Olga (18) aus Prenzlauer Berg und Anouk (18) aus Köpenick, die auf der Holzbank am Petersburger Platz nach einer Abitur-Prüfung chillen, sind begeistert vom neuen Rastplatz. „Wir können hier gemütlich essen, sind für uns und doch mittendrin“, sagen sie. Volkmar Otto

In der Bergmannstraße sind sie gescheitert, in der Friedrichstraße werden sie kaum genutzt: Sogenannte Parklets aus Holz, die zum Verweilen einladen sollen – und oft nur als Müllablageflächen und Schlafplätze missbraucht werden. Doch die Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) glaubt an den Erfolg. Mit einem 200.000-Euro-Förderprogramm sollen 100 davon auf Berliner Straßen aufgebaut werden. Und so kam die Politikerin selbst, als jetzt in Friedrichshain zwei neue Parklets eingeweiht wurden.

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Weg vom Auto, hin zu mehr Platz für alle: Das ist die Idee, die dahinter steht. Berlins Senatorin hat es lieber, wenn auf der Straße Menschen statt Blech geparkt werden. Wo Parklets aufgebaut werden, müssen Parkplätze dran glauben. Bis zu 11,90 Meter breit ersetzen die Holzkonstruktionen bis zu drei Parkplätze. Die neuen Parklets sind eine Kombination aus Sitzbank, Tisch und Blumenkasten.

„Klimaschutz macht unsere Bezirke und Kieze grüner“, sagt die Senatorin. „Kiez-Parklets helfen dabei enorm, denn sie gestalten den Straßenraum neu und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Wo vorher der Platz von einem Auto blockiert wurde, können sich nun Anwohnende an grünen Oasen erfreuen und dort verweilen.“ Nachteil, auch für Anwohner: Autofahrer kreisen jetzt noch länger durch die engen Kieze, in denen es sowieso schon zu wenig Parkplätze gibt, um noch einen freien zu ergattern.

Zwei neue Parklets in der Straßmannstraße und am Petersburger Platz

Die beiden neuen Parklets wurden jetzt im Kiez rings um den Bersarinplatz aufgebaut. Das eine in der Straßmannstraße 17, das andere am Petersburger Platz 5, entworfen von den Vereinen Naturfreunde und Berlin 21.

Olga (18) aus Prenzlauer Berg und Anouk (18) aus Köpenick, die auf der Holzbank am Petersburger Platz nach einer Abitur-Prüfung chillen, sind begeistert vom neuen Rastplatz. „Wir können hier gemütlich essen, sind für uns und doch mittendrin“, sagen sie.  Sarah (33), Erzieherin und angehende Mutter, zweifelt eher. Die klauen doch Parkplätze, sagt sie. Mit den Autos ringsherum würden sie auch nicht zum Verweilen einladen. Und fragt: „Wer pflegt die, wenn alle ihren Müll liegen lassen?“

In der Straßmannstraße wurde das Parklet gleich von einem Smart zugeparkt. Erzieherin Sarah (33) findet den Platz nicht sonderlich gemütlich. Zu viele Autos ringsherum, sagt sie. Volkmar Otto

Der Kiez soll sich selber um die Sauberkeit kümmern, sagt Friedrichshain-Kreuzbergs Vekehrsstadträtin Annika Gerold: „Hausgemeinschaften werden sich gemeinsam um die Pflege ihrer Kiez-Parklets kümmern und somit den Gemeinschaftssinn in ihrem Quartier stärken.“ Mal schauen, wie lange das gut geht.

„Ich werde nicht mit Parklets dazu beitragen, Berlins Ruf als Stau-Hauptstadt zu verschlimmern“, sagt ein Stadtrat

200.000 Euro stellt der Senat für das Parklet-Programm zur Verfügung. 30 Kiez-Parklets wurden bis Mai gebaut, bis Mitte des Jahres sollen es 65 sein. Jede Initiative wurde bisher mit rund 3100 Euro gefördert. Die neuen Konstruktionen sind jedenfalls wesentlich billiger als die Ur-Parklets in der Kreuzberger Bergmannstraße und das Riesen-Parklet am S-Bahnhof Schönhauser Allee (Kosten: rund: 50.000 Euro).

In der Bergmannstraße wurde das Experiment Parklet weggebaggert. Als sich immer mehr Anwohner über abendlichen Lärm rings um Parklets beschwerten, wurde die Testphase zur „Begegnungszone Bergmannstraße“ vor drei Jahren vorzeitig beendet und alles wieder weggeräumt.

Auch diesmal sind viele Bezirke nicht so recht überzeugt vom Experiment Parklet. Nur drei nehmen zurzeit überhaupt teil am Förderprogramm: Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf – drei Bezirke, in denen grüne Politiker die Bezirksbürgermeister stellen.

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Der Bezirk Spandau hält nichts von den Parklets. „Angesichts des massiven Wohnungsbaus brauchen wir mehr Kapazitäten auf der Straße und nicht weniger“, sagt CDU-Baustadtrat Thorsten Schatz in der BZ. „Ich werde nicht mit Parklets dazu beitragen, Berlins Ruf als Stau-Hauptstadt zu verschlimmern.“ Auch in Lichtenberg wurde zwei Parklet-Anträge nicht genehmigt.