Berlin: Regisseurin Maria Schrader kommt zur Premiere ihres Films „She Said“ ins Berliner Kino International.
Berlin: Regisseurin Maria Schrader kommt zur Premiere ihres Films „She Said“ ins Berliner Kino International. dpa/Paul Zinken

Ein Film wie ein Erdrutsch. Deutschlands Star-Regisseurin und Schauspielerin Maria Schrader (57, „Ich bin dein Mensch“) knöpft sich in ihrem neuesten Kinowerk „She Said“ den gefallenen Film-Produzenten Harvey Weinstein (70) vor. Der wichtige und spannende Streifen feierte jetzt Deutschlandpremiere im Kino International in Berlin.

„She Said“ mit Carey Mulligan und Zoe Kazan in den Hauptrollen, als die bärenstarken New-York-Times-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor, erzählt die Weinstein-Geschichte als packenden Medien-Krimi. Die Zuschauer werden Zeuge einer quälenden journalistischen Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Frauen, die bis heute andauert.

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Harvey Weinstein am 4. Oktober 2022 vor Gericht
Harvey Weinstein am 4. Oktober 2022 vor Gericht AP/Etienne Laurent

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Der Fall Weinstein brachte 2017 die MeToo-Debatte ins Rollen. Harvey Weinstein, mächtiger und mehrfach oscarprämierter Hollywood-Boss, hatte mehrere prominente Schauspielerinnen sexuell belästigt, teilweise auch vergewaltigt. Aufgedeckt haben das die Reporterinnen Kantor und Twohey.

In mühevoller Recherche, für die sie bis nach Europa reisten, machten sie einen Skandal sichtbar, der nie ans Licht kommen sollte. Ein Opfer von Weinstein, die Schauspielerin Ashley Judd, spielt sich in „She Said“ übrigens selbst.

Studiochef Harvey Weinstein ist inzwischen verurteilt

Miramax-Studiochef Weinstein ist inzwischen verurteilt und dürfte Zeit seines Lebens hinter Gittern verbringen. Und Kantor und Twohey: Die wurden 2018 mit dem Pulitzer-Preis geehrt.

Bemerkenswert an Schraders Film – das Drama ist ihr US-Kinodebüt als Regisseurin – sind nicht nur Plot und Storyline. Bemerkenswert sind auch die Umstände, die seine Herstellung und seinen Vertrieb begleiteten. Produzent des engagierten Streifens ist US-Megastar Brad Pitt mit seiner Firma Plan B.

Szene aus „She Said“ von Maria Schrader mit Carey Mulligan (l.) und Zoe Kazan als New-York-Times-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor.
Szene aus „She Said“ von Maria Schrader mit Carey Mulligan (l.) und Zoe Kazan als New-York-Times-Reporterinnen Megan Twohey und Jodi Kantor. AP/Universal Pictures

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Pikant daran ist, dass Pitt mit zwei Frauen liiert war, die nach eigenen Aussagen beide Opfer von Weinstein geworden sind: Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Obwohl Pitt das wusste, soll er dennoch weiter in Filmen von Weinstein gespielt haben. So auch in der NS-Groteske „Inglourious Basterds“ (2009) von Regisseur Quentin Tarantino, die teilweise in Babelsberg gedreht wurde.

Harvey Weinstein steht zum zweiten Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht

Weinstein selbst soll über seine Anwälte versucht haben, Schraders Film-Premiere am 13. Oktober 2022 beim New York Film Festival auszubremsen, weil er zeitgleich zum zweiten Mal wegen sexueller Übergriffe vor Gericht stand. Das Verfahren läuft noch. Maria Schrader sagte dem KURIER, dass sie auf direktem Wege nie Probleme mit dem Produzenten wegen ihres neuen Kinofilms gehabt habe.

Aber was hat sich nun eigentlich seit der MeToo-Debatte im deutschen Filmbetrieb geändert? „Es hat sich fundamental was geändert“, so Schrader zum KURIER. „Es fühlt sich mit einem Mal so an, als würden Fenster und Türen geöffnet. Das Licht fällt in einen abgedunkelten Raum von Schweigen. Man spricht und es gibt ein Umdenken. Und ich denke, das betrifft nicht nur meine Branche.“

In der Tat: Wenn man überhaupt etwas an ihrem Film aussetzen möchte, dann vielleicht das: Schrader hätte natürlich auch einen kurzen Blick auf das Innenleben eines Medienkonzerns werfen können. Denn auch in der Branche, in der Megan Twohey und Jodi Kantor arbeiten, gab und gibt es sexuelle Gewalt. Wie heißt es so treffend in „She Said“: Diese Sache ist größer als Weinstein, es geht um ein ganzes System!

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In den USA lief „She Said“ schwach an, aber die Deutschen werden hoffentlich ins Kino rennen und den Film mögen. Denn sehenswert ist er. Ab 8. Dezember.