Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum in Potsdam. Foto: dpa/Christophe Gateau

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) geht mit ungewöhnlicher Härte gegen mögliche Missstände in der wichtigsten Vorzeigeklinik der Stadt vor: Wegen der ungewöhnlichen Häufung von Todesfällen im Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam in Zusammenhang mit Covid-19 hat Schubert nun gleich mehrere Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. „Nach den uns vorliegenden Daten gab es eine Verletzung ärztlicher Meldepflichten seitens des Klinikums an das Gesundheitsamt“, sagte Schubert zur Begründung.

Die Verfahren wurden bereits am Montag gegen drei leitende Mitarbeiter begonnen. Am Dienstagabend wurden dann auch Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen zwei Geschäftsführer der Klinik eingeleitet. Der Vorwurf lautet, dass Covid-19-Fälle möglicherweise zu spät oder gar nicht dem Potsdamer Gesundheitsamt gemeldet wurden. Es geht um den langjährigen Geschäftsführer Steffen Grebner und die erst vor rund einem halben Jahr berufene Medizindirektorin Dorothea Fischer.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die betroffenen Mitarbeiter sollen nun als Erstes die Möglichkeit bekommen, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Inzwischen wurde die Angelegenheit auch an die Staatsanwaltschaft Potsdam übergeben. Sie muss nun prüfen, ob ein strafrechtlich relevantes Verhalten der Ärzte vorliegt.

Im Ernst von Bergmann-Klinikum gab es eine ungewöhnliche Häufung von Todesfällen. Ob diese auch mit einem möglichen Fehlverhalten von Ärzten im Zusamenhang stehen, muss nun geklärt werden. Möglichweise wurden Fälle zu spät erkannt und so eine weitere Verbreitung im Krankenhaus möglich.

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Das Infektionsschutzgesetz schreibt vor, dass Erkrankungen an Covid-19 von Ärzten und Krankenhäusern „unverzüglich an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet“ werde müssen. Die Meldung muss spätestens innerhalb von 24 Stunden bei Amt vorliegen, nachdem die Klinik von der Krankheit erfahren hat. Das Potsdamer Gesundheitsamt geht nach derzeitigen Erkenntnissen davon aus, dass dies im Potsdamer Klinikum offenbar nicht immer erfolgt sei.

Wie das Brandenburger Gesundheitsministerium am Mittwochmorgen meldet, gibt es landesweit 1599 nachgewiesene Covid-19 Fälle, davon 235 in stationärer Behandlung, 28 unter Beatmung. Landesweit wurden 35 Todesfälle gezählt.

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Allein auf das Potsdamer Klinikum entfallen 21 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19. Insgesamt werden dort mit Stand Dienstagabend 88 Patienten mit dieser Krankheit behandelt, 14 davon in der extra eingerichteten Intensivstation, 11 werden beatmet.

Das Potsdamer Gesundheitsamt hat verfügt, dass die Klinik unverzüglich alle Patienten ans Amt meldet. „Das Klinikum muss die vollständige Testung aller Patienten und Mitarbeiter in allen Kliniken vornehmen“, sagte Brigitte Meier, die Chefin des Städtischen Krisenstabes. Auch alle früheren Patienten, die zwischen dem 13. und 27. März in Alten- und Pflegeheime verlegt wurden, sollen getestet werden.

Die Stadt hatte bereits Anfang vergangener Woche das Robert-Koch-Institut wegen möglicher Mängel in diesem Krankenhaus um Amtshilfe gebeten. Auflagen sind nun, dass die Klinik die eigenen Testkapazitäten deutlich ausbaut und eine strikte Trennung vornimmt zwischen den Klinikbereichen, in denen Corona-Fälle behandelt werden und den übrigen.

Aufnahmestopp wegen Corona-Ausbruch

Das Problem ist, dass die Klinik Erfahrung im Isolationsstationen hat und dass deshalb dort viele Coronapatienten aus ganz Brandenburg hingebracht wurden. Doch nach der Häufung der Todesfälle wurde in der vergangenen Woche im Bergmann-Klinikum einen Aufnahmestopp verhängt. Nur Notfälle dürfen dort noch hinein - wie etwa Menschen mit einem akuten Herzinfarkt.

In dem Klinikum starben bis Dienstag weitere fünf Patienten, die den Angaben zufolge schwere Vorerkrankungen hatten.

Mediziner appellieren an Landesregierung

Ärzte, Kranken- und OP-Schwestern sowie weitere Beschäftigte aus mehr als 20 Krankenhäusern in Brandenburg fordern die Unterstützung der Landesregierung beim Beschaffen von mehr Schutzausrüstung. „Das Land Brandenburg muss einen Weg finden, Masken, Schutzkittel, Schutzbrillen, Handschuhe und Desinfektionsmittel zu produzieren - sofort!“, heißt es in einem offenen Brief, der an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ging.

Außerdem forderten die Beschäftigten mehr Personal für alle an der Krankenversorgung beteiligten Bereiche „durch schnelle und unbürokratische Einstellungen“. Das Schreiben wurde von über 30 Beschäftigten unterzeichnet, darunter Ärzte, Schwestern und Pfleger.