Die angeklagte Frührentnerin sitzt nach der Einkaufsbeutel-Attacke seit Dienstag in Berlin vor Gericht. Pressefoto Wagner

Mit Pudding und Joghurt in der Tasche kam sie vom Einkauf. Doch statt Süßes gab es laut Anklage Saures: Mit der Pudding-Tasche soll Jaqueline S. (60) einen Männerarm gebrochen haben.

Die schmale Frau auf der Anklagebank, sie soll gegen einen Passanten und dessen Tochter gepöbelt, dann mit der Tasche zugeschlagen haben.

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Die Frührentnerin war empört. Ihr Verteidiger bremste sie: „Sie schweigt.“ In einer Pause rutschte ihr dann doch raus: „Stimmt doch alles gar nicht!“ An die Polizei soll sie geschrieben haben: „Hätte ich ihm meine Tasche um die Ohren gehauen, hätte er wie ein Puddingbecher ausgesehen.“

Es war 13.05 Uhr, als sich am 30. August 2018 die Angeklagte und eine Familie auf der Moabiter Turmstraße zufällig über den Weg liefen. Jaqueline S. kam vom Einkauf. Zenon A. (60) ging mit Frau (62) und Tochter spazieren.

Frührentnerin soll sich mit Einkaufsbeutel wie eine Furie aufgeführt haben

Die Frührentnerin soll sich wie eine Furie aufgeführt haben. Die Anklage: „Sie schlug A. mit ihrer schwer befüllten Einkaufstasche gegen die linke Kopfhälfte und dann auf dessen rechte Schulter und Oberarm.“ Dann habe sie den Mann „dreimal auf seinen beiden Gesichtshälften“ geohrfeigt.

Dazu Beleidigungen. Ausländerfeindlich gegen den Vater, die Tochter mit Downsyndrom soll sie als „Affe“ beschimpft haben. A. habe eine Knochenfraktur an drei Stellen des rechten Armes erlitten.

Zenon A., der erste Zeuge: „Ich habe seitdem zehn Schrauben im Arm!“ Er, seine Frau und die Kleine seien aus einem Geschäft gekommen. Die Tochter habe einen Saft getrunken, den Becher hätten sie dann auf eine Fensterbank gestellt.

Der Vater: „Der Becher fiel zu Boden. Die Frau, die hier sitzt, fing an zu schreien, beschimpfte mich und mein Kind, schlimme Worte.“

Der Einkaufsbeutel soll mindestens zehn Kilo schwer gewesen sein

Plötzlich habe die ihm unbekannte Frau mit ihrer Tasche ausgeholt – „dabei war die so voll, dass sie die kaum tragen konnte, mindestens zehn Kilo!“ Zenon A. versicherte: „Ich habe der Frau nichts getan, sie nicht einmal berührt. Mein Kind hatte ihr wohl nicht gefallen und ich auch nicht.“

Polizei und Rettungswagen wurden alarmiert. Der Vater, der vor 30 Jahren aus Polen nach Deutschland kam, fühlte sich nicht gut behandelt: „Die Polizisten hörten mich gar nicht an.“ Damals habe Jaqueline S. behauptet, er habe sie in die Brust gezwickt.

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An der Seite von Zenon A. auch im Gericht seine Frau und die Tochter. Die Ehefrau: „Wir gingen Richtung Park, sie war plötzlich neben uns. Aus dem Augenwinkel sah ich, wie sie die Tasche hob.“ Durch den Schlag sei ein Henkel abgerissen. Dann Ohrfeigen, so die Zeugin. Ihr Mann habe die Frau packen wollen – „weil der Arm gebrochen war, ging er vor Schmerz in die Knie“.

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Kopfschüttelnd saß die Angeklagte im Saal. Fortsetzung mit weiteren Zeugen am 15. Juli.