Die Kapelle auf dem Friedhof in Stahnsdorf. Imago/Jürgen Heinrich

Was ist das für ein irrer Fehler? Auf dem Friedhof in Stahnsdorf im Süden von Berlin ist der Rechtsextremist und Holocausleugner Henry Hafenmayer am Freitag ausgerechnet in der Grabstätte des jüdischen Musikwissenschaftlers Max Friedländer (1852 - 1934) beigesetzt worden. Die Kirche prüft nun den Vorfall.

Holocaustleugner in Grab von jüdischem Wissenschaftler bestattet

Zuerst war es die Redaktion des Portals „Blick nach Rechts“, die über die Beerdigung Hafenmayers berichtete. Die soll demnach ein echtes Treffen mehrerer Größen aus der geschichtsrevisionistischen und rechtsextremen Szene gewesen sein. Neben dem Holocaustleugner Horst Mahler und dem Reichsbürger Dennis Ingo Schulz waren demnach unter anderem auch der selbsternannte „Volkslehrer“ Nikolai Nerling, der thüringische Neonazi Michel Fischer und der Berliner NPD-Kader Richard Miosga anwesend. 

Die Trauergäste legten demnach am Freitag mehrere Trauerkränze am Grab ab, die teilweise in schwarz-weiß-rot gehalten und mit Eisernem Kreuz verziert waren. Der Grabstein, der eigentlich hinter dem Grab hing, wurde mit einem schwarzen Tuch verhangen. Darauf wurde ein Bild des verstorbenen Rechtsextremisten angebracht. 

Landeskirche räumt Fehler ein

Und dieser Grabstein ist eben der von Max Friedländer. Ein Fehler, den die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (Ekbo) laut dem RBB derzeit bereits prüft. Sicher sei demnach: Das Grab sei bereits seit einiger Zeit freigegeben gewesen. Auch seien keine sterblichen Überreste mehr darin gewesen. 

Laut der Landeskirche habe die Beisetzung des Hafenmayers ohne evangelische Begleitung stattgefunden. Die Entscheidung, die Anfrage nach einer Grabstätte nicht abzulehnen, sei im Konsistorium der Ekbo getroffen worden. Leitend sei dabei im Grundsatz, dass jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte Ruhestätte habe. Ein erster Grabstättenwunsch sei von der Friedhofsleitung sogar abgelehnt worden, der für das Grab von Friedländer nicht. Die Auswahl sei ein Fehler gewesen, erklärte die Landeskirche. „Diesen Fehler prüfen wir zurzeit.“ Welche Konsequenzen aus dieser Prüfung erwachsen könnten, teilte die Kirche nicht mit.

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Der Friedhof in Stahnsdorf wurde 1909 eröffnet und ist mit 200 Hektar Größe Deutschlands größter evangelischer Friedhof.

Bischof Christian Stäblein sagte am Dienstag, er sei „erschüttert und fassungslos über das Geschehen“. Er hatte am Morgen die Grabstätte auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf besucht. „Ich möchte alles daran setzen, diese Schändung des Grabes von Max Friedlaender aufzuarbeiten. Ich werde alle rechtlichen Schritte prüfen, die den Vorgang rückgängig machen könnten. In jedem Fall werde ich dafür Sorge tragen, dass wir ein ehrendes Gedenken für Max Friedlaender auf diesem Friedhof bewahren.“