Eine Kinderärztin misst bei einer kleinen Patientin im Ohr die Körpertemperatur.
Eine Kinderärztin misst bei einer kleinen Patientin im Ohr die Körpertemperatur. dpa/Kaiser

Wer in Hohenschönhausen mit seinem Kind zum Arzt muss, muss oft lange Wege oder Wartezeiten in Kauf nehmen. Denn: Obwohl die Zahl der Kinder in dem Gebiet zwischen Wartenberg, Orankesee und Landsberger Allee in den letzten Jahren stark zugenommen hat, ging die Zahl der Kinderärzte genauso stark zurück. Eine Misere, die für den ganzen Bezirk Lichtenberg gilt, zu dem der Altbezirk Hohenschönhausen gehört. Kein Bezirk ist schlechter mit Kinderärzten versorgt als Lichtenberg.

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Die CDU-Abgeordneten Danny Freymark und Dr. Martin Pätzold wollten in einer kleinen Anfrage an den Senat wissen, wie die Situation in Hohenschönhausen ist. Die Zahlen sind eindeutig. In jedem der sogenannten Planungsräume (siehe Grafik) hat die Zahl der Kinder und Jugendlichen seit 2009 zwischen 0 und 18 Jahren stark zugenommen. Am Malchower Weg hat sich die Zahl der Kinder sogar mehr als verdoppelt.

Doch die Zahl der vor Ort ansässigen Kinderärzte hatte sich zwischenzeitlich sogar halbiert. Praktizierten im Jahre 2009 noch elf Kinderärzte im Alt-Bezirk, waren es 2020 nur noch 5. Inzwischen sind wieder zwei weitere dazukommen.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Kinder in Hohenschönhausen in den Jahren 2009 bis 2020 an.
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Kinder in Hohenschönhausen in den Jahren 2009 bis 2020 an. (Datenquelle: AfS Berlin-Brandenburg, Einwohnermelderegister; Darstellung: SenWGPG - I A)

In der Antwort vom Senat wird abgewiegelt: „Für Hohenschönhausen als Alt-Bezirk existiert keine gesonderte Bedarfsplanung, die Arztgruppe der Kinder- und Jugendärzte wird wie alle übrigen Facharztgruppen berlinweit beplant“, heißt es im schönsten Bürokratensprech aus der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Heißt: Für einen Besuch beim Kinderarzt ist es auch okay, wenn man ein bisschen durch die Gegend gondeln muss.

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Aus den nächsten Sätzen lässt sich dann aber herauslesen, dass die Region ein Sorgenfall ist. Denn es „lässt sich jedoch festhalten, dass die Versorgungsdichte im Bezirk Lichtenberg zwar noch ausreichend, im berlinweiten Vergleich mit 83,3 % jedoch am niedrigsten ist.“

Sorgenkind Nr. 1: Hohenschönhausen. Denn der „gehört zu den Stadtteilen, die innerhalb des Bezirkes Lichtenberg insoweit den größten Nachholbedarf haben.“

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Und die Situation wird nicht besser. Schon zwischen 2018 und 2020 nahm die Zahl der Kinder um fünf Prozent zu. Und Prognosen geht davon aus, dass im Jahr 2025 voraussichtlich ca. 24.200 und im Jahr 2030 voraussichtlich  24.500 Kinder und Jugendliche (0 bis unter 18 Jahre) in Hohenschönhausen geben wird. Ideen, wie sich das Problem lösen lässt, verrät die Antwort auf die kleine Anfrage nicht.