Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam. Foto: dpa/Paul Zinken

Aus Italien und Spanien ist es bekannt: Krankenhäuser werden in einem Teufelskreis aus Überlastung, Ausfällen aufgrund von Ansteckung und unbemerkten Infektionen schnell zu Infektionsherden. Jetzt sorgt ein Ausbruch von Covid-19-Infektionen am Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam für einen Aufnahmestopp.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert und Vertreter der Klinik und der Gesundheitsbehörden informierten am Mittwoch über das erhöhte Infektionsgeschehen am Klinikum. Die wichtigste Maßnahme, um der Lage Herr zu werden, ist ein sofortiger Aufnahmestopp. Es wird vorerst keine Neuaufnahmen in das Klinikum geben und keine Verlegung aus der Klinik. Ausnahmen sind akute Notfälle wie Menschen mit Herzinfarkten. und Gebärende. Am Freitag soll das RKI die Lage vor Ort und die getroffenen Maßnahmen bewerten. „Das RKI wird wenn nötig weitere Maßnahmen vorschlagen“, so Mike Schubert.

Viele Patienten hatten keine Symptome

Am Ernst von Bergmann Klinikum war es in der Nacht zum Samstag zu einer auffälligen Anzahl positiver Tests auf das neuartige Coronavirus gekommen. Daraufhin sollten alle stationären Patienten getestet werden. Von 530 Patienten am Samstag seien 33 positiv getestet worden, sagte die medizinische Geschäftsführerin Dorothea Fischer.

Nachdem man sich entschlossen hatte, alle Patienten zu testen, wurden 17 weitere mit positivem Befund entdeckt und in den für Corona-Infizierte vorgesehenen Teil des Hauses verlegt. Seit Beginn des Ausbruchs starben sieben Patienten mit dem Coronavirus im Klinikum, zwei weitere im Potsdamer St. Josefkrankenhaus.

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„Die positiv getesteten Patienten kommen aus unterschiedlichen Bereichen des Krankenhauses, nicht nur aus der Geriatrie. Viele hatten keinerlei Symptome“, sagte Dr. Dorothee Fischer, die medizinische Geschäftsführerin der Klinik. Von 250 getesteten Mitarbeitern seien drei positiv getestet. Derzeit befinden sich 50 Covid-Patienten auf der Isolierstation des Ernst von Bergmann Klinikums. Elf weitere auf der Intensivstation, einer von diesen wird nicht beamtet. Insgesammt sind also derzeit 61 Menschen mit Covid-19 in Behandlung.

„Kein Potsdamer braucht Angst haben, dass er nicht versorgt wird“

Potsdams Bürgermeister Mike Schubert sagte, man können nirgends ausschließen, dass Infektionsketten entstünden. „Es geht aber darum, schnell und konsequent auf so ein Geschehen zu reagieren. Mit dem Aufnahmestopp haben wir einen drastischen Schritt gewählt, um die Kette wirklich zu unterbrechen.“ Nun geht es darum, die medizinische Versorgung der Bürger in der Region zu gewährleisten.

Die anderen Kliniken in der Region sind zuversichtlich, das zu bewerkstelligen. Das Ernst von Bergmann-Klinikum ist in der Region für die Versorgung von etwa 500.000 Menschen zuständig. „Kein Potsdamer braucht Angst haben, dass er nicht versorgt wird“, sagte Oliver Pommerenke, Regionalgeschäftsführer des St. Josef Krankenhauses. Mit St. Josef und der Oberlin Klinik stünden ausreichend Kapazitäten zur Verfügung. „Patienten sollten nicht aus Angst vor Corona die medizinische Versorgung meiden“, so Pommerenke.