Die Angeklagte stand am Donnerstag vor Gericht. Rechts das Opfer mit Katze Minka. Pressefoto Wagner

Die Heilpraktikerin (52) kam mit ihrer Katze Minka (9) von einem Spaziergang, als eine Frau wie eine Furie auf sie zukam. Der traurige Fall nun vor Gericht.

Auf der Anklagebank Nadja G. (33). Gelernte Industriekauffrau, ein Kind. Als die Welt noch in Ordnung war, machte sie Karriere, war Flughafen-Mitarbeiterin, stieg auf zu einer Projektleiterin. Nadja T.: „Es war allerdings mit viel Stress verbunden.“ Sie gab Gas an allen Fronten. Volle Pulle. Immer häufiger griff sie zum Alkohol. Unbemerkt erst von ihrer Umgebung. Schleichend stieg der Konsum. Bis sie an der Flasche hing.

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Das Doppelleben als Projektleiterin und Alkoholikerin ging eine Zeit lang gut. Doch dann der Absturz ins beinahe Bodenlose. Am 2. April letzten Jahres war sie in Lankwitz unterwegs. Geplant war ein Treffen mit der Tochter, die inzwischen beim Vater lebt. Aber kurzfristig wurde es verschoben. Nadja G. unter Tränen zum Richter: „Da habe ich mir zwei Flaschen Wein gekauft und sofort getrunken.“

Das Opfer: „Ich hatte das Gefühl, dass ich um mein Leben kämpfe“

Um Nachschub zu holen, sei sie aus dem Haus gegangen. Ihr Ausraster gegen 21.30 Uhr. Opfer wurden Nicoletta T. (alle Namen geändert) und ihr Kätzchen. Die Heilpraktikerin: „Ich kam mit meiner Katze aus dem Park, hatte sie im Rucksack. Ich wollte einer Frau ausweichen, plötzlich aber lief sie auf mich zu, hat mich gehauen.“

Schläge in Richtung Gesicht. Die Heilpraktikerin wehrte sich: „Ich hatte das Gefühl, dass ich um mein Leben kämpfe.“ Sie habe versucht, die ihr unbekannte Frau wegzuschieben, zu beruhigen. Eine Rangelei. Beide Frauen fielen zu Boden. Nicoletta T.: „Normalerweise würde ich in einer Situation fortlaufen. Aber meine Katze war weg.“

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Der Rucksack, den die Heilpraktikerin auf dem Rücken trug, war offen. Als Frauchen zu Boden ging, floh Minka. Erst versteckte sie sich unter einem Auto. Frauchen: „Sie war ganz steif vor Angst.“ Die Angreiferin ließ nicht locker. Frauchen: „Da lief meine Katze weg.“ Eine andere Passantin rief die Polizei. Die Ex-Projektleiterin noch immer in Rage, bepöbelte Beamte, bestritt die Prügel-Attacke auf die Heilpraktikerin. Außer Rand und Band war sie: Vier Polizisten brachten die Suff-Schlägerin schließlich mit vereinten Kräften zu Boden.

Rund drei Promille Alkohol hatte die Schlägerin intus

Um die drei Promille Alkohol hatte sie intus. Während Nadja G. abtransportiert wurde, begann die Suche nach Minka. Die Heilpraktikerin: „Wir fanden sie nach vielen Stunden, sie ist okay.“ Nicoletta T. allerdings erlitt eine schmerzhafte Zerrung an der rechten Schulter – „bis heute kann ich sie nicht mehr so belasten wie vor dem Geschehen“.

Gab es einen Auslöser für den Wutausbruch der Angeklagten? Die Heilpraktikerin: „Ich verstand nicht, was es sollte, war schockiert. Ich hatte ihr auf dem Gehweg noch Platz gemacht – pandemiebedingt.“ Keine Erklärung hat die Angreiferin: „Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich am nächsten Morgen in einer Zelle erwachte. Ich bitte um Entschuldigung.“ Sie habe sich danach in Therapie begeben – lange Zeit stationär, bis heute ambulant. Die bittere Einsicht: „Ich bin Alkoholikerin.“ Trocken seit der professionellen Behandlung. Urteil: 4. November.