Polizisten stehen vor dem besetzten Wombat’s-City-Hostel in Berlin-Mitte. Das Haus steht seit 2019 leer. dpa/Carstensen

Eine geschmacklose Farb-Fehde zwischen Hostel-Personal und Hausleitung, Brände in der Nacht, dann die plötzliche Schließung der Herberge, weil den Chefs die Belegschaft zu bockig war. Aber: Das unrühmliche Kapitel des Wombat’s-Hostels in Berlin ist noch nicht zu Ende. Jetzt besetzten Ukraine-Aktivisten das leer stehende Gebäude.

Aktivisten haben am Sonnabend das leer stehende Hostel in Berlin-Mitte besetzt. Sie forderten, das Gebäude an der Alten Schönhauser Straße als selbstverwaltete Unterkunft für Geflüchtete zu nutzen. Die Landesregierung solle alle leer stehenden Gebäude enteignen und sie Schutzsuchenden zur Verfügung stellen, hieß es in einer Mitteilung.

Die Forderung ist natürlich ein bisschen naiv, aber die Sache selbst ist ehrenvoll, denn für Flüchtlinge kann man nie genug protestieren.

Berlin: Im Bezirk Mitte wurde ein leer stehendes Hostel besetzt, die Fassaden mit Transparenten verhängt. dpa/Gateau

Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass eine kleine Zahl von Personen im Gebäude sei. Vor dem Haus gebe es außerdem eine Versammlung mit einigen Dutzend Menschen, sagte ein Sprecher. Die Behörde sei mit etwa 30 Einsatzkräften vor Ort. Das übliche Verfahren sei, den Besitzer des Gebäudes zu kontaktieren und das weitere Vorgehen abzusprechen.

Besetztes Hostel in Berlin machte trotz Gewinn dicht

An der Fassade des besetzten Gebäudes hingen Transparente mit Aufschriften wie „Besetzt“ und „Refugees Welcome“. Die Initiative Hostels to Housing erklärte in ihrer Mitteilung, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zwinge Hunderttausende zur Flucht – nicht alle hätten einen ukrainischen Pass, aber alle bräuchten ein Zuhause. Es sei inakzeptabel, dass leer stehende Räumlichkeiten ungenutzt blieben.

2019, hieß es, sollte das Wombat’s-Hostel in Mitte schließen. Vier Jahre lang hatten die Angestellten für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. Die Eigentümer der Hostel-Kette dankten es ihnen nicht. Am Ende wurde der Betrieb dichtgemacht. Und das, obwohl das Hostel Gewinne einfuhr.

Die Polizei beendete die Hostel-Besetzung am Nachmittag friedlich.

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