Über 2000 Berliner Taxis stehen für die Gratisfahrt zu den Impfzentren bereit.

Foto: Berliner Kurier/Paulus Ponizak

Obwohl das Serum knapp ist, läuft das Impfen gegen das Coronavirus in Berlin weiter. Nicht nur die Bewohner der Pflegeheime werden in den kommenden Tagen mit dem Impfstoff versorgt. Nach KURIER-Informationen sollen am 4. Januar 2021 die ersten über 90-Jährigen, die zu Hause leben, im Impfzentrum Arena Berlin in Treptow geimpft werden. Zwischen 500 und 600 Dosen würden für sie dort täglich vom Senat zur Verfügung gestellt werden, hieß es. Die Einladungen sind seit Mittwoch unterwegs. Allerdings stellt das Impfen der Senioren den Senat vor eine neue große Herausforderung.

Laut Statistik sind etwa 18.700 Berliner zwischen 90 und 95 Jahre alt. Dass sie den Weg zum Impfzentrum mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln antreten, scheint nicht zumutbar. Daher fordert Berlins FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja im Vorfeld, den älteren Menschen Taxi-Gutscheine zur Verfügung zu stellen: „Die besonders gefährdeten Risikogruppen ausgerechnet auf dem Weg zum Impfzentrum einer erhöhten Ansteckungsgefahr auszusetzen, indem sie in überfüllten Bahnen und Bussen fahren müssten, wäre fahrlässig.“

Taxi-Innungschef Leszek Nadolski. Foto: Volkmar Otto

Laut der Verkehrs- und der Gesundheitsverwaltung prüft der Senat bereits, ob pflegebedürftige Menschen, die zu Hause leben, kostenlos mit dem Taxi in die Berliner Impfzentren gefahren werden können. Nach der Impfung sollen sie wieder mit dem Taxi nach Hause gebracht werden. Der Senat führe Gespräche mit Vertretern des Taxigewerbes, so Dorothee Winden, Sprecherin der Verkehrsverwaltung. „Zu klären ist noch die Kostenfrage“, sagt sie. Die Fahrten sollen vorrangig mit dem Taxi erfolgen, da eine individuelle Beförderung am geeignetsten sei. Eine Einbindung der 185 Berlkönig-Fahrzeuge der Berliner Verkehrsbetriebe, deren Konzept im Pooling von Fahrgästen besteht, sei aktuell nicht vorgesehen, so Winden.

Bei der Berliner Taxi-Innung wird bereits intensiv an der Umsetzung des Planes gearbeitet. „Der Ablauf ist denkbar einfach“, sagte Innungschef Leszek Nadolski dem KURIER. „Wer von den Senioren ins Impfzentrum will, ruft unter der Nummer 20 20 20 die Funkzentrale an, bestellt ein Taxi. Im Fahrzeug bekommen sie einen Coupon, über den die Fahrt abgerechnet wird. Einen Abschnitt erhält das Impfzentrum. Mit dem anderen rechnet der Fahrer bei der Innung die Fahrt ab.“ Das Geld würde dann die Innung vom Land Berlin zurückerhalten, erklärt Nadolski.

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Von den über 7000 Berliner Taxis stünden für die Fahrten der Senioren in die Impfzentren etwa 2000 Fahrzeuge zur Verfügung. Darunter seien auch sechs Kleinbusse, die von Rollstuhlfahrern genutzt werden können. Das Konzept habe die Taxi-Innung bereits am Dienstag bei den zuständigen Senatsbehörden eingereicht. „Jetzt muss es nur noch umgesetzt werden“, sagt Nadolski. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Taxi-Gutschein-Fahrten bereits am 4. Januar starten, wenn das Impfen in der Arena Berlin für die ersten über 90-jährigen Berliner beginnt.

Mitarbeiter bei einem Kontrollgang durch das Impfzentrum in der Arena Berlin: Dort sollen gleich im neuen Jahr die über 90-jährigen Berliner geimpft werden. Foto: dpa

Die Treptower Veranstaltungshalle ist derzeit Berlins einziges aktives Impfzentrum. Dort wurden seit Impfstart am vergangenen Sonntag etwa 650 Mitarbeiter der Berliner Pflege- und Altenheime geimpft. Vom Silvestertag bis zum 3. Januar 2021 bleibt das Impfzentrum allerdings geschlossen. Gesundheitssenatorin Kalayci erklärte am Mittwoch, dass die wenigen Impfdosen, die Berlin bisher erhielt, ein Grund dafür gewesen sein sollen.

Für Mario Czaja, Präsident des Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, habe es auch andere Gründe gegeben. Das Impfzentrum Arena Berlin sollte derzeit aufgrund des Impfstoffengpasses nur die Beschäftigten der 313 Berliner Alten- und Pflegeheime impfen. „Doch zu den Feiertagen gab es kaum Terminbuchungen. Ein Offenhalten des Impfzentrums machte daher keinen Sinn“, sagt Czaja. „So wurden die bei uns nicht benötigten Impfdosen an die Krankenhäuser gegeben, wo nun seit Dienstag diejenigen geimpft werden, die dort auf den Stationen die Corona-Patienten behandeln.“ Etwa 2000 Dosen gingen an die Charité, an zwei Vivantes-Kliniken und an Krankenhausapotheken.

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Dass sich über den Jahreswechsel und auch generell noch zu wenig Pflegekräfte der Heime einen Termin in dem Impfzentrum Arena Berlin geben ließen, hätte einen Grund. „Es liegt nicht an der Impfbereitschaft, die ist bei den Pflegekräften sehr hoch. Es liegt an der mangelnden Bereitschaft, dafür extra nach Treptow zu fahren“, sagte Wolfgang Albers, gesundheitspolitischer Sprecher der Berliner Linke-Fraktion, dem KURIER. So manche Pflegekräfte, die aufgrund ihrer Arbeit schon ohnehin ausgelastet seien, müssten daher lange Wege quer durch die Stadt zurücklegen. „Es wäre sinnvoller und entlastend für sie, wenn man die Beschäftigten der Heime zeitgleich mit den Bewohnern durch die mobilen Impfteams impfen würde“, so Albers.