„Uuuund Action!“ Jan Josef Liefers (mit Mütze) weist seine Darsteller für die nächste Szene im Honecker-Film ein. Foto: privat/Ramona Kleber  

Der Platz hinter der Dorfkirche im brandenburgischen Fahrland ist wie verwandelt. Laster parken dort, aus denen Männer schwere Technik entladen. Straßensperren sind aufgebaut, vor denen Wachleute patrouillieren. Neugierige Blicke sind unerwünscht. Dabei verraten die für alle sichtbaren riesigen Scheinwerfer schon, was hier passiert: „Tatort“-Star Jan Josef Liefers (56) dreht in Fahrland seinen Honecker-Film.

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Sogar die Weltpresse ist schon da, so scheint es. Ein alter weißer Mercedes-Transporter mit dem Logo des US-Nachrichtensenders CNN steht mitten im Filmset. Davor sind Männer und Frauen, die auf Kommando immer wieder hin und her gehen. Genau dann, wenn eine Stimme auf dem Platz zu hören ist, die laut „Action“ ruft. Etwa eine Viertelstunde geht das so.

Jan Josef Liefers will bis Ostern in Brandenburg seinen Film über die Honeckers drehen. Foto: Imago

Damit ist klar: Das Ganze ist Teil einer Szene aus dem Honecker-Film, den Liefers produziert und bei dem er auch Regie führt. Er ist es auch, der ständig „Action“ ruft. Doch den Star bekommen die Fahrländer, die ab und zu an den Absperrungen neugierige Blicke auf den weit dahinterliegenden Drehort werfen, kaum zu Gesicht. Nur weiße Rauchschwaden, die wohl Winternebel darstellen sollen, sehen sie. Denn laut Drehbuch hat sich Liefers Filmcrew in den Januar 1990 zurückkatapultiert. Die Fahrländer Kirche und das Pfarrhaus werden später im Film die von Lobetal sein.

Szenen-Besprechung hinter der Dorfkirche in Fahrland: Dort steht  der Mercedes-Transporter, der für den Film zu einem Übertragungswagen des US-TV-Senders CNN umgestaltet wurde.  Foto: Sabine Gudath

In den  Ort bei Bernau kam der schwer kranke Erich Honecker nach seinem Sturz als Staats- und Parteichef der DDR. Am 30. Januar 1990 erhielt er dort mit seiner Frau Margot Kirchenasyl bei Pfarrer Uwe Holmer. Die Szene, die Liefers nun für den Film „Honecker/Holmer“ dreht, erzählt davon, wie damals Journalisten tagelang vor dem Lobetaler Pfarrhaus standen, um über die Notunterkunft des einst mächtigsten Ehepaars der DDR zu berichten.

Erich Honecker kam 1993  nach Chile, wurde von seiner Frau Margot am Flughafen abgeholt.  Foto: AFP

Die Film-Honeckers, die von Edgar Selge und Barbara Schnitzler dargestellt werden, sieht man an jenem Februar-Vormittag in Fahrland nicht. Dafür taucht ein anderer Star auf, der dafür sorgt, dass plötzlich Einwohner des Ortes zu einer Absperrung eilen und ihre Smartphones zücken. Sogar ein Taxifahrer hält, springt mit einer mit einem Teleobjektiv versehenen Kamera aus dem Wagen, was die Wachleute kurzzeitig aus der Ruhe bringt.

In Fahrland wurden die Straßen zum Drehort abgesperrt. Foto: Sabine Gudath

Doch – keiner will die Dreharbeiten fotografieren. Es gilt den ersten Storch des Jahres abzulichten, der an diesem Februar-Vormittag in Fahrland gelandet ist. Der für die Saison viel zu früh eintreffende Adebar besetzt mitten im Honecker-Dreh sein altes Nest auf dem Nachbarschornstein der Dorfkirche und lenkt für einen Moment das Interesse im Ort von Liefers Filmshow ab.

Der erste Storch in Brandenburg ist da, tauchte in Fahrland plötzlich bei den Dreharbeiten auf.  Foto: Sabine Gudath

Thomas Justin aus dem Nachbarort Marquardt ist froh, dass der ganze Rummel für ihn vorbei ist. In seinem kleinen Getränkemarkt hatte Liefers am Vortag die ersten Szenen für den Honecker-Film mit Anna Loos und Kurt Krömer gedreht.

Hinter der Dorfkirche in Fahrland wurden Szenen für den Kinofilm „Honecker/Holmer“  gedreht.  Foto: Sabine Gudath

Aus seinem Laden wurde für einige Stunden ein DDR-Konsum. Nach dem Dreh machte Justin sein Geschäft für einen Tag dicht. „Die Crew hat den ganzen Laden umgebaut, nun muss ich erst einmal meine Ware wieder einräumen. Die Kunden meckern schon, weil ich kaum noch Bier habe“, sagt er. Also muss Justin auch noch neue Ware besorgen, ist daher auch für niemanden zu sprechen. Er sagt: „Kein Mensch hat sich bisher wirklich für meinen Laden interessiert. Und nun will jeder wissen, wie die Dreharbeiten waren.“