So sieht er aus, der Schnelltest für alle. Doch bis er in die Läden kommt, wird es noch eine Weile dauern.  Foto: Imago/Traut

Die Ankündigung kam überraschend.  Aldi Nord und Aldi Süd kündigten am Mittwochabend an, dass erste Corona-Schnelltests am Sonnabend deutschlandweit in den freien Verkauf kommen sollen. Kunden könnten sie dann an der Kasse bekommen. Zunächst sei die Abgabemenge auf eine Packung pro Kunde begrenzt. Eine Packung soll rund 25 Euro kosten und fünf Tests enthalten.

Dabei sollte es erst nächste Woche mit den Tests losgehen, die einen möglichst sicheren und baldigen Ausweg aus dem Lockdown gestatten. Etliche Hersteller drängen auf den Markt, sechs Corona-Tests für Laien erhielten einer Sonderzulassung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Siemens Healthineers gehörte zu den ersten zugelassenen Test-Anbietern. Am 24. Februar bekam das Unternehmen für seinen Covid-19-Antigen-Selbsttest namens Clinitest Rapid die Zulassung. Im Unterschied zu den bisherigen Schnelltests ist das Siemens-Fabrikat, wie auch andere ähnliche schon zugelassene Produkte, relativ leicht für medizinische Laien anwendbar. Statt bis tief in den Rachenraum zu gehen, reicht es hier völlig aus, ein Stäbchen nur in den vorderen Nasenbereich hineinzuführen, um eine Sekretprobe zu entnehmen, die dann in eine spezielle Lösung getaucht wird.

So einfach wird bei den Selbsttest die Probe aus dem Nasenraum entnommen. Infografik: dpa

Der Test soll nach 15 Minuten ein Ergebnis liefern und eine Zuverlässigkeit von 97,25 Prozent bieten. Das sind bewiesene Werte. Denn der Test wird von medizinischem Fachpersonal bereits seit langem genutzt und von Siemens in großen Stückzahlen produziert. Um Clinitest Rapid auch für den Laiengebrauch nutzen zu können, wurden Ende voriger Woche neue Gebrauchsanweisungen verfasst und gedruckt, Packungen geöffnet, Beipackzettel ausgetauscht, Packungen wieder geschlossen und mit dem Etikett versehen, dass das Produkt als solches für den Laiengebrauch kennzeichnet.

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Inzwischen rollen vom Siemens-Zentrallager Europa für Labordiagnostik in Duisburg aus die Trucks in die regionalen Depots. Laut Unternehmenssprecher Thorsten Opderbeck werden zunächst Bund und Länder beliefert, um etwa Schulen, Kitas und Pflegeeinrichtungen mit Schnelltests zum Selbermachen auszustatten. Mitte März sollen dann die Lieferungen an den Apothekengroßhandel folgen. Erst dann werden auch Drogeriemärkte beliefert. Opderbeck schätzt, dass das Ende des Monats sein wird.

Fachliche Beratung muss gewährleistet sein

Der Berliner Senat hat zwölf Millionen Selbsttests geordert. Davon sind drei Millionen bereits in der Stadt eingetroffen. In Kürze sollen weitere zwei Millionen folgen. Diese werden vor allem für die Schulen und Kitas genutzt werden. Darüber hinaus hatten die Drogeriemärkte dm und Rossmann bereits vor einigen Tagen angekündigt, Selbsttests ins Sortiment aufzunehmen und zu verkaufen.

Die Drogerie-Kette dm wollte ursprünglich die Selbsttests ab 9. März verkaufen. Foto: Imago/Hübner

Damit Selbsttests überhaupt auch im Einzelhandel angeboten werden können, hatte das Bundesgesundheitsministerium vor vier Wochen die sogenannte Medizinprodukte-Abgabeverordnung geändert. Selbsttests können snun an jedermann abgegeben werden, also auch in Drogerien, im Einzelhandel oder beim Discounter. Allerdings sieht die Verordnung vor, dass vor Ort eine fachliche Beratung angeboten werden kann. Wie das etwa in Supermärkten oder bei Discountern gewährleistet wird, bleibt abzuwarten.

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Nach dem Aldi nun mit dem Verkauf beginnt, erklärte Lidl auf Anfrage, dass man den Verkauf von Schnelltests aktuell prüfe. Auch Netto und Metro würden einen Verkauf prüfen. Bei Kaufland  ist dagegen alles entschieden. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Corona-Selbsttests schnellstmöglich in unser Sortiment aufzunehmen“, heißt es dort. Bei Dm und Rossmann ist vom kommenden Dienstag als ursprünglich angekündigtem Starttermin keine Rede mehr. Ein Dm-Sprecher erklärt auf Nachfrage, „dass es zu Verzögerungen beim geplanten bundesweiten Verkaufsstart in allen mehr als 2.020 dm-Märkten kommen kann“.

Tim (9) aus Österreich führt unter Aufsicht seines Vaters einen Selbsttest durch. Diese sind im Nachbarland schon längst auf dem Markt und auch an den Schulen im Einsatz. Foto: dpa

Geht man aber davon aus, dass zuerst Apotheken beliefert werden, so dürfte sich der Verkaufsstart noch hinziehen. Denn in den Berliner Apotheken wartet man noch auf Lieferung. Stefan Schmidt, Sprecher des Berliner Apotheker-Vereins, bestätigt zwar, dass einige Apotheken in der Stadt die Selbsttests bereits anbieten, doch ist er eher verhalten zuversichtlich. „Ich gehe davon aus, dass in spätestens einigen Wochen die flächendeckende Versorgung in den Berliner Apotheken gewährleistet sein wird.“

Tatsächlich ist der Bedarf riesig. Die Pinneberger Firma Viromed vertreibt den Schnelltest Lyher Covid-19 des Hamburger Unternehmens Lissner Qi. Eigenen Angaben zufolge bekomme man täglich 500.000 bis eine Million Tests. Noch in dieser Woche sollen damit Apotheken weiter beliefert werden. Super- und Drogeriemärkte würden nicht von Viromed beliefert, heißt es. Wie auf der Firmen-Website zu erfahren ist, kostet ein Test 9,90 Euro. Lieferzeit: sieben bis zehn Tage.