Der Angeklagte am Montag vor Gericht. Ihm werden schwerer Bandendiebstahl und Steuerhehlerei vorgeworfen. Pressefoto Wagner

Als aus einem Hauptzoll-Lager über zwölf Tonnen Tabak, Zigaretten und Schnaps geklaut wurde, soll er beteiligt gewesen sein: Ion L. (38).

Pech für den Raucher: Ausgerechnet eine Kippe, die Polizisten sicherstellten, soll die Ermittler auf seine Spur gebracht haben. Zwei Jahre nach dem dreisten Coup nun der Prozess wegen schweren Bandendiebstahls.

Der Staatsanwalt sicher: L. war mit dem mutmaßlichen Boss der Bande für die logistische Durchführung zuständig. Die Anklage: „Er organisierte die Anmietung eines der Lkw.“ Ion L. sei „definitiv am Abtransport beziehungsweise Verstecken der Beute beteiligt gewesen“.

5,2 Millionen unversteuerte Zigaretten, 8,6 Tonnen Shisha-Tabak und 100 Liter Zoll-Schnaps

So soll der Coup gelaufen sein: In einer Nacht zwischen dem 23. und 26. Januar 2020 stieg eine deutsch-rumänisch-moldawische Bande über eine Dachluke in die Asservatenstelle des Zolls an der Gehrenseestraße (Hohenschönhausen) ein. Von innen wurden die Rolltore geöffnet.

Frech und unbemerkt rollten die Diebe mit Lkw ins Lager. Die Kriminellen klotzten ran bei der Nachtschicht und luden auf, was Zollbeamte bei anderen Kriminellen beschlagnahmt hatten.

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Insgesamt über 12 Tonnen Beute: 5,2 Millionen unversteuerte Zigaretten, 8,6 Tonnen Shisha-Tabak, 100 Liter Schnaps, vier komplette Porsche-Räder. Auch massenhaft gefälschte Markenartikel und zwei Hubwagen vom Zoll ließen sie mitgehen.

Frech und unbemerkt rollte der Klau-Brummi aufs Zoll-Gelände

Für einige Männer klickten die Handfesseln zwei Monate später: Ihr Versuch, den Wasserpfeifen-Tabak günstig loszuschlagen, rief die Ermittler auf den Plan. Ein Scheinankauf – die Falle schnappte zu. Die Zollfahnder beschlagnahmten den Tabak erneut.

Der erste Prozess gegen mutmaßliche Bandenmitglieder begann im Dezember 2020 und läuft noch immer. Für Berufskraftfahrer Ion L. erklärten seine Verteidigerinnen: „Er wird Angaben machen, aber nicht heute.“

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Gelassen wollte L. den Saal verlassen. Er war im November nach sechs Monaten U-Haft auf freien Fuß gekommen. Doch dann der Schock für ihn: Der Staatsanwalt holte einen Haftbefehl in einem anderen Verfahren aus der Tasche, erlassen vom Amtsgericht Würzburg wegen Verdachts auf Diebstahl. Zwei Wachtmeister führten den verdatterten L. ab. Fortsetzung: Montag.