Ein DJ legt bei der ersten „Langen Nacht des Impfens“ in der Arena in Treptow auf. Foto: dpa/John Macdougall

Es ist fast wie früher. Als die Arena Berlin in Treptow noch kein Impfzentrum, sondern Ort für Konzerte und Partys war. Endlich gibt es in der Halle wieder eine Bühne, auf der DJs auflegen. Deren Elektrobeats aus Lautsprecherboxen dröhnen bis nach draußen. Es ist die erste Impfparty in Berlin, die an diesem Montag in der Arena von 20 Uhr bis Mitternacht läuft. Der Andrang ist groß. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn warten über 150 Menschen auf Einlass. Sie kommen nicht nur, um zu tanzen. Sie wollen sich vor allem mit einem kleinen Piks vor Corona schützen.

Die Erste in der Reihe  ist Lem Saglann (52). Sie ist gekommen, um ihre 16-jährigen Zwillinge Aly und John impfen zu lassen. Die US-Amerikanerin aus Miami macht mit ihren Kinder Ferien in Berlin. „Ich habe von Freunden von dieser Party gehört“, sagt die Mutter. Tochter Aly ist begeistert: „Ich wollte unbedingt hierher. Auf einer Party sich gegen Corona impfen zu lassen, so etwas Cooles gibt es bei uns nicht.“

Das sei schon eine außergewöhnliche Aktion, meint Laura Wondolleck (27). Ihr Mann Ron (27) habe sie überredet, zu der Impfparty zu gehen. „Ehrlich, ich habe vor jeder Spritze Angst“, sagt sie. „Aber mit Musik geht ja bekanntlich alles besser.“ Aus Hellersdorf reiste das Rentner-Ehepaar Renate (72) und Detlef Koslowski (71)  an. Die moderne Musik sei nicht wirklich nach ihrem Geschmack. „Aber ich brauche endlich die Impfung", sagt Detlef Koslowski. „Da unsere Hausärztin im Urlaub ist, nutzen wir nun die Impfparty.“

Der Andrang vor der Arena ist groß. Über 150 Menschen warten schon eine halbe Stunde vor Beginn auf Einlass. Sabine Gudath

Drei Impfpartynächte, 19 DJs legen auf

Offiziell heißt die Impfparty „Lange Nacht des Impfens“. Insgesamt sind drei geplant. Nach dem Start am Montag soll es weitere Impfpartys am Mittwoch (9. August) und am Freitag (13. August) geben. 19 DJs sorgen im Impfzentrum für Partystimmung  – wie das DJ-Duo Tiefschwarz der Techno-Brüder Alexander „Ali“ und Sebastian „Basti“ Schwarz, Henning Baer, DJ und Musikproduzent Phonique oder Gloria Viagra. Und das Publikum braucht vorab keinen Impftermin, um bei der langen Impfnacht dabei zu sein.

Die US-Amerikanerin Lem Saglann (52, Mitte) war mit ihren Zwillingen John (16) und Aly (16) die Erste in der Wartereihe. Die Teenager fanden die Impfparty cool. Sabine Gudath

Trotz der dröhnenden Elektrobeats kommt nach dem Betreten des Zentrums kaum Partystimmung auf. Zunächst gilt es erst einmal, die für die Impfung gegen Corona notwendigen medizinischen Schritte zu absolvieren. Personalien werden aufgenommen, Pflegepersonal, das vorab negativ auf Corona getestet wurde, führt Belehrungen durch. Im Wartebereich füllen die Besucher die Einverständniserklärungen aus.

Das Impfzentrum hat sich in einen Club verwandelt. Wegen Abstandsregeln und Maskenpflicht war Tanzen nicht möglich. Die Besucher saßen nach der Impfung in der Halle, hörten die Musik. dpa/John Macdougall

Auf dem Weg in die Impfkabinen, wo die Vakzine von Biontech/Pfizer und Johnson & Johnson geimpft werden, geht es dank der heißen Rhythmen der DJs schon lockerer zu. Ein Piks, dann der Eintrag und Stempel in den Impfausweis – jetzt kann gefeiert werden.

Laura Wondolleck (27) ließ sich von ihrem Mann Ron (27) überreden, zur Impfparty zu gehen. „Ich habe doch Angst vor Spritzen“, sagt sie. „Aber mit Musik geht alles besser.“ Sabine Gudath

Getanzt wird nicht, als coole Drinks wird Wasser in Tetra-Paks serviert

Doch eine Impfparty ist nun einmal keine echte Party wie in den Clubs. Richtiges Feiern mit Tanzen ist nicht möglich. Im Wartebereich hinter den Impfkabinen, in dem sich jeder auch bei normalen Impfungen in der Arena unter ärztlicher Kontrolle aufhalten muss und in dem Maskenpflicht besteht, sollen die jungen Leute eher zu der Musik der DJs „chillen“.  Bereits vor der Arena machen Ordner den Impfwilligen klar, dass auch in der Halle die Abstandsregeln eingehalten und FFP2-Maske getragen werden müssen. „Tanzen geht da nun wirklich nicht“, sagt ein Helfer. Aber mit Getränken könne man beim Chillen auf die Impfung anstoßen. „Nichts alkoholisches“, sagt der Helfer. „Es wird Wasser in Tetra-Paks gereicht.“

Nicht nur junge Leute kamen zur Impfparty. Auch Senioren wie Detlef Koslowski (71) und seine Frau Renate (72) waren dabei. Sabine Gudath

Nach Ende der rund 30 Minuten langen Erholungsphase, die für jeden Impfwilligen auch an normalen Tagen im Impfzentrum vorgeschrieben ist, gehen dann auch schon viele Gäste der Impfparty nach Hause.

Die Clubcommission, das Berliner Rote Kreuz als Betreiber des Arena-Impfzentrums und die Gesundheitssenatsverwaltung hatten gemeinsam die Idee zu der Impfparty. Ziel der Aktion ist es, die Impfkampagne in Berlin aufgrund wieder ansteigender Inzidenzwerte anzukurbeln und vor allem mehr junge Menschen dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung sind auch Impfungen für Jugendliche ab 16 Jahren möglich, die dafür eine schriftliche Einwilligung ihrer Eltern brauchen.

Auch einige Helfer waren bei der „Langen Nacht des Impfens“ in Partystimmung. dpa/John Macdougall

In Berlin sind laut Lagebericht des Senats über 61 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal gegen Corona geimpft. Bei 53 Prozent ist der Impfschutz vollständig. Impfen und dabei Party-Feeling erleben: Für Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) ist das kein Widerspruch. „Berlin kann impfen, Berlin kann Party – jetzt machen wir beides zusammen“, so bewarb sie die Aktion.

Allerdings gab es im Vorfeld der Impfparty einen Zwischenfall. Drei Mitarbeiter des Impfzentrums in der Arena waren positiv auf das Coronavirus getestet worden. Dennoch durfte die Impfaktion durchgeführt werden. 43 Menschen dürfen sicherheitshalber zurzeit nicht mehr dort arbeiten, wie Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz (SPD) mitteilte. Das Impfzentrum sei aber nicht der Ansteckungsort gewesen, sondern ein Gastronomiebetrieb.