Sängerin Tamara Danz  im Dezember 1989
Foto: Imago Images

Tamara Danz sei nicht einfach ein Star gewesen, sagt Toni Krahl: „Sie war die Sonne. Wer sich in ihrem Dunstkreis bewegte, fing an zu leuchten.“

So poetisch fällt die Beschreibung des City-Sängers aus, wenn er über seine Kollegin von Silly spricht, deren Tod nun fast ein Vierteljahrhundert zurückliegt. Doch bis heute ist Tamara Danz unvergessen. Nicht nur, weil Filme über Silly gedreht, Platten weiter verlegt wurden, sondern vor allem, weil es ihre Band noch gibt.

Lesen Sie auch: Ostrock-Geheimnisse gelüftet: Silly: Was uns Tamara Danz hinterlassen hat

Die Worte von Krahl setzen den hohen Ton für die Biografie von Wolfgang Martin „Paradiesvögel fängt man nicht ein“. Aber der Autor weckt keine falschen Erwartungen, sondern stellt im Untertitel klar, dass es sich um eine Hommage handelt. Hier wird nicht mit Legenden aufgeräumt, sondern vor allem geschwelgt – über eine starke, selbstbestimmte, charismatische Künstlerin.

Nie aufeinander losgegangen

Der langjährige Radiomoderator und Autor Wolfgang Martin breitet eigene Erinnerungen aus, lässt dazu in einer Art Anthologie Weggefährten zu Wort kommen. Sie schildern, wie sie so war.

Da wären zuerst die für sie wichtigsten beiden Band-Mitglieder Ritchie Barton und Uwe Hassbecker, nacheinander Tamaras Geliebte. Wundersamerweise gingen sie nie aufeinander los, sondern musizieren bis heute gemeinsam. Sie und andere Musiker erzählen, wie Tamara stets alle Fäden in der Hand hielt, die Geschicke der Band lenkte: musikalisch, inhaltlich, grundsätzlich.

Jörg Stempel vom Label Amiga hat nicht vergessen, wie Tamara für diese Zwecke auch die besten Kräfte anderer Rockgruppen ins Auge fasste und dort gnadenlos abzog. Von Silly sei dagegen nie einer freiwillig gegangen. Angelika Weiz und Abini Zöllner beschreiben die unbedingte Verlässlichkeit und Geradlinigkeit ihrer engen Freundin.

Lesen Sie auch: DDR-Kultmusiker Mike Schafmeier: Silly: Diabetes, Demenz -„Der letzte Kunde“ ist tot

Manches wiederholt sich in den Erzählungen, aber das macht nichts. Wie Silly zur Wendezeit einen Major-Plattenvertrag platzen ließen, hört man gern aus verschiedenen Blickwinkeln. Es war die einzige Ost-Band mit West-Vertrag, und es handelte sich bei dem Ausstieg um ehrliche Widerständigkeit. Tamara weigerte sich einfach, schlappe Schlagertexte zu singen, die der Plattenfirma vorschwebten: „Wir dachten, Textkontrollen sind vorbei. Dabei haben sich nur die Vorzeichen geändert. Im Osten waren es ideologische, jetzt sind es kommerzielle Zwänge.“

Als das Lachen aus der Band verschwand

Gut, Tamaras Ansprüche wurzelten im Olymp. Von dort lieferte Werner Karma Liedtexte von philosophischer Dimension für die ersten Erfolgsplatten in den 1980ern. In einem Interview gibt Karma einiges preis von sich und seiner Herzensnähe zu Tamara Danz. Dass er sich ein Jahr Zeit nahm für 15 Textangebote, welch ungeheuren Wert er seiner Pop-Poetik beimaß, wie mit dem Erfolg das Lachen aus der Band schwand. Zumindest er nimmt das so wahr. Das Ende der Gemeinsamkeit scheint ihn bis heute zu kränken. Tamara schrieb danach ganz erstaunliche eigene Texte, aber über diese Alben will er nichts sagen, die habe er „nicht wirklich angehört“.

Man hätte dem Buch nicht nur wegen des teuren Papiers etwas verlegerische Sorgfalt gewünscht. Die wenigsten Fotos sind beschriftet, für den Rest hat sich niemand die Mühe gemacht, die Jahreszahl in Erfahrung zu bringen, geschweige die Namen der Abgebildeten – das ist Gift für ein Erinnerungsbuch. So lange liegt die Zeit nun auch nicht zurück.

Wolfgang Martin: Paradiesvögel fängt man nicht ein. Bild und Heimat. 208 S., 19,99 Euro