Auch Schauspielerin und Wettbewerbs-Regisseurin Maria Schrader kam zur Berlinale-Eröffnung auf die Museumsinsel. dpa/Kalaene

Knisternde Spannung auf der mobilen Großleinwand, quietschende S-Bahnen im dämmrigen Hintergrund. Die Sommer-Berlinale wurde am Mittwochabend (9. Juni) an einem ungewöhnlichen Ort eröffnet. Kinozauber auf der historischen Museumsinsel, bei trockener, warmer Witterung, mit einer Picknick-Box für alle Besucher – das hat es bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin so feierlich noch nicht gegeben. Dabei hatte das Festival bis in die späten 70er-Jahre hinein immer im Sommer stattgefunden.

Beim Auftakt im Open-Air-Kino begrüßten Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und die Berlinale-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian rund 450 Gäste. Pandemiebedingt herrschte ein strenges Hygiene-Regime. Das sollte die handverlesene Prominenz aber nicht abhalten zu kommen. Unter den Gästen waren auch Ulrich Matthes, Iris Berben, Natalia Wörner und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne). Dazu ihre Partei-Kolleginnen Ramona Pop und Antje Kapek aus Berlin. Außerdem Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

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Ein buntes Feld, das tat der wegen Corona gerupften 71. Ausgabe des Filmfestivals gut. Weltstar Jodie Foster, die Hauptdarstellerin des Eröffnungsfilms „The Mauritanian“ von Kevin Macdonald, hatte ihre Teilnahme ja leider abgesagt. Allerdings wollte sie zusammen mit ihrem Kollegen Benedict Cumberbatch dem Publikum auf der Museumsinsel digitale Grüße übermitteln. Na bitte! Vor einigen Tagen wurde bestätigt, dass Foster am 6. Juli Ehrengast bei der Eröffnungszeremonie des Filmfestivals von Cannes sein wird. Dort bekommt die Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin dann auch noch die Goldene Ehrenpalme überreicht – man kann sich ja nicht zerreißen.

Vorbildlich: Iris Berben (l.) und Natalia Wörner kamen mit Masken zur Museumsinsel. dpa/Kalaene

In Berlin sollten wir Nancy Hollander sehen, die Anwältin von Mohamedou Ould Slahi, auf dessen Geschichte der Film beruht. Hollander wollte „The Mauritanian“ bei der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch persönlich vorstellen. Das Werk erzählt vom 9/11-Trauma der Amerikaner: Ein möglicherweise unschuldig inhaftierter und von US-Militärs gefolterter Mauretanier kämpft um seine Freiheit.

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Durch den feierlichen Abend in Berlin führte gewohnt witzig und frech Moderatorin Hadnet Tesfai. Mariette Rissenbeek frohlockte: „Es ist wunderbar, dass wir gemeinsam dieses kulturelle Ereignis feiern können.“ Berlins Regierender Michael Müller sagte: „Das waren entbehrungsreiche Monate für alle. Endlich geht's wieder los!“ Die Berlinale musste zwar – wie oben gesagt – leicht abspecken, aber das sogenannte Summer Special vom 9. bis 20. Juni kann dann doch in immerhin 16 Open-Air-Spielstätten 126 Filme aus 56 Ländern präsentieren. 

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Die Festival-Chefs Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian begrüßen das Publikum.

Die Preisträgerinnen und Preisträger waren schon im März bekannt gegeben worden. Die Bären kriegen sie allerdings erst jetzt (KURIER berichtete). Der Goldene Bär für den besten Film geht an die Satire „Bad Luck Banging or Loony Porn“ des rumänischen Regisseurs Radu Jude. Darin geht’s um eine Lehrerin, die Ärger bekommt, weil sie in einem Porno auftaucht. Den Silbernen Bären für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle bekommt die Wahl-Berlinerin Maren Eggert – für ihre Darstellung in Maria Schraders Wettbewerbsbeitrag „Ich bin dein Mensch“. Es ist der erste genderneutrale Schauspielpreis der Berliner Filmfestspiele. Eggert verkörpert eine Wissenschaftlerin, die sich in einen humanoiden Roboter verliebt, der Rilke zitieren und Rumba tanzen kann.

„Weiter so – und wir bleiben die Toplangweiler, weltweit!“

Auch einen Berlinale-Protest hat es bereits gegeben. Am Dienstagnachmittag hatte sich Regie-Urgestein Klaus Lemke (80, „Rocker“, „Berlin für Helden“) mit seiner Gefolgschaft am Rosenthaler Platz in Mitte festgesetzt, um gegen das Festival zu demonstrieren. Lemke, der gerade sein neuestes Werk in Berlin abdreht („Partys, Jailbreaking, Sounds, mysteriöse Einbrüche, Vaudeville“) hatte per SMS eingeladen: „heute kleiner Aufstand …“ Der Kult-Regisseur wurde nach eigenen Angaben bereits 17-mal von der Berlinale abgelehnt. Seine Einstellung zum deutschen Kino teilte er jetzt in knappen Worten dem KURIER mit: „Weiter so – und wir bleiben die Toplangweiler, weltweit!“