1993 begann Katarina Witt noch mal für Olympia zu trainieren, Jutta Müller trainierte sie natürlich wieder.
1993 begann Katarina Witt noch mal für Olympia zu trainieren, Jutta Müller trainierte sie natürlich wieder. Imago/Camera 4

Ein Leben lang stand Jutta Müller im Rampenlicht, gehörte über 30 Jahre zu den großen Namen des Eiskunstlaufs. Heute begeht die Star-Trainerin der Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen Katarina Witt, Annett Pötzsch, Gabriele „Gaby“ Seyfert und des Weltmeisters  Dr. Jan Hoffmann ihren 94. Geburtstag – in einem Bernauer Pflegeheim.

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Mit Tochter Gabriele (74) und Enkelin Sheila (48) dürfen nur die engsten Verwandten zur Gratulation erscheinen. Seit dem Sommer lebt die einstige Powerfrau in Bernau bei Berlin im Pflegeheim. „Ich habe meine Mutter in meine Nähe geholt, dadurch können mein Mann Egbert und ich Mama schneller und öfter besuchen“, erklärt die zweimalige Weltmeisterin Gaby Seyfert den Umzug ihrer Mutter von Chemnitz nach Brandenburg.

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Im Sommer zog Jutta Müller von Chemnitz in ein Bernauer Pflegeheim um

„Zuletzt bin ich regelmäßig nach Chemnitz zu ihr gefahren. Dabei habe ich gemerkt: Ich war einfach zu weit weg, um im Ernstfall schnell bei ihr sein zu können“, erzählte Gabriele Seyfert der Super-Illu. „Ich habe gesagt, es wird Zeit, dass sie in meiner Nähe wohnt.“

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1984: Katarina Witt (r.) mit ihrer Trainerin Jutta Müller. In dem Jahr schaffte die Eiskünstlerin erstmals das Triple: Sie gewann Olympia, wurde Europa- und Weltmeisterin.
1984: Katarina Witt (r.) mit ihrer Trainerin Jutta Müller. In dem Jahr schaffte die Eiskünstlerin erstmals das Triple: Sie gewann Olympia, wurde Europa- und Weltmeisterin. Imago/Simon

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Jutta Müller wollte in ihrer Heimat Chemnitz bleiben, erzählt ihre Tochter: „Im Sommer war es dann aber so weit, dass ich gesagt habe: Es geht so nicht. Sie kann nicht mehr alleine wohnen. Sie hatte zwar Betreuung, die regelmäßig bei ihr war, dennoch ging es nicht mehr.“

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Jutta Müller verließ nur schweren Herzens nach 93 Jahren ihre geliebte Heimatstadt und die Wohnung in der Parkstraße. Dort hatte sie bis zu dessen Tod mit ihrem Ehemann, dem einstigen DDR-Fußball-Nationalspieler Bringfried Müller über 50 Jahre gelebt. 61 Jahre war sie mit ihm verheiratet. „Die zahlreichen Pokale, Medaillen und Urkunden und Alben bewahre ich im Moment bei mir auf. Ich bin aber mit den Chemnitzern im Gespräch, dass ich die wertvollen Stücke zur Einrichtung einem Museum zur Verfügung stelle“, verrät Seyfert.

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Am 18. Juni 2016: Jutta Müller kommt zur Eröffnung des neuen CFC-Stadions
Am 18. Juni 2016: Jutta Müller kommt zur Eröffnung des neuen CFC-Stadions Imago/Härtelpress

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Jutta Müller ist die erfolgreichste deutsche Eiskunstlauf-Trainerin aller Zeiten. Und wie es aussieht, wird sich daran so schnell nichts ändern. Frau Müller hat viel erlebt – und nicht alles lief immer glatt. Wie 1967 bei der WM in Wien. Die damaligen Pflichtbogen bildeten die Grundlage für den späteren Medaillenglanz. Und diese Pflicht wurde in der Donau-Halle, weit ab vom Zentrum der Stadt, ausgetragen. Früh um 7 Uhr musste die erste Läuferin aufs Eis. Das Los hatte Gaby getroffen. Als sie die Schlittschuhe anziehen wollte, wich ihr das Blut aus dem Gesicht. Mutter hatte in morgendlicher Eile die Kürschlittschuhe eingepackt.

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Die Sportler von Jutta Müller gewannen 49 Medaillen

Wie ein Blitz fegte Frau Müller durch die Halle, sprang in ein Shuttle und raste zum Hotel. Unerbittlich rückte der Zeiger in Richtung 7 Uhr. Wenn Gaby nicht pünktlich auf dem Eis erschienen wäre, wäre ein ganzes Jahr der Schweiß umsonst geflossen. Gegen die Härte des Reglements stand die Gutmütigkeit des Prager Oberschiedsrichters Prof. Josef Dedic. Er ließ das Eis von einer Eismaschine so lange präparieren, bis Mutter Jutta mit den richtigen Schlittschuhen eingetroffen war. Es lohnte sich. Gaby stürmte zu ihrer zweiten WM-Silbermedaille.

1994 ging das Duo noch mal den Traum von Olympia an:  Bei Olympia in Lillehammer kam die von Jutta Müller trainierte Kati Witt auf Platz 7.
1994 ging das Duo noch mal den Traum von Olympia an: Bei Olympia in Lillehammer kam die von Jutta Müller trainierte Kati Witt auf Platz 7. Imago/Camera 4

Insgesamt brachten es die Schüler von Jutta Müller auf 49 Medaillen bei Olympia, bei Welt- und Europameisterschaften. Die erste Medaille feierte Müller mit Tochter Gaby 1966 bei den Europameisterschaften in Bratislava. Als Letzte ihrer Schülerinnen stand 1990 bei den Europameisterschaften in Leningrad Evelyn Großmann auf der höchsten Stufe des Siegerpodests.

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Eine Traumkür erlebte Jutta Müller bei Olympia 1988 in Calgary – durch Kati Witt als „Carmen“ vor wohl einer Milliarde TV-Zuschauer in aller Welt. Die Grundlage für ihre Beliebtheit in Nordamerika legte Kati allerdings schon ein Jahr vorher. Bei der WM 1987 in Cincinnati. Die Stadt Cincinnati feierte dazu ein Lichterfest. Der Beifall und das Licht galten vor 35 Jahren besonders Kati Witt und ihrer Trainerin Jutta Müller.

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Witt lief die Maria aus der „West Side Story“. Das war natürlich nach dem Geschmack des amerikanischen Publikums. Sie würzte ihren Vortrag mit den dreifach gedrehten Sprüngen Salchow, Toeloop und Rittberger. Kati sprang und tanzte wie im Rausch. Die Schlusspirouette ging bereits in einem Jubelsturm unter. Debi Thomas, die vor ihrem US-Publikum als Favoritin angetreten war, gab später gegenüber Journalisten zu: „Was ist das für ein Wundermädchen. Das macht mich auf meine Silbermedaille doppelt stolz.“