Paul Möllemann-Breitenfeld vor der Vitrine, in der er einen kleinen Teil seiner Bücher-Sammlung lagert. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Viele kennen ihn als den Erfinder der rutschfesten Hotel-Pantoffeln – doch auch wenn der Berliner Geschäftsmann Paul Möllemann-Breitenfeld dank seines Produktes eine steile Karriere hinlegte, waren Slipper für ihn niemals alles. Der heute 65-Jährige sammelte im Laufe seines Lebens mehr als 600 Gebets- und Andachtsbücher – ein kunsthistorischer Schatz, den er mehr Menschen zugänglich machen will. Dem KURIER zeigte er die Sammlung.

Wer das Wohnzimmer von Paul Möllemann-Breitenfeld betritt, der staunt – nicht nur über die schicke, stilvolle Einrichtung, sondern vor allem über die Vitrine, die an einer Seite des großen Raumes steht. Darin: unzählige Gebets-, Gesangs- und Andachtsbücher. Alte Einbände, verziert mit goldenen Kreuzen und Steinen, mit Perlmutt und Schnörkeln. Kleine Kunstwerke, die die Jahrhunderte überdauerten. „Und das sind längst nicht alle“, sagt der 65-Jährige. „Ein großer Teil meiner Sammlung lagert in meinem Büro auf der Insel Eiswerder.“

Dieses Buch fand der Sammler auf einem Flohmarkt – erst später entdeckte er, dass es vom Großvater seines Lebensgefährten stammt. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Insgesamt 648 Gebetsbücher hat Möllemann-Breitenfeld im Laufe der Zeit gesammelt. Ein ungewöhnliches Hobby – und ein Kontrast zu dem Produkt, mit dem er über Jahre sein Geld verdiente: Er erfand die rutschfesten Hotel-Slipper. Die Geschichte dahinter ist legendär: 1980 rutschte er im Badezimmer eines Hotels in Hamburg aus. „Nachdem ich mich beim Rezeptionisten mit Nachdruck beschwert hatte, kam mir die Idee“, sagt er. Seine Erfindung verkaufte er danach an unzählige Hotels. Später kamen weitere Produkte hinzu: Bademäntel, Regenschirme, Kugelschreiber, Zuckertütchen. 2016 verkaufte er sein Unternehmen, heute ist er als Investor tätig.

Auch das gehört zur Sammlung: ein evangelisches Feldgesangbuch aus Kriegszeiten. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Wie die Slipper begleiteten ihn auch die Gebetsbücher jahrelang. Der Wahlberliner wuchs in Kevelaer auf, einem Wallfahrtsort in Nordrhein-Westfalen, die Eltern streng gläubig. „Als 18-Jähriger führte mich eine Reise nach England, dort kam ich an einem Antiquitätengeschäft vorbei“, erzählt er. Er stieß auf ein altes Buch, eine Bibel. „Ich kaufte sie, aber eher aus dekorativen Gründen.“ 1980 kam er nach Berlin, besuchte hier den alten Flohmarkt auf dem Nollendorfplatz. „Dort fand ich mein erstes Andachtsbüchlein – zufällig eines aus Kevelaer.“

Das Feuer war entfacht. Immer wieder besuchte er Flohmärkte und Antiquariate, auch auf Reisen. „Wann immer ich ein Buch fand, das mir gefiel, wurde gehandelt.“ Seine Faszination dafür kann er schnell erklären: „Man legte früher viel Wert auf die Gestaltung der Bücher. Sie wurden in Leder gebunden und verziert, man findet Gold-Prägungen, Metallbeschläge, wertvolle Steine und Perlmutt. Man sieht ein solches Buch in einem Antiquariat stehen – und man muss es einfach anfassen und in die Hand nehmen.“

Dieses Büchlein ist nur eines von vielen Beispielen, wie schön solche Stücke früher verziert wurden. Ein Handwerk, das heute nahezu ausgestorben ist. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Rund 100.000 Euro habe er im Laufe der Jahre ausgegeben, um die Sammlung aufzubauen. Der wirkliche Wert dürfte weitaus höher sein: „Viele Menschen, die so etwas auf dem Flohmarkt verkaufen, haben selbst gar keinen Bezug dazu.“ Für ihn liegt der Wert vor allem in den Geschichten, die er selbst damit verbindet. Als Beispiel zeigt er ein schönes Exemplar, verziert mit goldenen Prägungen, ein Gesangbuch aus dem Jahr 1863. „Dieses Buch muss ich Mitte der 90er-Jahre erstanden haben“, sagt er. Als er es für den Katalog durchsah, fiel ihm ein Stempel auf einer der ersten Seiten auf: Maschinen- und Apparatebau Ernst Freitag.

Dieses „Erbauungsbuch für katholische Christen“ stammt aus Wien. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

„Als ich das las, dachte ich: Das gibt es nicht.“ Denn Ernst Freitag war der Großvater seines Lebensgefährten Thomas Glaser. Das Buch trägt vorn die goldene Prägung „Th. G.“. „Ernst Freitag ließ also vermutlich die Initialen seines Enkels dort aufbringen, weil er ihm das Buch schenken wollte. Doch durch die Entwicklungen im Laufe seines Lebens kam das Buch abhanden. Und unzählige Jahre später fand ich es durch Zufall auf einem Flohmarkt: das Buch, das die ganze Zeit für meinen Lebensgefährten bestimmt war.“

Dieses besondere Exemplar hat sogar einen edlen Perlmutt-Einband. Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

Das älteste Buch der Kollektion stammt aus dem Jahr 1647. Ein kunsthistorischer Schatz, den Möllemann-Breitenfeld nun auch anderen Menschen zugänglich machen möchte. „Man denkt schon darüber nach, was später mal aus so einer Sammlung wird“, sagt er. Inzwischen hat er alle Bücher katalogisiert, die Kataloge in Buchform auf den Markt gebracht. In seiner Heimat Kevelaer ist zudem eine Ausstellung geplant.