Die alten, bunten Gondeln des Fahrgeschäftes sind inzwischen komplett abgebaut. Foto: imago/Christian Mang

Christopher Flade betreibt die größte Spreepark-Fanseite im Internet, hat über die Geschichte des Geländes drei Bücher geschrieben. Kaum ein Mensch weiß so viel über das einstige Berliner Vergnügungs-Juwel, kaum einer kennt die Fans des Parks so gut. Im KURIER schildert der 32-Jährige, warum die Spreepark-Fans so wenig Vertrauen in die Wiederbelebung des Parks durch die Grün Berlin GmbH haben. 

Im Jahr 1993 war ich zum ersten Mal im Spreepark, damals war ich vier Jahre alt. Das Gelände inmitten des Plänterwaldes hat mich von Anfang an fasziniert. In das Riesenrad zu steigen, aus den Bäumen auf- und wieder abzutauchen – das war ein besonderes Erlebnis. Zehn Jahre später, der Park war geschlossen, belauschte ich in der S-Bahn ein Gespräch zwischen einer Mutter und ihrem Kind.

Das Kind fragte, warum dort, im Plänterwald, ein Riesenrad über den Baumwipfeln zu sehen ist. Die Mutter antwortete, sie wisse es nicht, das werde wohl ein Rummel sein. Ich dachte: Wie kann man den Spreepark schon vergessen haben? Aus dem Bedürfnis, die Geschichte des Geländes erhalten zu wollen, entstand die Spreepark-Fanseite. Hier dokumentiere ich alle Entwicklungen, Höhen und Tiefen, den Neustart des Parks.

Christopher Flade betreibt die größte Spreepark-Fanseite im Netz, führt seit Jahren das Erbe der Spreepark-Clowns Hops und Hopsi weiter. Foto: Berliner KURIER / Markus Wächter

Jahrelang verfiel das Gelände, doch nun bricht ein neues Kapitel an. Derzeit laufen die Sanierungsarbeiten für einen neuen Kunst- und Naturpark. Natürlich habe auch ich - wie viele andere - darauf gehofft, dass auf dem Gelände wieder ein Freizeitpark entsteht, dass die lange Tradition des Rummels im Treptower Park fortgeführt wird. Natürlich bin auch ich etwas enttäuscht. Aber: Ich bin auch ein Fan der Parks von Grün Berlin.

Auf der Fanseite sehe ich allerdings täglich, wie Menschen, für die der Spreepark ein Teil der eigenen Kindheit ist, auf den Neustart blicken. Am Abbau des Riesenrades lässt sich das gut ablesen: Viele äußern Skepsis, dass das Wahrzeichen wiederkommen wird. Ich bekomme Kommentare wie „Ich traue es der wundervollen Stadt Berlin zu, das Riesenrad komplett abzubauen und unter einem Vorwand wird gesagt, es könne leider nicht mehr aufgebaut werden!“ So groß ist das Misstrauen gegenüber jenen, die am Neustart arbeiten.

Über Jahre wurde von Seiten der Politik gesagt, man wolle eine Lösung suchen, damit auf dem Gelände wieder ein Freizeitpark entstehen kann. Immer wieder gab es Hoffnung auf neue Betreiber. Dann kaufte die Stadt das Gelände, für viele Spreepark-Fans eine Erlösung. Doch es kam anders.

Christopher Flade, Spreepark-Experte

Vielleicht liegt es daran, dass in der Kommunikation Fehler gemacht wurden? Über Jahre wurde von Seiten der Politik gesagt, man wolle eine Lösung suchen, damit auf dem Gelände wieder ein Freizeitpark entstehen kann. Immer wieder gab es Hoffnung auf neue Betreiber. Dann kaufte die Stadt das Gelände, für viele Spreepark-Fans eine Erlösung. Doch es kam anders: Zu Beginn wurde gesagt, der Spreepark werde kein Freizeitpark mehr.

Man wollte nicht auf Kommerzielles, sondern auf Kunst setzen

Dann kam der „Bürgerdialog“ – und auch der glich einem Witz. Die Bürger sollten entscheiden, wie die Zukunft des Geländes aussehen soll. Doch schon zu Beginn hieß es, dass eine Wiedereröffnung als Freizeitpark ausgeschlossen sei. Man wollte nicht auf Kommerzielles, sondern auf Kunst und Kultur setzen. Was hat das mit einem Bürgerdialog zu tun? Zudem sind die Pläne bis heute nicht bei jedem angekommen. Immer wieder heißt es, der Spreepark mache wieder auf. Viele hoffen daraufhin, der Freizeitpark kommt zurück. Hätte man dem Kind einen anderen Namen gegeben, vielleicht „Kunstpark Plänterwald“, gäbe es weniger Verwirrung. Fast täglich bekomme ich Nachrichten von Menschen, die sich freuen, dass sie bald wieder mit der Achterbahn fahren können. Der Name Spreepark weckt Begehrlichkeiten. Die Realität wird am Ende viele enttäuschen.

Anfang Januar begann der Abbau des Riesenrades. Foto: imago images / Bernd Friedel

Dabei gibt es kaum ein Gelände, auf das ein familienfreundlicher Freizeitpark besser passen würde. Der Treptower Park liegt direkt an der Spree, bietet Anlegeplätze für Tretboote, die Sternwarte, Spielplätze. Wie schön ein innerstädtischer Freizeitpark sein kann, zeigen auch Beispiele wie das „Tivoli“ in Kopenhagen. Aber: Ich mache Grün Berlin keinen Vorwurf, dort wurde die Entscheidung nicht getroffen. Sie setzen nur das um, was andere für das Gelände wollen. Und die anderen Parks, die das Unternehmen betreut, sind toll. Ich habe vollstes Vertrauen in deren Arbeit, aber es ist schade, dass viele Menschen so frustriert sind.

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Dass das Riesenrad wiederkommt, glaube ich dennoch. Man dürfte erkannt haben, dass es das Wahrzeichen des Parks ist. Ob es sich wirklich lohnt, das alte Fahrgeschäft zu sanieren, wird sich zeigen. Aber wenn es nicht geht, wird vielleicht ein neues gekauft. Immerhin ist das Riesenrad schon jetzt im neuen Logo des Parks verewigt. Das zeigt: Das Rad gehört auf das Gelände. Und das ist immerhin ein gutes Signal.