Sängerin Julia bei einem Auftritt in der MDR-Fernsehshow „Musik für Sie“ (2007)
Sängerin Julia bei einem Auftritt in der MDR-Fernsehshow „Musik für Sie“ (2007) Imago/stock & people

„Eine Welt ohne dich“ war einer ihrer großen Hits. Ein Lied, mit dem sich Julia Axen in den 50er-Jahren in die Herzen ihrer Fans sang. Über 60 Jahre stand die Grande Dame des DDR-Schlagers auf der Bühne. Nun wird es leider eine Welt ohne sie geben. Denn jetzt wurde bekannt: Julia Axen starb am vergangenen Sonntag im Alter von 85 Jahren.

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Die traurige Nachricht von ihrem Tod teilte „Kofferradio“-Moderator und Schlager-Experte Siegfried „Siggi“ Trzoß auf Facebook mit. „Vom Sohn der Sängerin erfuhr ich, dass Julia Axen am Sonntagmorgen im Seniorenzentrum Berlin-Friedrichshagen friedlich eingeschlafen ist“, sagte er dem KURIER. Jahrelang war Trzoß der Künstlerin eng verbunden, die 2017 in seiner 600. „Kofferradio“-Sendung Abschied von der Bühne nahm. „Ich habe eine überaus liebenswürdige und tolle Wegbegleiterin verloren.“

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Noch im hohen Alter trat Julia Axen auf – hier  im Stadtkulturhaus Freital (2015).
Noch im hohen Alter trat Julia Axen auf – hier  im Stadtkulturhaus Freital (2015). imago/stock&people

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Julia Axen – sie war eine lebenslustige Frau mit einer großartigen Stimme. Bürgerlich hieß sie Christa Schultze. „Können Sie sich vorstellen, dass eine Sängerin mit dem Namen Schultze Karriere gemacht hätte?“, fragte Julia Axen vor einigen Jahren, als der KURIER den Star besuchte. Und sie gab gleich darauf die Antwort: „Meine Kollegen damals auch nicht. Also wählte ich auf ihren Rat den Namen Julia Axen. So hieß Ufa-Star Marika Rökk in einem ihrer Filme. Und in dem Namen Julia Axen steckt Musik drin – und das passt zu mir.“

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Ost-Star Julia Axen: Mit 17 begann sie im Westen ihre Karriere

Mit 17 Jahren begann die Sängerin ihre Karriere. Und die fing für den Ost-Star im Westen an. „Meine ersten Aufnahmen machte ich mit dem Rias-Tanzorchester bei der Polydor“, erzählte Julia Axen damals dem KURIER. 1956 nahm sie für diese Firma ihren ersten Hit auf: „Deine Liebe“, die deutsche Version von „True Love“. Bing Crosby sang mit Grace Kelly das Originallied in dem Film „Die oberen Zehntausend“.

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Julia Axen lernte die Stars Bully Buhlan, Freddy Quinn und Catarina Valente kennen. Später traf sie in einem Hamburger Studio einen jungen, noch unbekannten Mann, der auf seine Aufnahme wartete und den Julia Axen recht interessant fand – Udo Jürgens.

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Julia Axen bei einem ihrer ersten Auftritte
Julia Axen bei einem ihrer ersten Auftritte Repro/privat

Die Sängerin aus dem Osten hätte im Westen ein Star werden können. Es gab Filmangebote, man organisierte eine Wohnung im Westteil Berlins. „Aber ich wollte nicht alles im Ostteil aufgeben, wo meine Eltern lebten, später meine Tochter aufwuchs“, sagte Julia Axen. „Ich wollte bleiben, wo meine Wurzeln sind. Denn ich hatte ja damals auch schon im Osten produziert, hatte sogar eine Radiosendung – ‚Per Draht gefragt‘.“

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Und mit ihren Liedern über die Liebe hatte sie auch in der DDR in den 50er- und 60er-Jahren ihr Publikum gefunden. „Nur der Mond schaut uns zu“, „Wenn der Frühling kommt“ und „Eine Welt ohne dich“ – der einer der größten Hits in den DDR-Schlagerparaden des Jahres 1958 war und für die damals 21-jährige Künstlerin den Durchbruch brachte.

Julia Axen in den 60er-Jahren 
Julia Axen in den 60er-Jahren  Repro/privat

Sängerin Julia Axen: Die Stasi hatte sie im Visier

Doch in den 70er-Jahren wurde es plötzlich im Radio und Fernsehen ruhig um die große Sängerin, die dreimal verheiratet war, einen Sohn und eine Tochter hatte. Die Stasi hatte Julia Axen im Visier, weil ihre Tochter einen Türken geheiratet hatte und mit ihm in den Westen ging. „Ich durfte zum Beispiel im ,Kessel Buntes‘ nicht singen – wegen der West-Stars, die dort auftraten“, berichtete sie in einem KURIER-Interview.

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Julia Axen bei einem Gespräch mit KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke (2012)
Julia Axen bei einem Gespräch mit KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke (2012) KURIER/Lebie

Doch das Publikum hatte Julia Axen nicht vergessen – auch nach der Wende nicht. Sie trat weiter auf, auch wenn die Säle kleiner waren als früher. In so mancher TV-Show war sie zu Gast. Bis Julia Axen eines Tages noch einen anderen Weg einschlug. Ihre Tochter war an Krebs erkrankt (und starb 2011). So engagierte sich die Sängerin in einem Hospiz, arbeitete ehrenamtlich auf einer Sozialstation, kümmerte sich um ältere Menschen. Ein Leben jenseits der Bühne und des Starrummels, das Julia Axen gerne führte. Für die Menschen da zu sein – das war das größte Anliegen der Sängerin. Nun heißt es Abschied nehmen.