Etwa 5000 Personen feiern illegal Neukölln. Foto: Morris Pudwell

Wenn die Clubs wegen Corona geschlossen sind, steigen die berühmten Partys der Stadt eben im Freien. Doch so eine nicht genehmigte Sause kann richtig teuer werden: Die Polizei muss anrücken, Parks werden verdreckt und  zerstört. Eine illegale Feier mit 5.000 Leuten in der Neuköllner Hasenheide vom 25. Juli auf den 26. Juli sorgte nicht nur für Schlagzeilen. Sie verursachte auch einen Gesamtschaden von fast 88.000 Euro. Und da ist der Polizeieinsatz noch nicht eingerechnet. Neuköllns Bürgermeister Martin Hinkel ist stocksauer darüber.

Die Zahl gab der Senat nach einer parlamentarischen Anfrage der FDP bekannt. Das Papier liegt dem KURIER exklusiv vor. Allein für die Reinigung der Hasenheide nach der Party sind 4.920 Euro angefallen.  Dazu zählen Abharken von Glasscherben, Konfetti (Plastik), Kronenkorken und Kippen sowie die Beseitigung von Müll. Um zerstörten Rasen und Pflanzen wiederherzustellen, benötigt das Straßen-und Grünflächenamt in Neukölln schätzungsweise 70.000 Euro. Allein die Beseitigung von Fäkalien hat 832 Euro gekostet. Für die Mehrwertsteuer fallen 12.120 Euro an. So steht es aufgelistet in der Senatsantwort.  

Die Berliner Polizei hatte mit der Party alle Hände voll zu tun: 63 Beamte sowie sieben Diensthunde waren in der besagten Nacht im Einsatz.  Fünf Ordnungswidrigkeiten wurden erfasst. Vier Vergehen, weil die Veranstaltung nicht genehmigt war und ein Vergehen, weil der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten wurde. 

Der FDP-Abgeordnete Bernd Schlömer (49) hatte beim Senat nachgefragt und erhielt die Antwort zurück. Er ist unzufrieden, weil die Kosten des Polizeieinsatzes verschwiegen werden. „Da wird dann gesagt, die Kosten sind ja eh da. Die müssen wir nicht nennen. Schwierig finde ich auch, dass Beamte mit Einsatzwagen und Hunden gebunden werden, die an anderer Stelle fehlen“, sagt Schlömer dem KURIER. Er befürchtet, dass nach solchen Feiern die Grünflächen ganz gesperrt werden könnten-für alle und auch tagsüber.  

Bernd Schlömer (FDP) hatte den Innensenator nach den Party-Kosten gefragt. Foto: Aileen Waurick / FDP Fraktion im AGH

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel zeigte sich sehr verärgert: „Spätestens mit dieser Bilanz sollte allen klar sein, dass Partys in Grünanlagen keine Option sind“, erklärte der SPD-Politiker. Es gehe um Müllentsorgung, noch gravierender seien aber die Schäden an der Vegetation, so Hikel.

Fest steht ebenfalls: Die Party Ende Juli, um die es hier geht, war nicht die letzte in der Hasenheide. Auch im August musste die Polizei in den Park ausrücken und wieder eine Feier beenden. Auch im Mauerpark, am Gleisdreieck und im Treptower Park feierte die Szene schon illegal.

Dabei sollen Partys im Freien eigentlich erlaubt sein, wenn sie angemeldet und damit legal sind. Der Senat schreibt sogar, dass Bezirke geeignete Flächen für Open Airs, darunter auch Tanzveranstaltungen zur Verfügung stellen sollen. Voraussetzung hierfür ist die Erstellung eines Hygienekonzeptes und die Einhaltung und Durchsetzung der Hygieneregeln. 

Die Sehnsucht der Nachtschwärmer ist groß:  Die Clubs zählen zu den Corona-Verlierern.  Sie waren die ersten, die wegen der Pandemie schließen mussten. Die meisten haben immer noch geschlossen oder öffnen nur ihre Außenbereiche zum Tanzen.