Die kleinen Katzen-Babys wurden im Tierheim liebevoll aufgepäppelt. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Falkenberg Ihr Schicksal bewegte ganz Berlin – doch nun gibt es für viele der knapp 100 Katzen, die im Juli aus zwei Messie-Wohnungen befreit wurden, ein Happy End! Nachdem die Kätzchen keinen leichten Start ins Leben hatten, konnten einige der Tiere bereits ein Zuhause finden. Derweil warnen Tierschützer: „Animal Hoarding“, das krankhafte Sammeln von Tieren, wird zum immer größeren Problem.

Mit großen Kulleraugen guckten sie in die Kamera des KURIER-Fotografen – die Geschichte der insgesamt 91 Katzen, die im Juli im Tierheim landeten, bewegte die ganze Stadt. Gleich zweimal gingen Veterinärämter gegen Menschen vor, die unzählige Miezen in ihren Wohnungen horteten. In Pankow befreiten die Mitarbeiter der Behörde 55 Katzen aus einer Messie-Wohnung. „Gegen die Bewohner hatte man schon vor Jahren ein Tierhaltungsverbot verhängt, doch sie hielten sich nicht daran“, sagte Tierheim-Sprecherin Annette Rost dem KURIER.

Auch dieses süße Kätzchen wurde gerettet. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Die Tiere waren in katastrophalem Zustand, teils erst wenige Wochen alt. Sie litten an Katzenschnupfen, hatten verklebte Augen. „Eine Katze musste sofort eingeschläfert werden, weil ihr Körper voller Tumore war“, sagte Rost. Nur eine Woche später der nächste Schlag: Aus einer Wohnung in Spandau holten Veterinäramt und Tierschützer weitere 36 Katzen. Die Pfleger im Tierheim kümmerten sich liebevoll um die Vierbeiner, behandelten sie, päppelten sie nach und nach auf.

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Viele der Tiere konnten inzwischen ein Zuhause finden. Von den 55 Katzen aus Pankow leben noch 22 im Tierheim. Darunter zwei Katzenmuttis, die sich um sieben Kätzchen kümmern – sie sind im Schillow-Haus untergebracht. Sieben weitere Tiere aus der Spandauer Wohnung können noch nicht vermittelt werden. „Sie sind gesundheitlich noch sehr angeschlagen, leiden ständig an Schnupfen oder sind in Durchfallbehandlung“, sagt Rost.

Im Samtpfötchen-Haus wohnen unter anderem vier Katzen von den Pankower Messies. „Ihr gesundheitlicher Zustand ist gut, aber sie sind ängstlich gegenüber Fremden, tauen aber immer mehr auf.“ Gerade die Behandlung der erkrankten Katzen erfordere einen hohen pflegerischen Aufwand. „Die ängstlichen Katzen werden zusätzlich von Pflegern verhaltenstherapeutisch betreut, damit sie schneller Zutrauen zu Menschen finden.“

In den Katzenhäusern des Tierheims warteten die Miezen auf ein neues Zuhause. Foto: Berliner KURIER/Gerd Engelsmann

Solche Fälle kommen leider immer häufiger vor – nun warnt auch der Deutsche Tierschutzbund. Die Institution veröffentlichte jetzt eine Statistik, die „Animal Hoarding“-Fälle aus ganz Deutschland auflistet. Im Kalenderjahr 2019 erreichte die Zahl der gehorteten Tiere demnach ihren bisherigen Höchststand – bei insgesamt 50 Fällen mussten insgesamt 4000 Tiere sichergestellt werden.

In elf der Fälle wurden jeweils mehr als 100 Tiere vorgefunden – in fünf davon sogar über 300 Tiere, darunter Mäuse, Meerschweine, Schildkröten, Ziervögel. Katzen waren mit 27 Fällen die am häufigsten betroffene Tierart, gefolgt von Hunden in 23 Fällen. Mehrere Fälle in der Statistik stammen aus Brandenburg: In Elsterwerda wurden einem Paar 58 Katzen weggenommen, die in einer Dreizimmerwohnung gehalten wurden. In Großräschen mussten 48 Katzen aus der Wohnung einer Frau befreit werden – hier steckten sogar Tiere im Schornstein fest.

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„Beim krankhaften Sammeln von Tieren gerät die Tierhaltung außer Kontrolle. Immer mehr Tiere werden aufgenommen oder sie pflanzen sich unkontrolliert fort. Die Tiere hausen dann in ihren eigenen Fäkalien, sind unterernährt oder krank“, erklärt Dr. Moira Gerlach, Expertin für Heimtiere beim Tierschutzbund. „Dies stellt auch für die Tierheime eine enorme Belastung dar, wenn sie die von Veterinärbehörden beschlagnahmten Tiere in ihre Obhut nehmen.“ Die Tierschützer fordern unter anderem finanzielle Unterstützung für die Tierheime, ein Zentralregister, das „Animal Hoarder“ erfasst und eine Anerkennung des „Animal Hoarding“ als Krankheitsbild, „um den Betroffenen bessere Therapiemöglichkeiten zu bieten“, heißt es.

Infos: www.tierschutz-berlin.de