Ab Sonnabend müssen Restaraunts, Bars und die meisten Geschäfte von 23 Uhr bis 6 Uhr schließen. Foto: AP/Markus Schreiber

Sperrstunde. Erhebliche Eingriffe in den privaten Bereich. Verlangsamung des gesellschaftlichen Lebens. Verzicht auf unnötige soziale Kontakte. Beschränkung auf die Dinge, die dringend notwendig sind. Mit diesen deutlichen Worten haben der Regierende Bürgermeister Michael Müller, der Bürgermeister und Kultursenator Klaus Lederer sowie Justizsenator Dirk Behrendt als Vertreter des rot-rot-grünen Regierungsbündnisses am Dienstagabend die neue Berliner Corona-Verordnung begründet.

Ebenso eindeutig fällt am Tag darauf die Reaktion der Betroffenen aus – der Gastronomen, die teils von dem Nachtgeschäft leben. Besonders empört reagierte der Co-Gründer der Initiative Bars of Berlin, Roberto Manteufel: „Mir fehlen die Worte vor Wut und Empörung“, sagte der Betreiber der Bar Marietta in Prenzlauer Berg am Mittwochvormittag im Wirtschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses – die Sitzung des Gremiums widmete er kurzerhand in „Krisensitzung“ um. Die Bar-Betreiber fühlten sich „verraten und verarscht“, sagte er. Die Sperrstunde könne nur als „Todesstoß für Bars“ bezeichnet werden. Dabei sei es doch unter anderem seine Branche, die Werte – und Marketingargumente – „wie Freiheit, Diversität und Lebensfreude“ für Berlin verteidigt beziehungsweise erst errungen habe. Große Worte, die Manteufel mit der Forderung an die Politik verknüpfte, „dieses Nachtleben durch die Krise zu bringen“. Jetzt müsse schnell staatliche Unterstützung her.

Es muss schnell geholfen werden

Im Ausschuss fand der Barbetreiber dafür viel Verständnis. Über Fraktionsgrenzen hinweg herrschte Einigkeit, dass schnell geholfen werden müsse. Praktischerweise hat sich der Senat am Dienstag bereits ähnlich geäußert.

Am Mittwoch kündigte nun Wirtschaftsstaatssekretär Christian Rickerts an, dass die Rettungsbeihilfen, die sogenannte Soforthilfe I, wieder geöffnet werden. Im März, zu Hochzeiten der Krise, hatte der Senat einen „Schutzschirm für Unternehmen und Arbeitsplätze“ gespannt. Um Unternehmen schnell zu helfen, wurde der Liquiditätsfonds der landeseigenen Investitionsbank Berlin vorübergehend für alle kleine und mittlere Unternehmen bis 250 Mitarbeiter geöffnet. Die Öffnung umfasste explizit auch Angehörige der Freien Berufe, Clubs und Restaurants. Die zinsfreie Förderhöchstgrenze lag bei 500.000 Euro. Nach einem ungeahnten Andrang – es lagen Anträge auf insgesamt 300 Millionen Euro vor – war der Fonds rasch dreifach überzeichnet und wurde deshalb geschlossen. Jetzt gibt es also für die Gastronomie Aussicht auf neue billige Kredite.

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Bei seinen harschen Worten hatte Lobbyist Manteufel sicher auch weniger die versammelten Berliner Wirtschaftspolitiker vor Augen, als vielmehr etwa Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Die SPD-Politikerin verteidigte am Mittwochmorgen auf Inforadio vom RBB die neuen Verschärfungen. „Das ist das Nachtleben in Berlin, was uns Probleme bereitet hat in den letzten Tagen und Wochen“, sagte sie. Deswegen habe der Senat gezielt Maßnahmen getroffen und gesagt, es sei Schluss damit, nachts Party zu machen. „Aber insgesamt ist auch die Botschaft: Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei.“