Eine alte  Zoo-Aktie, die 1955 für 500 Mark ausgegeben wurde. Heute liegt ihr Kurs bei 8400 Euro. Gerd Engelsmann

Die Aktie des Berliner Zoos ist derzeit 8400 Euro wert, zählt zu den teuersten der Welt. Genau sie hat jetzt die Linkspartei im Visier. Statt 16,5 Millionen Euro als Corona-Hilfe vom  Senat zu verlangen, sollte der Zoo besser aus seinen Aktien Kapital schlagen, um die pandemiebedingten Millionenverluste einzudämmen, schlägt der Linke-Haushaltsexperte Sebastian Schlüsselburg vor. Der Tiergarten müsse nur neue Wertpapiere auflegen und diese an das Land Berlin verkaufen. Die Idee der Linken: Mit diesem Deal könnten Zoo und Tierpark landeseigene Unternehmen werden.

Etwa 4000 sogenannte Namensaktien sind im Umlauf. Die Wertpapiere sehen wie kleine Kunstwerke aus,  bleiben meist im Familienbesitz der Aktionäre. Selten kommt es zu Verkäufen. Das macht die heiß begehrte Aktie unter anderem so teuer. Nur hat der Zoo nichts davon, der Einnahmeverluste  von 24 Millionen Euro ausgleichen muss, weil wegen Corona die Besucherzahlen drastisch zurückgingen.

„Jedes börsennotierte Unternehmen legt in Krisenzeiten neue Aktien auf, um so an frisches Geld zu kommen“, sagt Schlüsselburg dem KURIER. „Das sollte auch die Zoo-AG machen: Neue Aktien im Wert von 16,5 Millionen Euro auflegen, genau die Summe, die der Zoo gerade haben will.“

Millionen-Einnahmeverluste: Wegen Corona hatte der Zoo einen drastischen Besucherrückgang. Für Wochen musste der Tiergarten sogar schließen. imago

Als Käufer der Aktien käme für Schlüsselburg nur der Senat infrage. „Das Land Berlin erhält als Gegenwert etwa 90 Prozent der Stimmrechte. Damit würden wir den Zoo und die Tierpark-Tochter zu landeseigenen Unternehmen machen.“

Diese Kommunalisierung sei auch nicht weiter schlimm, meint Schlüsselburg. „Die Berliner sprechen ja  immer schon von ,unserem Zoo und unserem Tierpark‘“, sagt er. „Außerdem war der Tierpark zu DDR-Zeiten bereits in öffentlicher Hand.“

Mit dem Aktien-Kauf bekäme Berlin mehr Mitspracherechte beim Zoo

Beide Berliner Tiergärten als Landesunternehmen: „Der Senat hätte mehr Mitspracherechte, auch bei strittigen Themen, wenn es etwa um den Zoo-Eintritt mittels Gesichtsscannung geht, die derzeit erst einmal auf Eis liegt. Außerdem könnten weitere Zuschüsse für Investitionen in den Zoo und in die Umgestaltung des Tierparks fließen.“ Das klingt fast so, als wolle Schlüsselburg die Rettung des ältesten Tiergartens in Deutschland zum neuen Wahlkampfthema machen.

Dennoch kommt seine Aktien-Idee nicht ganz von ungefähr. Denn um die Corona-Hilfe für den Zoo wird unter den Abgeordneten derzeit heftig debattiert. Auslöser war die Bitte der Finanzverwaltung an den Hauptausschuss, einer Einmalzahlung von 16,5 Millionen Euro an den Zoo zuzustimmen. Im Gegenzug wolle dieser einen alten Vertrag mit dem Senat beenden, der dem Tiergarten auf Grund eines Flächenaustausches mit dem Land Berlin auf unbegrenzte Zeit jährliche Ausgleichzahlungen von etwa 400.000 Euro sichert.

Der Linke-Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg will mit seinem Aktien-Plan erreichen, dass Zoo und Tierpark Landesunternehmen werden. Benjamin Pritzkuleit

Die Zustimmung im Hauptausschuss wurde vertagt. Denn Abgeordnete wie Schlüsselburg sind gegen diesen Millionen-Deal. „Die Einmalzahlung von 16,5 Millionen Euro würde sich für Berlin erst in 43 Jahren amortisieren, wenn man künftig die jährlichen Ausgleichzahlungen für den Zoo einstellt“, sagt er. Außerdem könnte das Land Berlin, das eine Zoo-Aktie besitzt, mit dem Ablösen des alten Vertrages seine zwei Aufsichtsratssitze verlieren.

Eine Zoo-Sprecherin erklärt hingegen: „Da der Zoo Berlin seit 2012 keine Zuwendungen für den laufenden Geschäftsbetrieb erhält, ist das Land Berlin derzeit nicht im Aufsichtsrat vertreten. Das Ergebnis der Abstimmung im Hauptausschuss hat also weder Auswirkungen auf den Status des Landes Berlin als Aktionär noch auf die Zusammensetzung des Aufsichtsrates.“

CDU: „Dem Zoo wird es nicht besser gehen, wenn er dem Land Berlin gehört“ 

Wie Schlüsselburg hat auch der CDU-Haushaltsexperte Christian Goiny Bedenken. Es sei unstrittig, Zoo und Tierpark in der Krise zu unterstützen. Dennoch müsste man die Corona-Hilfe kritisch hinterfragen. „Nur weil wir das Geld gerade haben, können wir es nicht so einfach ausgeben“, sagt Goiny dem KURIER. Die Aktien-Idee des Linke-Abgeordneten sei keine verkehrte Lösung, er sei aber gegen eine Verstaatlichung durch die Hintertür. „Die Aktien sollten mehr Käufern als nur dem Senat angeboten werden. Denn dem Zoo wird es finanziell kaum besser gehen, wenn er dem Land Berlin gehört. Dass er Investitionen aus eigener Kraft schaffen kann, hat er vor der Pandemie sehr gut bewiesen.“

Der Zoo ist gegen die Aktien-Pläne. Eine Kapitalerhöhung stünde nicht zur Diskussion. „Darüber hinaus ist dieser langwierige und äußerst komplexe Vorgang nicht für eine schnelle Kapitalhilfe geeignet“, sagte eine Sprecherin dem KURIER.