Das neue Berliner Schloss in Mitte Imago Images/Reiner Zensen

Etwa 200 bis 300 Meter vom neuen Berliner Schloss entfernt will die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) in der Breite Straße 65 bis 70 preisgünstige Wohnungen bauen. Das geht aus der Ausschreibung für ein sogenanntes Werkstattverfahren hervor, die von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlicht wurde. Ziel des Verfahrens ist es, Vorschläge für eine bestmögliche wirtschaftliche Ausnutzung des 3671 Quadratmeter großen Grundstücks zu erhalten. Früher stand an der Stelle das DDR-Bauministerium. Dieses wurde in der Zwischenzeit aber abgerissen.

In dem Straßenblock an der Breite Straße zwischen Scharrenstraße und Neumannsgasse sollen neben Wohnungen gewerblich und kulturell genutzte Fläche entstehen. Dabei ist geplant, die Achse zwischen Petriplatz und dem neuen Berliner Schloss (Humboldt Forum) durch „publikumswirksame Erdgeschosszonen“ zu beleben, wie es in der Ankündigung heißt. Die Architekten sind aufgefordert, „im Sinne eines vielfältigen, lebendigen Stadtquartiers“ eine Gebäudekonfiguration zu entwickeln, die sich am historischen Stadtgrundriss orientiert. Damit ist die kleinteilige historische Bebauung mit Bürgerhäusern gemeint, die noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten war.

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Die Breite Straße gehört zu den ältesten Straßen der Stadt. Im 15. Jahrhundert trug sie den Namen „by dem rathuze“, im 16. und 17. Jahrhundert hieß sie „Große Straße“. Ihren jetzigen Namen trägt sie seit Anfang des 18. Jahrhunderts. Bis zum Tod des großen Kurfürsten 1688 wohnten überwiegend Hofbeamte in der Straße, im 17. und 18. Jahrhundert Handwerker und Kaufleute. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestimmten zunehmend Geschäftshäuser das Straßenbild. In der Märzrevolution von 1848 wurde die Breite Straße, die auf das Schloss zuführt, Schauplatz von Barrikadenkämpfen. Die Häuser überstanden die Nacht vom 18. zum 19. März zwar weitgehend unbeschädigt, doch wurden fast alle geplündert. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude schwer beschädigt, die meisten fielen später der Neugestaltung des Ost-Berliner Stadtzentrums zum Opfer.

Nach dem Krieg gingen die Grundstücke „in Staatsbesitz“ über

Zu den bekannten historischen Gebäuden, die an der Breite Straße standen, gehören das Kaufhaus Hertzog und das Ermeler-Haus. Das Kaufhaus Hertzog hatte 1839 in der Breite Straße 13 zunächst als Manufakturwarenhandel des Kaufmanns Rudolph Carl Hertzog seinen Betrieb aufgenommen. Nach baulichen Erweiterungen dehnte sich das Kaufhaus um das Jahr 1896 beinahe auf das gesamte Karree zwischen Breite Straße, Brüderstraße, Scharrenstraße und Neumannsgasse aus. Nach dem Krieg gingen die Grundstücke laut Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „in Staatsbesitz“ über.

Das Grundstück des Ermeler-Hauses war 1567 erstmals erwähnt worden. Bewohner war der Ratsherr und spätere Bürgermeister Erhard Scheubelin. Das zwischen 1760 und 1763 zum Rokokopalais umgestaltete Ermeler-Haus wurde im Zuge der Neugestaltung der Breite Straße in den Jahren 1967 bis 1969 abgetragen und am Märkischen Ufer mit seinen charakteristischen Bauelementen wieder aufgebaut.

2023 soll das 32,4 Millionen Euro teure Projekt fertig werden

Das jetzige Baugrundstück soll in fünf bis sieben eigenständige Parzellen geteilt werden, wobei drei archäologische Funde integriert werden sollen. „In einem der Keller des Ermeler-Hauses in der Breite Straße Ecke Neumannsgasse konnten bei den archäologischen Untersuchungen mehrere Statuen, Plastiken sowie weitere Kunstwerke geborgen werden“, berichtet WBM-Sprecherin Karen Jeratsch. Zudem seien an der Breite Straße „auch weite Teile der Keller des Kaufhauses Hertzog ausgegraben“ worden. Neben Grundmauern seien technische Zeugnisse des frühen 20. Jahrhunderts, darunter Aufzüge und Heizanlagen sowie etliche Kleinfunde aus dem Alltagsleben, gesichert worden.

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Der Start des Werkstattverfahrens ist für Anfang August vorgesehen. Drei Architekturbüros können daran teilnehmen. Wer dafür ausgewählt werden will, muss sich zunächst in einem anonymen Teilnahmewettbewerb qualifizieren. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 17. Juni um 12 Uhr.

Nicht weit von der Breite Straße entfernt, am Petriplatz, wurde am Montag Richtfest für das Archäologische Haus gefeiert. In dem von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen errichteten Neubau sollen später archäologisch und historisch bedeutsame, mit dem Ort verbundene Funde in einer Ausstellung zugänglich gemacht werden. Im Jahr 2023 soll das 32,4 Millionen Euro teure Projekt fertig werden.