Frank Zander in der Talk-Show „Riverboat“: Der Sänger verlor die Räumungsklage gegen ihn, soll nun nach 54 Jahren aus seiner Berliner Wohnung raus. Imago

Er begeistert mit Liedern („Hier kommt Kurt“) und Sketchen die Menschen. Doch nun ist es bei Frank Zander (79) mit der guten Laune vorbei. Der Star, der sich für Obdachlose einsetzt, ihnen zu Weihnachten Gänsebraten serviert, muss bis Ende Oktober aus seiner  Wohnung raus, in der er mit Frau Evy seit 54 Jahren lebt. Das Amtsgericht Charlottenburg entschied dies in einer Räumungsklage des Vermieters. „Meinen Eltern geht es sehr schlecht“, sagt Sohn Marcus Zander (53) dem KURIER. „Ich habe meinen Vater noch nie so bedrückt erlebt.“

Für seine Eltern sei es unfassbar, dass sie durch ein Gerichtsurteil ihre Wohnung an der Witzlebenstraße verlieren sollen. „Seit 54 Jahren wohnen sie dort. Fast ein halbes Menschenleben. Das gibt man nicht so einfach auf“, sagt der Sohn. Sein Vater will um die Wohnung kämpfen. „Als Ur-Berliner fühlt er sich mit seinem Charlottenburger Kiez eng verbunden. Und einen alten Baum verpflanzt man nicht. Frank lehnte daher auch das Angebot ab, nach Brandenburg zu ziehen. Er sucht auch noch keine Wohnung in Berlin.“

Frank Zander mit seiner Frau Evy und Sohn Marcus beim Brandenburg-Ball 2019 in Potsdam. Marcus sorgt sich um seine Eltern: „Es geht ihnen nach dem Urteil sehr schlecht.“ Imago Images

Frank Zander teilt auf Facebook nach dem Urteil mit: „Meine Frau und ich brauchen jetzt ein paar Tage Zeit, um das alles zu verarbeiten.“ Und er erklärt, dass er gegen das Urteil in Berufung gegangen ist. Das weitere Reden überlässt er dem Sohn.

Marcus Zander: „Anwälte schauen genau, was mein Vater öffentlich sagt“

Aus gutem Grund, wie Marcus Zander erklärt. „Die Chancen in dem Berufungsverfahren stehen 50 zu 50, dass meine Eltern doch in der Wohnung bleiben können“, sagt er. „Daher schauen die Anwälte nun genau auf das, was mein Vater öffentlich sagt. Ein falsches Wort könnte die Chance zerstören.“

Denn es war ein falsches Wort, das zur fristlosen Wohnungskündigung und zur Räumungsklage führte. Ausgelöst durch ein Drama, das für Frank Zander vor über zwei Jahren begann, als ein Münchener Unternehmer das Haus erwarb.

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In diesem Eckhaus an der Witzlebenstraße wohnt Frank Zander mit seiner Frau seit 54 Jahren.
Volkmar Otto

Dieser fing damals mit dem Ausbau des Dachgeschosses über Zanders Wohnung an. „Offenbar hat der neue Eigentümer nicht gewusst, dass mein Vater den Dachboden für seine Arbeit nutzte, es dafür sogar einen Mietvertrag seit 33 Jahren gab“, sagt Marcus. Seine Eltern fanden es befremdlich, dass der Hausbesitzer mit ihnen nie über seine Pläne sprach.

„Es gab bis heute kein einziges persönliches Wort, kein ein einziges Treffen zwischen dem Eigentümer und meinen Eltern“, sagt Marcus Zander. Stattdessen gab es Krach. „Meine Eltern mussten mit Baulärm leben. Dann kamen im April 2020 und im Januar 2021 noch Teile der Decke in der Wohnung meiner Eltern herunter. Sie mussten sogar zwischenzeitlich in ein Hotel ziehen.“

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Frank Zander in seinem Arbeitszimmer im Januar 2021: Er zeigt auf die Stelle, auf der die Teile zu sehen sind, die von der Decke fielen. Davids/Sven Darmer

Die Situation sei sehr belastend gewesen. „Dazu kam, dass mein Vater wegen des Lockdowns nicht auftreten konnte und meine Mutter auch noch krank war“, sagt der Sohn. Als sein Vater die Geschichte öffentlich machte, fiel in einem Interview ein Schimpfwort in Richtung Hauseigentümer. Der Vermieter antwortete mit der fristlosen Kündigung der Wohnung. Da Zander nicht auszog, folgte die Räumungsklage, die der Vermieter erst einmal gewann.

„Mein Vater befand sich in einer psychischen Ausnahmesituation, seine Worte gegen den Vermieter tun ihm auch leid“, sagt der Sohn. „Doch in der ersten Instanz wurde diese Ausnahmesituation nicht berücksichtigt. Das muss nun im Berufungsverfahren geschehen. Schließlich haben meine Eltern in den 54 Jahren stets pünktlich die Miete bezahlt, sich auch sonst nichts zu Schulden kommen lassen.“

Die lange Mietdauer bietet in dem Fall keinen Kündigungsschutz

Ähnlich sieht es auch Reiner Wild, Chef des Berliner Mietervereins. „Ob Promi oder nicht: Aus meiner Sicht müssten auf Grund der Umstände mildernde Umstände für den Mieter gewährt werden“, sagt er. Die lange Wohndauer aber biete keinen Kündigungsschutz. Denn die harten Worte des Sängers stellen eine Zerrüttung des Mietverhältnisses dar, so Wild.