Abkühlung im Orankesee. Volkmar Otto

Wie gut eine Abkühlung an den 39 Berliner Badestellen ist, hat gerade der Besucher-Andrang am vergangenen Hitze-Wochenende gezeigt. Doch obwohl die Gewässer sauber sind, bergen sie eine Gefahr. Dort können Badende auf Ekel-Saugwürmer treffen. Sie sind klein und fies, können uns in diesem Sommer den Badespaß richtig versauen. Denn die sogenannten Zerkarien versuchen, sich in die Haut der Menschen zu bohren. Hautausschlag und böser Juckreiz sind die Folgen. Die ersten Fälle wurden jetzt dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) gemeldet.

In den vergangenen Tagen trafen bei der Behörde fünf Meldungen von Badegästen ein, die einen Hautausschlag nach dem Baden meldeten. „Aktuell meldete eine Familie, die am Wochenende am Strandbad Jungfernheide war, dass ihre drei Kinder betroffen waren“, sagte LaGeSo-Sprecherin Silvia Kostner am Montag dem KURIER.

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So sehen diese Zerkarien unter dem Mikroskop aus. Landesamt für Gesundheit und Soziales

„Die Zerkarien gibt es vor allem an flachen Uferstellen, wo sich Enten und Schwäne aufhalten“, sagt Kostner. Diese Tiere sind das eigentliche Angriffsziel der Ekel-Würmer. Denn die Zerkarien sind etwa ein Millimeter große Larven von Würmern, die normalerweise in Enten oder anderem Wassergeflügel leben. Es kann aber passieren, dass Badende als „Fehlwirt“ von Zerkarien befallen werden. Diese bohren sich in die Haut des Menschen ein und sterben kurze Zeit später ab.

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Daher sollten die Wasservögel möglichst nicht gefüttert werden, sie sind teilweise für das Auftreten von Zerkarien, die eine Badedermatitis verursachen, verantwortlich.  Am Körper können rötliche Pusteln auftreten und Juckreiz verursachen.

So verbreiten sich die Saugwürmer. Landesamt für Gesundheit und Soziales

An welchen Berliner Seen treten Zerkarien auf?

In den Berliner Badegewässern sind in den letzten Jahren ab und zu Zerkarien aufgetreten. Im letzten Sommer etwa am Schlachtensee, an der Krummen Lanke, am Jungfernheideteich, am Großen und Kleinen Müggelsee, Halensee, an der Unterhavel (Große Steinlanke), und am Großer Wannsee.

Zerkarien vermehren sich in warmem Wasser mit Wasserpflanzen. Auch Ansammlungen von Wasservögeln begünstigen das Auftreten. Zugvögel, die in warmen Wintern in Deutschland bleiben, können ein wichtiges Reservoir für den Parasiten darstellen und somit zu einem Anstieg der Zerkariendichte in den folgenden Sommermonaten und zu einer Zunahme der Badedermatitis-Fälle führen.

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Strandbad Plötzensee. imago/Kathrin Schubert

Zerkarien verursachen geröteten Flecken mit einem Durchmesser von rund 2 mm auf der Haut. Es juckt, wie bei Mückenstichen. Bei sensiblen Personen kommt es zu stärkeren Abwehrreaktionen des Körpers mit Quaddelbildung und starkem Juckreiz.

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Strandbad am Müggelsee. imago / Jürgen Held

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Wie man sich vor Zerkarien schützen kann

  • Wasserpflanzenreiche Uferbereiche meiden
  • Freiwasserzonen aufsuchen
  • Längere Aufenthalte im Flachwasserbereich vermeiden (gerade Kinder sind gefährdet)
  • Wasserfeste Sonnenschutzmittel verwenden
  • Nach dem Baden kräftig mit dem Handtuch abrubbeln, um gegebenenfalls ein vermehrtes Eindringen von Zerkarien in die Haut zu verhindern
  • Nasse Badebekleidung ausziehen
  • Bei heftigeren Beschwerden sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Wasservögel sollen nicht durch Fütterungen angelockt werden!
  • Meldung an das örtlich zuständige Gesundheitsamt

Badestellen in Berlin: Wo kann man in Berlin baden

Das LaGeSo hat auf seiner Seite eine Übersichtskarte zusammengestellt, welche sämtliche Badestellen in Berlin zeigt. Von Orankesee, Weißer See Wannsee, Plötzensee, bis zum Teufelsse oder Havel sind derzeit alle Badestellen grün markiert. Das heißt man kann uneingeschränkt baden, die Wasserqualität ist gut.

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Generell gilt, dass die Selbstreinigungsfähigkeit der Berliner Gewässe sehr hoch ist. Selbst lange, heiße Sommer und sehr viele badende Menschen wirken sich nicht zwangsläufig negativ auf die Berliner Badegewässern aus, schreibt das LaGeSo.

In nahezu allen Berliner Badegewässern können durchgehend während der Badesaison die strengen Richt- und Grenzwerte für fäkale Verunreinigungen der Europäischen Badegewässerrichtlinie eingehalten werden.

Was muss ich beim Baden beachten

Das LaGeSo gibt folgende Hinweise an Besucher: Hunde verrichten ihre Notdurft niemals beim Schwimmen im Wasser. Das sollte auch für Menschen gelten. Wer überdies es auf sich nimmt, statt in die Büsche in das nächste Toilettenhäuschen zu gehen, schont seine Badestelle, denn so können beim nächsten Regen Urin und Kot nicht ins Gewässer eingespült werden. Abfall und Essensreste gehören in Abfallkörbe. Und wer Schilfgürtel und Röhricht meidet, erhält die natürlichen Filter des Gewässers.

Warum ist die Wasserqualität nach Regen an manchen Orten schlechter

Einige Badestellen im nördlichen Bereich der Unterhavel (Grunewaldturm und Kleine Badewiese) werden, wenn es regnet, vom Berliner Stadtgebiet beeinflusst. Mit einer Verschlechterung der Badegewässerqualität ist dann zu rechnen, wenn es stark geregnet hat, es zu Einleitungen aus dem Stadtgebiet kommt, und die Fließgeschwindigkeit im Fluss hoch ist. Das LaGeSo sagt die Badewasserqualität daher tagesaktuell voraus.