Brandenburgs Forstminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) sorgt sich um den Wald.
Brandenburgs Forstminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) sorgt sich um den Wald. dpa/Monika Skolimowska

Für Brandenburgs Wälder gibt es nach einem weiteren Dürrejahr keine Entspannung. Die Lage sei deprimierend und desillusionierend, sagte Umwelt- und Klimaschutzminister Axel Vogel (Grüne) am Montag bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2022 in Potsdam. Nur noch acht Prozent der Waldbäume wiesen keinerlei Schäden auf und könnten als gesund eingestuft werden. 2018 seien es noch 44 Prozent gewesen. Brandenburg fehle weiter ein vollständiger Jahresniederschlag, betonte der Minister.

Stärkstes Problem für die Wälder sei der Klimawandel, betonte Vogel. Auch die insgesamt 504 Waldbrände hätten auf mehr als 1400 Hektar Fläche teils große Schäden angerichtet. Darunter seien vier Großbrände gewesen, bei denen allein im Landkreis Elbe-Elster 740 Hektar und im Landkreis Potsdam-Mittelmark 410 Hektar Wald vernichtet wurden. Bei 480 der Waldbrände sei es gelungen, die Ausdehnung auf unter einen Hektar zu beschränken, sagte Vogel. Die Flächen müssten nun wieder bepflanzt werden.

Der Minister kündigte zugleich weitere Anstrengungen für einen klimaresistenten Waldumbau an. Geplant sei unter anderem, künftig mindestens drei Baumarten auf den Flächen wachsen zu lassen, sagte Vogel. Die Bestände müssten zudem verjüngt werden. Es bestehe ein „sehr hoher Bedarf und sehr hohe Dringlichkeit beim Waldumbau“, sagte Ulrike Hagemann, Leiterin des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE).

Brandenburg will den Wald resistenter machen

Auf mehr als 90.000 Hektar Flächen seien zwar inzwischen Maßnahmen zum Waldumbau umgesetzt, sagte Hagemann: „Das ist erfreulich.“ Dies reiche jedoch nicht aus. Um den Waldumbau zu schaffen, müsse auch die Jagd auf Wild intensiviert werden, das die Wälder schädigt. Bislang weniger bedeutende Baumarten wie Birke, Linde, Eberesche, Weide und Pappel müssten zudem in Brandenburgs Wäldern künftig mehr Raum bekommen, sagte Hagemann: „Wir setzen auf Vielfalt.“

Derzeit sei auf mehr als 70 Prozent der Flächen noch immer die Kiefer die Hauptbaumart, hieß es weiter. Rund 15 Prozent der Kiefern weisen dem Waldzustandsbericht 2022 zufolge deutliche Schäden auf, der Anteil gesunder Bäume lag nur noch bei fünf Prozent. 2017 waren noch 51 Prozent der Kiefern ohne Schäden, 2021 waren es noch zehn Prozent. Dies sei ein deutliches Zeichen, wie extreme Witterungsereignisse und ihre Folgeschäden auch die Vitalität von Baumarten beeinträchtigen, die als „trockentolerant“ gelten, betonte Vogel.

Brandenburg: Buche und Eiche stark geschädigt

Buche und Eiche sind dem Bericht zufolge die am meisten geschädigten Baumarten. Jeder zweite Baum weise in der Stichprobe für den Waldzustandsbericht deutliche Schäden auf, hieß es. Bei der Buche seien es 54, bei der Eiche 50 Prozent. Nur noch fünf Prozent der Eichen und acht Prozent der Buchen seien ohne Schäden gewesen. Diese Ergebnisse lägen weit unter dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2018.

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Brandenburg verfügt nach Ministeriumsangaben über rund 1,1 Millionen Hektar Wald. Dies entspricht 37 Prozent der Landesfläche. Der Waldzustand wird seit 1991 nach einem bundeseinheitlichen Verfahren ermittelt. Für den aktuellen Bericht wurde in Brandenburg eine Stichprobe von 4.740 Bäumen untersucht. Im Mittelpunkt stand die sogenannte Kronenverlichtung, das heißt der Nadel- und Blattverlust der Bäume.