Ein Wasserwerfer der Polizei fährt zur Unterstützung der Löscharbeiten in den Grunewald.
dpa/Wolfgang Kumm
Ein Wasserwerfer der Polizei fährt zur Unterstützung der Löscharbeiten in den Grunewald.

Einsatzkräfte sprechen von der kritischsten Gefahrenlage für Berlin seit dem 2. Weltkrieg! Inzwischen ist es gelungen, die Flammen im Berliner Grunewald weitgehend zu löschen – doch die Gefahr vor allem für die Rettungskräfte ist nicht gebannt. Eine Aufhebung der Straßen- und Bahnsperrungen war am Freitagnachmittag weiter nicht in Sicht. Nachdem ein Sprengmeister der Polizei am Vormittag das Gelände in einem Bergepanzer erkunden konnte, hatten Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr einen besseren Überblick über die Situation auf dem Sprengplatz. Von dort hatte sich das Feuer am Vortag auf den Wald ausgebreitet.

Boden bis zu 700 Grad heiß, Weltkriegsboden aus Halterungen gerissen

Der Boden dort war nach Angaben der Polizei an manchen Stellen noch bis zu 700 Grad heiß! Um die Gefahr weiterer Explosionen von Munitionsresten zu verringern, müssten diese Bereiche mit Wasser gekühlt werden, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz.

Zwei gelagerte Bomben aus dem Weltkrieg mit einem Gewicht von je 250 Kilogramm seien aus ihren Halterungen gerissen worden. Sie seien nicht explodiert, aber sehr heiß geworden und müssten gekühlt werden. Das gleiche gelte für weitere Bereiche auf dem großen Gelände. Dafür seien die Feuerwehr und eine Spezialfirma mit einem Löschpanzer im Einsatz. Brände gebe es dort nicht mehr. Einige Lagerstätten von gefährlichen Explosivstoffen würden schon immer ständig mit Wasser gekühlt, dort sei nichts passiert.

Bis zum Freitagmorgen hatte die Feuerwehr hat Fortschritte beim Löschen des Großbrands im Berliner Grunewald gemacht. „Wir konnten den Waldbrand innerhalb des Sperrkreises in der Nacht gut bekämpfen“, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am Freitagmorgen. Dies sei „eine gute Entwicklung“. Es gehe jetzt darum, weitere offene Feuer zu löschen.

Feuerwehr kämpft sich bis auf 500 Meter an den Sprengplatz heran

Rund um den Sprengplatz hatte die Feuerwehr am Donnerstag einen Sperrkreis von rund 1000 Metern gezogen. Trotz der massiven Explosionsgefahr um den Sprengplatz konnte die Feuerwehr in Absprache mit dem Sprengmeister der Polizei teilweise bis auf 500 Meter an den Platz vorrücken, um gegen die Flammen anzukämpfen.

Ziel sei es nun, ein genaueres Lagebild von dem Sprengplatz zu erhalten, sagte Kirstein. Dafür fuhren am Vormittag diverse Spezialfahrzeuge auf. Die Feuerwehr habe „nahezu alles, was es an Technik gibt in Deutschland“ anfahren lassen. „Wir fahren hier heute groß auf.“

Im Berliner Grunewald ist nach einer unbeabsichtigten Explosion auf dem dortigen Sprengplatz ein Feuer ausgebrochen und hat den angrenzenden Wald in Brand gesetzt. Die Avus bleibt mindestens bis Freitagmorgen gesperrt.
Im Berliner Grunewald ist nach einer unbeabsichtigten Explosion auf dem dortigen Sprengplatz ein Feuer ausgebrochen und hat den angrenzenden Wald in Brand gesetzt. Die Avus bleibt mindestens bis Freitagmorgen gesperrt. dpa/Christophe Gateau

Löscharbeiten noch den ganzen Tag – Avus bleibt gesperrt

Auf dem Sprengplatz selbst konnten laut Kirstein noch keine Maßnahmen erfolgen. Die Feuerwehr sei aber dort nun mit Löschpanzern und ferngesteuerten Robotern im Einsatz. Diese könnten sowohl den Ort erkunden als auch löschen. In Absprache mit dem Sprengmeister solle dann eine Prognose getroffen werden, wie gefährlich die Lage auf dem Platz selbst noch sei. Die Löscharbeiten würden deshalb den ganzen Tag noch andauern, sagte Kirstein.

