Pittiplatsch der Liebe feiert nun seinen 60. Geburtstag. RBB

Ach du meine Nase – jetzt ist es soweit. Pittiplatsch der Liebe wird am Freitag (17. Juni) 60 Jahre alt. Da gratulieren und freuen sich nicht nur die kleinen und großen Fans der legendären Figur des DDR-Kinderfernsehens. Auch seine „Mama“ Inge Trisch (88) ist überglücklich, dass es ihren Pitti nun schon so lange gibt. Im KURIER-Gespräch verrät sie, dass der freche Kobold eigentlich nur einmal über den Bildschirm flimmern sollte. Und der Teufel war bei der „Geburt“ des TV-Stars Pate!

Inge Trisch weiß noch ganz genau, wie Pittiplatsch auf die Welt kam. Die Berlinerin war eigentlich Lehrerin, kam dann als Autorin und Redakteurin zum DDR-Kinderfernsehen. Zu der beliebten Sendung „Meister Nadelöhr erzählt“, die seit November 1955 immer sonnabends mit dem Theaterschauspieler Eckart Friedrichson (1930-1976) lief.

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Vor zwei Jahren bekam Pittiplatsch eine optische Verjüngungskur, hat nun Augen aus Glas und kann seine Lippen beim Sprechen bewegen. dpa

Pitti-Mama Inge Trisch: „Schnatterinchen und Bummi waren viel zu brav“

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„Da gab es bereits schon die Puppen Schnatterinchen und den Bären Bummi“, sagt Trisch. „Aber die waren so lieb, so gut und so nett, wie man auch die Kinder sein sollten. Aber immer brav zu sein, ist langweilig. Kinder wollen auch mal Streiche machen. Und dazu sollte nun bei Meister Nadelöhr eine passende Puppe bekommen, die wir in unserem Kollektiv erfinden sollten.“

Pittiplatsch-Mama Inge Trisch privat

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Per Zufall kam Inge Trisch auf das Kinderbuch „Alarm im Kasperletheater“ von Nils Werner, das 1958 erschien und 1960 als Zeichentrickfilm von der Defa verfilmt wurde. „Darin taucht ein Teufelchen auf, das alle Pfannkuchen auffutterte, die für den Geburtstag der Oma bestimmt waren“, sagt Inge Trisch. „So eine liebenswerte freche Figur, so einen kleinen Rebellen, sollte  Meister Nadelöhr bekommen.“

17. Juni 1962: Pittis erster Auftritt bei Meister Nadelöhr (Eckart Friedrichson). rbb/ARD

Ganz klar, dass diese Puppe kein Teufel werden durfte. „Aber ein Kobold erschien allen passend. Mit der Bildhauerin Emma-Maria Lange wurde er aus zwei Kugeln gestaltet“, sagt Trisch. Wie es zu dem Namen Pittiplatsch kam, weiß sie nicht mehr so genau. „Am Ende war es die Erfindung eines ganzen Teams.“

Dieses Teufelchen war das Vorbild für Pittiplatsch. Den Film „Alarm im Kasperletheater“ ist als DVD erhältlich. Edel/Amazon

Bei seinem ersten Auftritt bekam Pittiplatsch Bauchschmerzen

Am 17. Juni 1962 hatte Pittiplatsch endlich seinen ersten Auftritt im DDR-Kinderfernsehen. In einer Meister-Nadelöhr-Folge, die im Sandmann-Abendgruß gezeigt wurde.  Auch hier stand das Teufelchen Pate. „Meister Marke brachte Meister Nadelöhr ein Paket in die Märchenstube, in dem Pfannkuchen sein sollten. Doch aus dem Paket sprang Pittiplatsch, hatte wie das Teufelchen aus dem Kinderbuch und Film, die Leckereien aufgefuttert und nun heftige Bauchschmerzen“, erzählt Trisch.

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Emma-Maria Lange schuf neben Schnatterinchen auch die Figur vom Pittiplatsch. Die Künstlerin starb 2016. dpa

Eigentlich sollte dieser Pitti-Auftritt der einzige sein. „Ich bekam die Genehmigung für die Figur mit der Auflage, dass sie nur in einer Folge zu sehen ist“, sagt Trisch. Doch die Autorin die wollte Pitti nicht so schnell wieder verschwinden zu lassen. „Im Drehbuch ließ ich Meister Nadelöhr die Zuschauer fragen, was er nun mit diesem frechen Kerl machen soll, der bei ihm aufgetaucht war. Die Antwort kam säckeweise mit der Post. Die Kinder wünschten sich, dass Pittiplatsch bleibt.“

Pittiplatsch-Mama Inge Trisch brachte auch Bücher mit den Abenteuern des frechen Kobolds heraus. privat

Anders die Erwachsenen. Pädagogen schrieben Briefe ans Fernsehen, dass man so eine Figur, die ständig die Zunge zeigt und die Kinder nur zu Unsinn verführt, verschwinden sollte. Pitti wurde nach seinem zweiten Auftritt abgesetzt. Es hagelte Protestbriefe. „Pittiplatsch kam zurück und hat bis heute im Fernsehen überlebt“, sagt Trisch.