Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz. 
Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz.  Fabian Sommer/dpa

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) hat die Rückgabe von 1.135 menschlichen Schädeln an Ruanda, Tansania und Kenia angeboten. Die menschlichen Überreste konnten nach Angaben der Stiftung vom Mittwoch im Rahmen eines Forschungsprojekts Regionen in diesen Ländern zugeordnet werden.

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Ziel der Provenienzforschung sei, die menschlichen Überreste an die betroffenen Länder zurückzugeben, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger in Berlin: „Wir sind zur sofortigen Rückgabe bereit und warten jetzt auf Signale aus den Herkunftsländern.“

Sammlung von 7700 Schädeln der Charité

Die große Mehrheit der Schädel stammt den Angaben zufolge von Bestattungsplätzen, vor allem von Gräberfeldern oder aus Grabhöhlen, teilweise auch von einheimischen Hinrichtungsplätzen. In vereinzelten Fällen seien auch Hinrichtungen durch Deutsche nachweisbar, hieß es unter Hinweis auf Aufständische und Plantagenarbeiter als Opfer.

Die untersuchten menschlichen Überreste gehören zu einer anthropologischen Sammlung von rund 7.700 Schädeln, die die Stiftung 2011 von der Charité übernommen hatte. Aufgrund des Umfangs der Sammlung und der Vielfalt der geografischen Herkunft, sei es nicht möglich gewesen, sämtliche Schädel auf einmal zu untersuchen, hieß es.

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Viele der Schädel stammten aus der so genannten „S-Sammlung“, die Felix von Luschan um die Jahrhundertwende aus nahezu allen Teilen der Erde zusammengetragen hat. Andere Überreste stammen aus der Schädelsammlung des ehemaligen anatomischen Instituts der Charité, sowie aus weiteren kleineren Sammlungen. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ das wissenschaftliche Interesse an den anthropologischen Sammlungen deutlich nach und sie gerieten allmählich in Vergessenheit.

Die menschlichen Schädel aus Ostafrika, das sich zur Zeit der Aneignung zu wesentlichen Teilen unter deutscher Kolonialherrschaft befand, wurden als erstes untersucht. Um die genaue Herkunft zu klären, seien intensive Archivarbeit, Feldforschung vor Ort durch ruandische Wissenschaftler und anthropologische Analysen nötig gewesen.

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin hatte in einem 2017 gestarteten Projekt gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Ruanda die Herkunft von rund 1100 Schädeln aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika untersucht.