Das frühere KZ Sachsenhausen. Nach Gisela Gneist wurde eine Straße benannt. imago, Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen

Das Thema ist hochsensibel, der Streit darüber schwelt seit Jahren. Eine Straße am ehemaligen KZ Sachsenhausen wurde nach Gisela Gneist (1930–2007) benannt. Gneist war umstritten. Sie soll die Zahl der Opfer der NS-Konzentrationslager angezweifelt und das sowjetische Lagersystem mit den NS-Vernichtungslagern gleichgesetzt haben.

Der Zentralrat der Juden hat sich erneut in den Dauerstreit über die Benennung einer Straße am früheren Konzentrationslager Sachsenhausen eingeschaltet. Ein Kompromiss zur umstrittenen Gisela-Gneist-Straße, über den am Montag entschieden werden könnte, reiße neue Gräben auf, kritisierte Zentralratspräsident Josef Schuster.

„Sowohl die Opferverbände und die Gedenkstätte Sachsenhausen als auch ich als Präsident des Zentralrats der Juden hatten deutlich gemacht, dass wir die Benennung einer Straße nach Gisela Gneist im Aderluch in Oranienburg für ausgesprochen problematisch halten“, erklärte Schuster.

Die Straße am KZ war im Jahr 2020 nach Gisela Gneist benannt worden

Die Beschlussvorlage der Stadtverordnetenversammlung sehe vor, nun eine andere Straße nach Gisela Gneist zu benennen. Das wische die Bedenken gegen ihre Person nicht beiseite. „Anstatt befriedend zu wirken, halten die Kommunalpolitiker verbissen an ihrer Idee fest und schaffen auf diese Weise Gräben, die nicht notwendig wären. Dafür fehlt mir jedes Verständnis.“

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Über den Straßennamen in einem Oranienburger Neubaugebiet wird seit Jahren gestritten. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Straße im Jahr 2020 nach Gisela Gneist benannt, die von 1946 bis 1950 im sowjetischen Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen inhaftiert war. Dagegen hatte nicht nur der Zentralrat Bedenken erhoben. Der Leiter der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, hatte der 2007 gestorbenen Gneist Kontakte zu Rechtsextremisten vorgeworfen.

Das Neubaugebiet „Aderluch“ befindet sich auf dem früheren Gelände eines Außenlagers des KZ Sachsenhausen, auf dem Hunderte Häftlinge des KZ zwischen 1942 und 1945 Zwangsarbeit leisten mussten. Ein Gutachter hatte festgestellt, Gneist habe „keine Berührungsängste gegenüber rechtsextremistischen Positionen“ gezeigt.

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Gneist war viele Jahre Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen und hat in ihrem 2002 erschienen Buch „Allenfalls kommt man für ein halbes Jahr in ein Umschulungslager“ eindrucksvoll das tägliche Leben im Lager beschrieben. Sie wurde auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend beigesetzt.