Ukrainische Flüchtlinge nach ihrer Registrierung in Potsdam. Wer bleiben will, findet Arbeit in Deutschland. Soeren Stache/dpa

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen Hunderttausende Menschen. Aus der Ukraine kommen Zehntausende Flüchtlinge nach Deutschland - ergibt sich da bei all dem Leid eine kleine Perspektive für die Betroffenen?

Der bayerische Hotel- und Gaststättenverband war einer der ersten: Flüchtende aus der Ukraine könnten in den Betrieben des Verbandes eine „Heimat auf Zeit“ finden, hieß es in einer Pressemitteilung - eine humanitäre Geste, unter den ersten schockierenden Eindrücken von Krieg und Vertreibung.

Ob mit dem Angebot auf kostenloses Wohnen auf Zeit auch die Chance gewittert wird, Arbeitskräfte zu bekommen? Man weiß es nicht. Auch die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände hat zusammen mit anderen Spitzenverbänden unter dem Stichwort „Wirtschaft Hilft“ inzwischen eine Webseite auf die Beine gestellt. Zweiter Punkt nach Spenden für die Bedürftigen: Integration in die Arbeitswelt.

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Der deutsche Arbeitsmarkt ist leer gefegt

Tatsache ist: Der deutsche Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Es fehlen Arbeitskräfte an allen Ecken und Enden - zu Hunderttausenden. Die Gastronomie, die Pflege, das Handwerk und die Industrie - alle sind betroffen. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, predigt seit Monaten das gleiche Lied: Weil die geburtenstarken Jahrgänge jetzt in Rente gehen, brauchten wir  400 000 Zuwanderer pro Jahr - netto. 2019 waren es 327 000, im Jahr 2020 nur noch 220 000, wie aus Material des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. 2021 dürften es wegen teilweise weiter geltender Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie erneut zu wenig gewesen sein. Monatelange Wartezeiten auf Handwerker und zusätzliche Ruhetage in Restaurants sprechen schon jetzt eine klare Sprache.

Menschen aus der Ukraine kämen wie gerufen- Arbeitserlaubnis gilt zunächst ein Jahr

Die Menschen aus der Ukraine kämen eigentlich - so bitter ihr Schicksal ist - für den deutschen Arbeitsmarkt wie gerufen. „Die Geflüchteten aus der Ukraine, die gegenwärtig das Land verlassen, dürften sich durch ein überdurchschnittliches Bildungsniveau und einen hohen Anteil von Frauen und Kindern auszeichnen“, schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Nürnberg) in einem Ad-hoc-Bericht. Die erstmals aktivierte Massenzustrom-Richtlinie der EU gibt ihnen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zunächst für ein Jahr.

Kinder sollen schnell in Schulen und Betreuung

Durch längere Aufenthaltserlaubnisse müsse ihnen eine sichere Perspektive gegeben werden, sollten sie sich entscheiden, länger in Deutschland bleiben zu wollen, fordert das IAB. „Aufbauend auf den Erfahrungen der Integration anderer Geflüchteter sollte die Integration durch Sprach- und Arbeitsmarktprogramme, eine schnelle Arbeitsmarktberatung und -vermittlung, die Anerkennung beruflicher Abschlüsse und den Erwerb weiterer Bildungsabschlüsse unterstützt werden“, heißt es in dem IAB-Bericht weiter. Notwendig sei es dazu, Kinder und Jugendliche schnell in Schul- und Betreuungssysteme zu bringen.

Was bei aller Not und bei allem Elend nach einer Perspektive für alle Beteiligten klingt, gestaltet sich in der Praxis nicht so einfach. Eine schnelle Integration der Ukrainerinnen und Ukrainer in den deutschen Arbeitsmarkt dürfte daran scheitern, dass ein Großteil der Geflüchteten Frauen und Kinder sind. Die Zahl derer, die für die Aufnahme von Arbeit überhaupt in Frage kommen, ist also deutlich kleiner als die Zahl der Geflüchteten.