Der einsame Zocker in der Spielothek. Foto: dpa/Dedert

Wettbüros, Spielhallen und Casinos mögen wegen der Corona-Krise in Berlin geschlossen sein - im Internet wird aber immer weiter und offenbar auch mehr gezockt.

Die Schließung von Spielstätten werde Klienten durchaus als Entlastung und Ausstiegschance wahrgenommen, sagt die Landessuchtbeauftragte Christine Köhler-Azara. Allerdings gebe es aus der Beratungspraxis den Befund, dass die Nutzung von Online-Glücksspielen zunimmt. Online-Glücksspiele seien jedoch schon vor der Krise ein immer häufiger benanntes Problem gewesen. Die Auswirkungen der Pandemie auf das Glücksspielverhalten könnten derzeit noch nicht valide abgeschätzt werden.

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Das Präventionsprojekt Glücksspiel Berlin differenziert zwei Arten von Glücksspielern: Gelegenheitsspieler, die in ihrer Freizeit spielen. „Bei dieser Gruppe gehen wir davon aus, dass diese Menschen momentan einfach nicht an Glücksspielen teilnehmen“, sagt Projektleiterin Angelina Goschew. Dann gebe es noch die Menschen mit einem problematischen Glücksspielverhalten, für die Glücksspiele zum Stressabbau oder zur Ablenkung dienen. Bei ihnen werde davon ausgegangen, dass Glücksspiele im Internet als eine potenzielle Alternative zu Wettbüros oder Spielhallen angesehen werden.

Das Abwandern zu Online-Spielen sei besonders leicht, sagte Goschew. Sie seien immer und überall verfügbar, es gebe keine soziale Kontrolle. Und die Angebote würden teils aggressiv mit Bonuszahlungen und bekannten Persönlichkeiten beworben. Konkrete Zahlen gebe es auch hier nicht, ihre Einschätzung stütze sie auf Beobachtungen aus dem Kontakt mit Betroffenen.

Zur Zeit sind die Spielotheken geschlossen. Foto: Imago/Hettrich

Die Suchtberater fordern unter anderem ein Verbot von Werbung. Auch für Daniel Buchholz, Experte für Glücksspiel in der Berliner SPD-Fraktion, hat Glücksspielwerbung im öffentlichen Raum nichts mehr zu suchen. Er sprach sich dafür aus, die Werbung komplett zu verbieten. Besondere Gefahr sieht er in Sportwetten, da diese suggerierten, mit dem eigenen Wissen zu punkten. „Aber auch hier gewinnt am Ende immer der Anbieter“, sagt Buchholz.

Nach Angaben von Angelina Goschew zeigen bundesweit 429.000 Menschen ein mindestens problematisches Glücksspielverhalten. Da es Glücksspielsüchtigen häufig gelingt, ihre Sucht unter Umständen über mehrere Jahre geheim zu halten, sei von einer höheren Zahl von problematisch spielenden Menschen auszugehen. Zu den soziodemografischen Risikofaktoren zählten das männliche Geschlecht, ein junges Alter, ein Migrationshintergrund und niedriges Einkommen.