warenhaus – sie hatte keinen tagesaktuellen Corona-Test.  Foto: Engelsmann

Auch Liselotte Neander muss gehen. Sie hat ebenfalls keinen Test. „Warum auch, ich bin seit Februar gegen Corona geimpft“, sagt die 86-Jährige und zeigt ihren Impfpass. Sie wolle doch nur ihre  Lieblingsmarmelade holen, die es nur im Kaufhof gibt, erklärt die alte Dame. Aber auch wer geimpft ist, darf nicht ins Geschäft, so der Kontrolleur. Er habe seine Vorschriften. Dabei kommt man durch einen externen Nebeneingang problemlos in die Kaufhof-Lebensmittelabteilung. Denn diese können wie Supermärkte, Bäcker, Drogerien oder Optiker auch ohne vorherige Testung betreten werden.

„Ich bin doch geimpft, wozu brauche ich den Test“, sagt Liselotte Neander (86), zeigte ihr Impfbuch mit der darin eingetragenen Corona-Impfung vor. Dennoch durfte sie nicht in das Warenhaus. Foto: Engelsmann

Im gegenüberliegenden C&A-Modehaus, kaum eröffnet, bricht eine ähnliche Diskussion vom Zaum. „Es ist ärgerlich, dass wir die Kunden wegschicken müssen, nur weil sie kurzfristig keine Testtermine in Apotheken oder in den Stationen bekamen“, sagt eine Verkäuferin. „Eine Teststation am Alex wäre sehr hilfreich gewesen“, sagt sie. Testen und dann ab in die Läden, so einfach wäre es, statt nicht getestete Kunden wegzuschicken. „In der ersten Stunde hatten wir nur drei Kunden“, sagt die Verkäuferin. „Eine Familie aus Brandenburg, die sich in ihrem Wohnort am Morgen testen ließ, bevor sie nach Berlin fuhr.“

Das Einkaufszentrum Alexa, wo sonst großer Kundenandrang herrscht, wirkt am Mittwochvormittag wie ausgestorben. Nur wenige Menschen schlendern durch die weiten Hallen. So mancher in der Hoffnung, dass das Alexa-Management eine Teststation eingerichtet hat. Dass sie fehlt, beklagen so einige Ladenbesitzer. „Dann hätten die Kunden die Chance, wenigstens hier einen Test zu bekommen“, sagt Anja Voigt, Leiterin eines Modegeschäftes. Da getestete Kunden ausblieben, entschloss sie sich, die Ware am Eingang zu verkaufen oder geimpfte Leute in den Laden zu lassen.

Leer war es auch im Modeladen von Anja Voigt. In dem Geschäft, dass sich im Einkaufszentrum Alexa befindet, ließ sich am Vormittag kein getesteter Kunde blicken. Foto: Engelsmann

Kundenleer ist auch der Media-Markt im Alexa. Etwa 500 waren noch am Dienstag da, als die Testpflicht nicht galt, so ein Verkäufer. Am Mittwoch waren es in der ersten Stunde nur drei Kunden gewesen, die keinen Test hatten, nur bestellte Ware am Eingang abholten. „Andere kamen, um zu fragen, wo eine Teststation in der Nähe sei.“

Stefanie Stehing wollte zu Ikea, hoffte darauf, einen Gratisschnelltest in einer Apotheke zu bekommen. Doch den gab es dort nicht. Foto: Engelsmann

So wie die in der Apotheke am Strausberger Platz, so steht es jedenfalls auf der amtlichen Internetseite. Dorthin ging auch Stefanie Stehing. „Ich habe bei Ikea einen Termin, um einen Schreibtisch abzuholen. Dafür brauche ich den Gratisschnelltest“, sagt sie. Aber den bekommt sie in der Apotheke nicht, nur einen gegen Geld. „Wir stehen zwar seit Dienstagabend als Teststation im Internet, aber ohne dass man uns informierte“, so ein Apotheker. Außerdem sei ungeklärt, wer die Gratistests bezahle. Den dafür nötigen Antrag habe die Apotheke gerade erst bei der Kassenärztlichen Vereinigung eingereicht.

Karin Kulow bei ihrem Friseur: Ihr Termin musste nicht abgesagt werden, die Mitarbeiter des Geschäftes  hatten sich einige Selbsttests für ungetestete Kunden besorgt. Foto: Engelsmann

Im gegenüberliegenden Friseur „Ihre Friseure“ ist man über die Testpflichtregelung auch nicht erfreut. „Die Kunden sind verunsichert“, sagt Mitarbeiterin Kerstin Abroladt. So manchen Termin hätte man am Mittwoch absagen müssen, weil Kunden keinen Testtermin bekamen. „Daher haben wir im Vorfeld Selbstschnelltests aus Drogerien besorgt, um diese Kunden damit unter Aufsicht bei uns zu testen.“ So auch Karin Kulow, die über diesen Service dankbar war. „Denn ich dachte, ich müsste mich nicht testen lassen, weil ich ja geimpft bin“, so die 80-Jährige. Übrigens: In Potsdam wurde die Shopping-Testpflicht vom Verwaltungsgericht am Mittwoch gekippt.

Stella hatte in einer Berliner Apotheke Glück, konnte sich vor dem Shoppen testen lassen.
Foto: Otto