Der Sprengmeister der Polizei soll in einem Panzerfahrzeug der Bundeswehr an den Sprengplatz ranfahren und von der Außengrenze einen ersten Eindruck gewinnen und eine Einschätzung abgeben. Ein Löschpanzer einer privaten Firma, der für Gebiete mit Explosionsgefahren konstruiert ist, wird eingesetzt. Zudem sollen drei Roboter aus Niedersachsen, die auch löschen können, in den Sperrkreis Richtung Sprengplatz fahren.

150 Kräfte der Feuerwehr waren dem Sprecher zufolge am Freitagmorgen noch im Einsatz. Hinzu kamen zahlreiche weitere von Polizei, Bundeswehr und Technischem Hilfswerk. Die Unterbrechung des Zugverkehrs und die Sperrung der Autobahn Avus sowie umliegender Straßen wurden aufrecht erhalten.

Unterstützung aus anderen Bundesländern

Feuerwehrsprecher Klein sagte am frühen Freitagmorgen, die Feuerwehr habe aus anderen Bundesländern sowie von der Bundeswehr Unterstützung in Form von vier gepanzerten Kettenfahrzeugen erhalten. Dazu zähle etwa ein Löschpanzer, wodurch die Einsatzkräfte neue Möglichkeiten erhielten.

Hilfe aus anderen Bundesländern für die Berliner Feuerwehr: Löschroboter der Feuerwehr aus Vechta im Grunewald.
Hilfe aus anderen Bundesländern für die Berliner Feuerwehr: Löschroboter der Feuerwehr aus Vechta im Grunewald. dpa/Christophe Gateau

Feuer im Grunewald: Dauer der Avus-Sperrung weiter unklar

Wohngegenden sind nach Angaben der Feuerwehr durch den Brand nicht in Gefahr, die nächsten Wohngebäude seien mindestens zwei Kilometer entfernt. Das Gebiet wurde großräumig abgesperrt. Davon waren auch die Autobahn Avus und Teile des Regional-, Fern- und S-Bahnverkehrs betroffen.

Zunächst sei am Freitag eine Bewertung der Lage auf dem Sprengplatz nötig, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein in einer rbb-Sondersendung zum Großbrand im Südwesten Berlins am Donnerstagabend. „In den Morgenstunden wird die Bundeswehr gemeinsam mit der Polizei Berlin versuchen, dort Bilder zu machen, damit der Sprengmeister eine Einschätzung durchführt“, sagte Kirstein.

Grunewaldstrecke der S7 kann vielleicht wieder fahren

Wie die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) auf Twitter mitteilte, hofft die S-Bahn Berlin, dass die Grunewaldstrecke der S7 am Freitagmorgen wieder freigegeben werden könne. Noch bis 6 Uhr ist der Zugverkehr zwischen Grunewald und Wannsee aber unterbrochen. Als Umfahrungsmöglichkeit wird die S1 zwischen Friedrichstraße und Wannsee empfohlen. Zwischen Wannsee und Potsdam fahren die Züge der Linie S7 außerdem nur im 20-Minuten-Takt.

Einschränkungen gibt es weiterhin auch im Regional- und Fernverkehr. So bleibt die Strecke zwischen Berlin Hauptbahnhof und Potsdam gesperrt. Einzelne Züge im Fernverkehr müssen nach Angaben der Deutschen Bahn umgeleitet werden und können nicht in Berlin-Wannsee und Potsdam Hauptbahnhof halten. Der Brand im Grunewald war am Donnerstagmorgen ausgebrochen und hatte sich im Laufe des Tages ausgeweitet.