In den Pflegeheimen soll das Impfen beginnen. In dieser Brandenburger Klinik zeigt schon einmal ein Arzt, wie das abläuft. Foto: dpa

Die Spritze gegen Corona kommt. Mit dem Impfen soll es bereits bundesweit nach Weihnachten am 27. Dezember losgehen, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch mitgeteilt. Der KURIER erfuhr, dass in Berlin noch Ende dieser Woche alle sechs Impfzentren fertig gestellt sein sollen. Der Impfplan für Berlin könnte nach jetzigem Stand der Dinge so aussehen:

Die Hauptstadt bekommt  das Serum vom deutsch-amerikanischen Hersteller-Bündnis Biontech/Pfizer. Unklar ist, wie viele Impfdosen Berlin genau erhält. Anfangs war, mit Zurechnung von möglichen Impfstoffen weiterer Hersteller,  von 900.000 Dosen für das erste Quartal 2021 die Rede. Nun könnten es im schlechtesten Fall sogar nur 585.000 sein. Diese würden in der ersten Impfphase rein rechnerisch nur für 292.000 statt für die angedachten 450.000 Berliner reichen, die sich innerhalb von drei Wochen zweimal impfen lassen müssen.

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass nach Zulassung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes bundesweit drei bis vier Millionen Dosen bis Ende Januar zur Verfügung stehen. „In einem ersten Schritt werden 400.000 Dosen ausgeliefert. Alle Lieferungen werden nach Bevölkerungsanteil an die Bundesländer verteilt“, sagte Ministeriums-Sprecher Sebastian Gülde dem KURIER. Die Berechnung soll nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel erfolgen. Damit würde Berlin anfangs etwa fünf Prozent von dem Biontech/Pfizer-Impfstoff erhalten, dies wären etwa 20.000 Dosen in den ersten Tagen.

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Es wird damit gerechnet, dass der Biontech/Pfizer-Impfstoff von der Europäische Arzneimittelagentur EMA bereits am kommenden Montag (21. Dezember), also acht Tage eher als geplant, zugelassen wird. Danach wird  am 23. Dezember noch die Europäische Kommission den Impfstoff für die EU genehmigen.

Erhält das Biontech/Pfizer-Serum grünes Licht, muss das Paul-Erhlich-Institut möglicherweise noch an Heiligabend Chargen dieses Serums prüfen, damit es in Deutschland geimpft werden kann. Geben die Experten ihre Zustimmung, könnte der Impfstoff bereits über die Weihnachtsfeiertage nach Berlin gebracht werden - an einem geheimen Ort. Als Lagerorte sind bundesweit Kasernen der Bundeswehr vorgesehen. Der Transport der Dosen nach Berlin wird von der Polizei überwacht.

Wer wird zuerst geimpft? In Berlin und in den anderen Bundesländern werden es zunächst die Bewohner in Pflegeheimen sein. Die Impfungen werden täglich 32 mobile Ärzteteams vornehmen, die den sechs Impfzentren der Hauptstadt unterstellt sind. Parallel dazu wird das Personal mit dem höchstem Infektionsrisiko in Altenheimen und Kliniken geimpft. Dort arbeiten insgesamt etwa 100.000 Berliner.

Erst danach soll das Impfen in den Zentren starten, die in der kommenden Woche fertig sein werden. Die Standorte sind  die Arena Berlin in Treptow, die Messehalle 21 in Charlottenburg, ein Hangar am früheren Flughafen Tempelhof, ein Terminal des ehemaligen Flughafens Tegel, das Velodrom in Prenzlauer Berg und das Erika-Hess-Eisstadion in Wedding. „Die Arbeiten an allen Zentren werden am Sonntag abgeschlossen sein“, sagte Projektleiter Albrecht Broemme dem KURIER.

In der Arena Berlin steht eines der sechs Berliner Impfzentren. Foto: dpa

Laut jetzigen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission sollen als Erste die Berliner ab 80 Jahre geimpft werden. In der Hauptstadt gibt es laut Statistischem Bundesamt 211 227 Einwohner, die älter als 80 Jahre sind. Die Impfung gegen den Corona-Virus erfolgt zweimal innerhalb von drei Wochen.

Die Impfungen sind freiwillig und kostenlos. Die Impfzentren dürfen aber nur die Berliner aufsuchen, die dazu postalisch eingeladen wurden. Die Einladungen seien laut Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci schon geschrieben, könnten „sofort per Knopfdruck versendet werden“, wenn der Impfstoff da ist.

In allen sechs Impfzentrum sollen täglich 180 Ärzte und medizinisches Personal arbeiten, dazu kommen 80 Helfer. Für die Rekrutierung der Ärzte ist die Kassenärztliche Vereinigung verantwortlich. Etwa 2000 aktiv praktizierende und ehemalige Ärzte haben sich dort bisher für einen Einsatz im Impfzentrum gemeldet.

So läuft das Impfen in den Zentren ab: Nach Erhalt der Einladung können Impflingen telefonisch oder per Mail einen Impftermin ausmachen. In den Zentren müssen sie zunächst einen Fragebogen ausfüllen, bevor sie dann in einer der Kabinen die Spritze bekommen. Danach stehen die Impflinge noch für etwa 30 Minuten unter ärztlicher Beobachtung. Insgesamt soll der Aufenthalt in den Impfzentren etwa 70 Minuten dauern.