Alexander Smoljanovic sammelt Mülltonnen, eine Leidenschaft, die schon in seiner Kindheit begann.
Foto: zVg/Alexander Smoljanovic

Viele Menschen suchen in Berlin das Glück, die Liebe, den Erfolg – doch Alexander Smoljanovic sucht etwas anderes: Mülltonnen! Seit Jahren sammelt der 21-Jährige Abfallbehälter in allen Formen und Farben. Und sucht dabei nach Exemplaren, die es inzwischen nicht mehr gibt. Auch Berliner Tonnen stehen auf der Wunschliste.

Zu dem besonderen Hobby kam der junge Mann aus Wanzleben in Sachsen-Anhalt über eine Bekannte. „Früher wohnte ich mit meiner Familie in einem Plattenbau. Eine Nachbarin arbeitete bei der Abfallentsorgung“, erzählte er dem KURIER. Er selbst habe sich immer für Müllwagen interessiert – und Orange sei seine Lieblingsfarbe gewesen. Jene Nachbarin schenkte ihm vier Miniatur-Mülltonnen. „Sie wusste damals nicht, was sie damit anrichtet.“

Alexander Smoljanovic liebt Mülltonnen über alles.
Foto: zVg/Alexander Smoljanovic

Smoljanovic begann, sich immer mehr für die Tonnen zu begeistern. „Mir fiel auf, wie viele Modelle und unterschiedliche Hersteller es gibt“, sagt er. Erst sammelte er Miniaturen, die ersten echten Mülltonnen schaffte er sich 2015 an. Der Vorteil: Aus der Platte war er mit seiner Familie bereits 2003 in das Haus seiner Oma gezogen. „Sie hatte ein Eisenwarengeschäft – und damit genug Platz für meine Sammlung.“ Und das ist auch nötig: 90 Mülltonnen hat der 21-Jährige, der gerade eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen hat, bereits gesammelt, zusätzlich zu den rund 300 Miniaturen. Die großen Tonnen stehen, teilweise ineinander gestapelt und säuberlich mit Laken abgedeckt, im Büro des ehemaligen Ladens.

Die Exemplare findet er über das Internet – oder, weil er Hinweise von Menschen bekommt, die ihn und seine Leidenschaft kennen. Gezielt jagt Smoljanovic nach Tonnen, die ihm fehlen, erlebte dabei auch schon die eine oder andere besondere Geschichte. „Ich wollte beispielsweise immer eine Tonne aus der holländischen Stadt Tilborg haben“, sagt er. Der Grund: Dort gibt es Mülltonnen mit Trennwand, in die der Abfall einsortiert wird. „Das hat den Vorteil, dass die Behälter nicht viermal abgeholt werden müssen, sondern nur einmal.“

Zu seiner besonderen Kollektion gehören auch mehr als 300 Miniatur-Mülltonnen. Foto: zVg/Alexander Smoljanovic

Bei der Suche kam er in Kontakt mit dem Direktor eines Industriebetriebes, der eine solche Tonne in seinem Lager hatte. „Ich besuchte ihn dort – und fand nicht nur eine Tonne. Die ganze Halle war voll mit den unterschiedlichsten Modellen! Alle, die ich haben wollte, durfte ich mit einem gelben Klebezettel kennzeichnen. Der Chef ließ sie per Spedition zu mir nach Hause bringen.“ Echtes Sammlerglück, von dem Smoljanovic noch heute voller Begeisterung erzählt. Denn dieses außergewöhnliche Erlebnis machte ihn um satte 20 Tonnen reicher.

Eine solche grüne Glas-Tonne – manchmal war sie auch braun oder grau – fehlt noch in der Sammlung des Mülltonnen-Fans. Foto: Foto: zVg/Alexander Smoljanovic

Ihm geht es aber nicht nur darum, möglichst viele Tonnen anzuhäufen. „Ich interessiere mich auch sehr für historische Zusammenhänge und finde deshalb Mülltonnen besonders spannend, die es heute nicht mehr gibt“, sagt er. „Diese Form der Geschichte zu bewahren soll auch das Ziel meiner Sammlung sein.“ Auch deshalb jagt er nun besondere Exemplare aus Berlin: Gesucht werden eine Glas-Mülltonne mit einem Volumen von 240 Litern in Grün, Braun oder Grau und ein gelber Müllcontainer mit einem Volumen von 660 Litern.

Auch diese gelbe Mülltonne aus dem Berlin der 90er-Jahre hätte der Sammler gern. Foto: zVg/Alexander Smoljanovic

„Die Glas-Tonnen wurde in West-Berlin in den 80er-Jahren eingesetzt. Die Besonderheit liegt darin, dass die Gussform des Herstellers Sulo im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut wurde“, sagt er. „Ich suche die Urversion des Modells.“ Die gelben Tonnen gab es in Berlin seit den frühen 90er-Jahren. Smoljanovic: „Die gesuchten Mülltonnen sollten vom dem Hersteller Sulo kommen und sich im Bestzustand befinden. Der Hersteller hat leider keine Ausstellungsstücke mehr.“ Natürlich sei der Anspruch, nahezu neuwertige Müllbehälter aus den 80er- und 90er-Jahren zu finden, sehr hoch. „Aber ich habe in der Vergangenheit mehrmals gesehen, dass es möglich ist.“

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