Norbert Witte im alten Startgebäude der alten Achterbahn Spreeblitz. Foto: imago images

Seine Geschichte ist eine Berliner Legende, wurde vielfach erzählt und verfilmt. Nun ist Norbert Witte, der ehemalige Spreepark-König, sogar die Hauptfigur in einem Hörspiel. Das Audio-Portal „FYEO“ bringt ab Dienstag die Doku „Koks und Zuckerwatte“ auf den Markt, die vom Aufstieg und Fall des Schaustellers erzählt. 

Schon der Titel suggeriert, dass es in diesem Hörspiel um einen Kontrast geht, wie er größer nicht sein könnte. Und tatsächlich gleicht das Leben von Norbert Witte der Fahrt auf einer Achterbahn. Erfolgreiche Jahre, der größte Unfall der Rummel-Geschichte, die glückliche Zeit im Spreepark, danach die Koks-Affäre, die Witte und seinem Sohn Marcel Haftstrafen einbrachten – und die Familie zerstörten.

Schon als Kind war Norbert Witte auf dem Rummel zu Hause

Erst im September traf der KURIER Witte auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher Damm, sprach mit ihm über seine eigene Geschichte und die neuen Spreepark-Pläne. Der einstige Rummel-König freute sich im Gespräch darüber, die Fahrgeschäfte, die er baute, sogar als Kunstobjekte konserviert werden. „Meine Planer haben gesagt: Norbert, die errichten dir ein Denkmal“, sagte er dem KURIER.

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Nun gibt es auch ein Audio-Denkmal: Am Dienstag werden auf der Plattform „FYEO“ die ersten beiden Folgen der Witte-Doku veröffentlicht. Wöchentlich sollen danach weitere Episoden folgen, acht sind geplant. Die ersten beiden berichten etwa vom Beginn von Wittes Karriere: Der 65-Jährige wuchs in Hamburg auf, als Spross einer Schaustellerfamilie, war auf dem Hamburger Dom, dem größten Volksfest des Nordens, zu Hause. „Besser kann man gar nicht groß werden“, sagt Witte im Hörspiel.

Lachend, mit Schnauzer und Hut: So haben viele Witte in Erinnerung. Foto: dpa

Schnell stieg er ins Geschäft ein – und verrät: Schon als Junger Schausteller im Alter von 25 Jahren habe er bei der Hamburger Sparkasse drei Millionen Schulden gehabt. „Ich hatte aber auch drei Millionen Vermögen dagegen stehen. Mein Vater war sogar der größte Schausteller. Wir hatten auch Puffs und Diskotheken und Spielcasinos.“ Der abenteuerliche Lebensstil habe ihm schon damals gefallen.

„Koks und Zuckerwatte“ ist ab Dienstag verfügbar auf „FYEO“. Foto: FYEO

Doch Witte war noch nicht einmal 30 Jahre alt, als seine Karriere den ersten Knick bekam: Seine Achterbahn „Katapult“ war in den schlimmsten Kirmesunfall der Deutschen Geschichte verwickelt. Während einer nächtlichen Fahrt kollidierte das daneben stehende Karussell „Skylab“ mit einem Kran, den Witte ausgefahren hatte, um Reparaturen vorzunehmen. Sieben Menschen starben. Zu Wort kommt auch eines der Opfer: Ein Mann schildert den Moment des Unfalls. „Plötzlich gab es einen Riesenknall. Es flogen Teile durch die Gegend“, erzählt er. „Ich habe schon gedacht, mein letztes Stündlein hat geschlagen.“ Doch er überlebte leicht verletzt.

Im Alter von 36 Jahren war Norbert Witte wieder Millionär

Witte wurde nach dem Crash zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Er habe da „gesessen wie ein Doofer“, obwohl alles eine Verkettung von unglücklichen Zufällen gewesen sei. Doch sein Ruf war ruiniert. Er bekam in Deutschland keinen Stellplatz mehr, reiste deshalb durch Osteuropa. Doch mit 36 Jahren sei er wieder Millionär gewesen – danach kam er zurück und übernahm den Spreepark.

Im September traf der KURIER Norbert Witte auf dem Zentralen Festplatz. Er ist inzwischen 65 Jahre alt. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Im Hörspiel tauchen auch Weggefährten von Witte auf. Menschen, die ihn kannten, die mit ihm im Spreepark arbeiteten. Auch Hans-Ludwig Trümper, Wittes inzwischen verstorbener Anwalt, kommt zu Wort. „Herr Witte ist vom Typ her jemand, der sich mit klein aber fein nicht zufrieden gibt“, sagt er. „Er strebt immer nach Höherem. Und wenn er etwas hat, will er noch mehr. Und wenn er mehr wollte, hat er den Bogen überspannt und damit alles verloren. Er fasst etwas an, kann es aber nicht halten.“ 

„Koks und Zuckerwatte“ ist ab Dienstag verfügbar im Premium-Bereich der App „FYEO“ (Kosten: 4,99 Euro / Monat).