Die Studentin (22) besuchte in den letzten Tagen Freunde in Berlin. Sie will nun endgültig in die Hauptstadt ziehen. Foto: Berliner KURIER/Sabine Gudath

Viele junge Menschen wollen nach Berlin – und scheitern an der prekären Situation auf dem Wohnungsmarkt. Zu wenig Wohnraum, teure Mieten. Was hilft? Wer in die Hauptstadt will, muss sein eigenes Haus mitbringen. Klingt schräg, aber Maria Kravanja aus Österreich macht genau das! Während ihres Studiums baute sie sich ein „Tiny House“ auf Rädern. Nun sucht sie einen Stellplatz.

Maria ist 22 Jahre alt – und hat schon jetzt ihr eigenes Haus. Nur wenige Studenten können das von sich behaupten. Und: Ihr Domizil ist etwas Besonderes: Das „Tiny House“ hat eine Grundfläche von zehn Quadratmetern, beherbergt alles, was die Studentin zum Leben braucht. Und ist komplett in Handarbeit entstanden.

Auf die Idee kam sie, weil sie sich nach einem bestimmten Lebensstil sehnte, sagt sie. „Ich wollte umweltbewusst leben, ohne Unkosten – und mobil sein.“ Ein kleines Haus schütze die Umwelt, weil es weniger Strom und Wasser verbraucht und den Boden nicht versiegelt. Auch der Ansatz des minimalistischen Lebens gefiel ihr. „Alles, was man besitzt, muss gepflegt werden. Meine Oma hat immer viel Zeit damit verbracht, sich um Haus und Garten zu kümmern. Ich wollte nie nur für ein Haus leben.“

Maria Kravanja beim Erneuern des Anhänger-Gerüstes. Foto: privat

Im Internet stieß sie auf die „Tiny Houses“ – ein fertiges Mini-Haus war ihr mit Preisen bis zu 100.000 Euro aber zu teuer. „Also dachte ich: Ich mache es selbst.“ Handwerklich geschickt war Maria nicht. „Ich hatte nicht mal ein Ikea-Regal aufgebaut.“ Sie plante zwei Jahre lang, neben dem Studium der Kulturwissenschaften. „Ich hätte mal lieber eine Tischlerlehre machen sollen“, sagt sie und lacht.

Sie fand einen alten Wohnwagen, rettete ihn vor der Verschrottung. „Er kostete 100 Euro, ein Schnäppchen!“ Maria demontierte den Aufbau, erneuerte den Anhänger, baute Bodenplatten und ein Holzgerüst. Ein Parkplatz in ihrem Heimatort wurde zur Baustelle. Woher nahm sie ihr Wissen? „Ich habe jeden, der vorbeikam, nach seiner Meinung gefragt“, sagt sie. Ihre Tante, Glaserin und Tapeziererin, half. Sechs Monate dauerte das Bauen des Häuschens, Kosten: 3500 Euro.

Die Studentin mit ihrem fertigen Häuschen. Foto: privat

Stolz zeigt Maria Bilder. Eine Küche, ein Wohnzimmer, ein Mini-Bad, ein Bett, darüber ein Buntglasfenster. „Das habe ich aus Glasscherben gemacht“, sagt sie. Nebenbei studierte sie, machte ihren Abschluss. Nun will sie nach Berlin, weiter studieren, Soziologie, einen Master machen. Das Problem: Ein Stellplatz muss her. Sie habe bei Wohnwagenparks angefragt, doch die wollen die Winzig-Häuser nicht. „Am liebsten wäre mir, wenn jemand mit einem Grundstück mir einen Platz zur Verfügung stellt. Gern am Stadtrand, aber für vier Semester. Ich brauche nur am Anfang Wasser-, Strom- und Abwasseranschluss, weil ich noch nicht autark bin“, sagt sie. Angst, dass jemand einbrechen könnte, hat sie nicht. „Das kannst du ruhig schreiben: Die Tür schließt schlecht. Aber ich lebe minimalistisch, es gibt nichts zu holen.“

Heute ist Maria – verdient – stolz. „Das Gefühl, so ein Haus gebaut zu haben, ist unbeschreiblich. Manchmal erschlägt einen die Verantwortung. Wenn ich im Bett liege und es knarren höre, denke ich: Oh Gott, habe ich die Schraube richtig festgezogen?“ Sie lacht. „Aber ich habe jedes Einzelteil selbst dorthin gebracht, wo es jetzt ist. Ich habe zu meinem Häuschen eine emotionale Verbindung, die mir niemand nehmen kann.“ Dass sie all das geschafft hat, findet sie selbst dennoch unglaublich. „Ich hätte nicht den Mut dazu“, sagt der KURIER-Reporter. Maria antwortet: „Ich auch nicht.“

Kontakt: mariakr@edu.aau.at