Schöner warten: Eine Sitzbank vom Flughafen Tegel, Mindestgebot 30 Euro.
Foto: Auktionshaus Wilhelm Dechow / Troostwijk

Der Duft von Kerosin ist verweht, kein Flugzeug weit und breit, das Fernweh bleibt ungestillt, und viele Berliner trauern dem Flughafen Tegel nach. Doch es gibt eine Möglichkeit, das Leiden zu lindern: Inventar des im November 2020 stillgelegten „TXL“ wird zur Zeit online versteigert. Wer möchte, kann sich eine  Illusion von Flughafen ins Wohnzimmer stellen.

Es ist keine sehr breite Auswahl, die das Hamburger Auktionshaus Dechow anbieten kann: 75 Sitzbänke mit zwei, vier, sechs und acht Plätzen, 70 Flachbild-Monitore der Firmen LG und Conrac. Dazu kommen eine Soehnle-Digitalwaage (bis 1500 Kilogramm) und sechs Schneeräum-Fahrzeuge, die für den Tegel-Fan und sein Wohnzimmer eher ungeeignet sind.

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Kurz nach Beginn der Auktion hagelte es nicht gerade Gebote, obwohl die 55-Zoll-Monitore von LG  mit einem Mindestgebot von 55 Euro an den Start gingen, eine Bank bereits mit 15 Euro. Allerdings ist gerade dieses zweisitzige Schnäppchen – verchromtes Stahlrohrgestell, roter Kunstlederbezug – von „starken Gebrauchsspuren“ gezeichnet.

15 Euro plus Steuern war das Mindestgebot für diesen 2-Sitzer mit ramponiertem Kunstlederbezug. 

Foto: Auktionshaus Wilhelm Dechow / Troostwijk

So steht es in der Beschreibung, und das Foto auf der Internetseite des Auktionshauses zeigt, dass eine Sitzfläche eher an Sperrmüll gemahnt. Dennoch gab es Interessenten: Am frühen Nachmittag waren es schon drei, das höchste Gebot lag bei 70 Euro.

Eher mäßig auch das Interesse auch an den Schneeräumfahrzeugen, Mindestgebote zwischen 2800 und 11.200 Euro. Sie und ihre Ausrüstung haben teilweise 34 Jahre auf dem Buckel.

Dagegen hatten sich gegen Mittag bereits drei Bieter für die Digitalwaage interessiert und den Preis auf 90 Euro geschraubt. Beim gleichen Preis waren wegen mehr als zehn Geboten Zweier-Sitzbänke gelandet, die in besserem Zustand sind als das bereits beschriebene Exemplar.

Sieben Schneeräum-Fahrzeuge sind im Angebot des Auktionshauses. Die billigste Maschine startete mit einem Mindestgebot von 2800 Euro.
Foto: Auktionshaus Wilhelm Dechow / Troostwijk

Wer noch mitbieten will, muss das Kleingedruckte lesen: Auf den Zuschlagspreis kommen noch 18 Prozent Auktionsgebühr und 19 Prozent Mehrwertsteuer. Man kann die Auktionsstücke weder besichtigen noch gibt es eine Gewährleistung. Dafür bleibt Zeit zum Überlegen: Die Auktion läuft noch zwei Wochen.

Große Hoffnung dürfte sich die Flughafengesellschaft machen, dass möglichst viele Menschen sich beim TXL-Inventar bedienen: Angesichts des zusammengebrochenen Flugverkehrs braucht sie die Freigabe ihrer Gesellschafter, 660 Millionen Euro neue Darlehen aufzunehmen. Da zählt jeder Euro.

Die Sonne ist für den Flughafen Tegel untergegangen, wird aber noch bis zum 5. Mai in Bereitschaft gehalten, falls der BER zusammenbricht ... Foto: imago images/Jürgen Ritter

Das Auktionshaus Wilhelm Dechow, seit 1904 am Markt, ist auf Industrieversteigerungen spezialisiert, macht Maschinen, Geräte und Inventar zu Geld, die nicht mehr benötigt werden oder aus Insolvenzen stammen. Mit dem Berliner Flugwesen sind die Auktionatore  vertraut, brachten 2018 nahezu alle 2500 Lose bei einer Versteigerung zugunsten der Insolvenzmasse von Air Berlin an den Mann.

Die Online-Auktion „TXL“ ist über www.dechow.de zu erreichen.