Alice Börsts Blumen können in ihrem Garten auf über 1500 Quadratmetern wachsen und gedeihen.
Foto: Gerd Engelsmann

Fünf kleine Blumensträuße warten gegen Mittag vor Alice Börsts Haus darauf, den Besitzer zu wechseln. Sie hat die gebundenen Pflanzen in Glasbehälter mit Wasser gesteckt, diese am Gartenzaun befestigt, zusätzlich einen Sonnenschirm zum Schutz angebracht und mit einem Preisschild versehen: drei bis fünf Euro pro Strauß. Wer an Börsts Haus in Finkenkrug am Falkensee vorbeikommt, kann einen der Sträuße wählen und das Geld einfach in den Briefkasten werfen. Oder bei ihr klingeln und eine gemeinsame Tour durch ihren Garten machen.

Börsts Gartenzaun ist das Eintrittstor zu einer bunten Welt voller Blumen, Pflanzen und essbaren Kräutern. Ihre ganz persönliche Welt, die sich auf über 1500 Quadratmeter erstreckt. Platz genug, um aus ihrer Leidenschaft für Blumen ein kleines Unternehmen zu formen. Mitten in der Corona-Krise hat sie „Finkenblumen“ gegründet. „Ich habe schon in meiner Kindheit größte Freude daran gehabt, Blumen anzuschauen und irgendetwas daraus zu machen. Für Freunde und die Nachbarschaft habe ich früher schon Sträuße zusammengestellt“, sagt Börst, die eigentlich Juristin ist und sich gerade in Elternzeit befindet.

Bunte Blüten hängen an Alice Börsts Gartenzaun Foto:  Gerd Engelsmann

Ihre Sträuße – in unterschiedlicher Blumenart und Größe – fertigt sie mittlerweile auch für Hochzeiten, Beerdigungen oder andere Anlässe an und liefert sie auf Wunsch auch in Finkenkrug aus. Praktisch jeden Monat bietet Börst auf ihrer Webseite mehr als zehn neue Pflanzen an, die passend zur Jahreszeit Saison haben. Im Juni sind das beispielsweise Bartnelke, Holunder, Löwenmaul, Pimpinelle, Jasminblüte, Borretsch, Gelbsenf oder Lavendel. Dass ihre Blumen in der Region wachsen und gedeihen können, ist Börst besonders wichtig: „Tulpen aus Holland oder spezielle Blüten aus Italien sind für mich nicht der richtige Weg. Ich erfreue mich an Blumen, die in einer gewissen Jahreszeit oder Region blühen.“

Aus diesem Grund muss Börst auch auf ihre Lieblingsblume – die Freesie – verzichten: „Ich habe mal probiert, sie anzubauen. Aber dafür müsste ich teilweise meinen Boden austauschen oder künstlichen Dünger verwenden. Das ist für mich kein Einklang mehr mit der Natur. Auch wenn ich den Duft der Blüten einfach Liebe“, sagt sie.

Börst hegt und pflegt ihren Blumengarten in erster Linie natürlich für sich: „Ich möchte mein Leben mit Sachen verbringen, die mich persönlich bereichern und nicht mit Dingen, die nur mein Vermögen aufbessern“, sagt sie. Diesen Gedanken möchte sie aber auch auf die Menschen, die bei ihr vorbeikommen, übertragen: „Ich freue mich, wenn ich Menschen mit meinen Blumen berühren oder inspirieren kann und sie sich vielleicht selbst fragen, was sie wirklich im Leben machen wollen. Die Leute sollen nicht nur zu mir kommen und Blumen kaufen. Wenn sie selbst in ihren Garten gehen und etwas pflücken, dann habe ich etwas erreicht“, sagt Börst. „Wer in meinen Garten schaut, schaut in mein Herz“ steht auf einem Schild vor ihrem Haus. Alice Börst hat es für jeden geöffnet.