Da waren sie noch ziemlich beste Freunde: Arafat Abu-Chaker (l.) und Bushido bei der Premiere des Films „Bushido – Zeiten ändern sich" im Jahr 2010. Foto: Eventpress Schulz

Sie waren jahrelang unzertrennlich, ließen sich auf dem Roten Teppich feiern, legten sich gemeinsam Immobilien zu: Rapper Bushido (41) und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker (44). Nun sind sie Erzfeinde.

Showdown vor Gericht. Massiv die Sicherheitsvorkehrungen. Bushido von fünf Polizei-Personenschützern umringt. Sie sind bewaffnet und tragen Sturmhauben. Der Rapper im weißen T-Shirt blickt zu Boden. Als Gangsta-Rapper ist er bekannt geworden. Nun huscht er im Schutz der Polizei in den Saal.

Ganz anders der einstige Geschäftspartner von Bushido: Arafat Abou-Chaker macht die Schultern breit, geht lächelnd an Kameras vorbei. Auch er hat sich für ein legeres T-Shirt entschieden. Aber in Schwarz. Zur Person gibt der Mann, der als Boss eines berühmt-berüchtigten arabischstämmigen Clans seht, zu Protokoll: „Fünf Kinder, geschieden, Deutscher, selbständig in Vermietung und Verpachtung.“

Von Straftaten zum Nachteil des Rappers geht die Anklage aus – versuchte schwere räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung, Beleidigung, Untreue. Neben dem Clan-Chef müssen sich drei seiner Brüder verantworten: Yasser Abou-Chaker (39), Nasser (49) und Rommel (42). Ihnen gegenüber sitzt als Nebenkläger Bushido, mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi.

Rapper Bushido sitzt zu Beginn eines Prozesses gegen den Chef einer bekannten arabischstämmigen Großfamilie in einem Gerichtssaal des Landgerichts.  Foto: dpa / Zinken

Rund 14 Jahre waren sie Partner im Musikgeschäft, millionenschwer ihre Einnahmen. Im Sommer 2017 aber verkündete der Rapper den geschäftlichen Bruch. Die Anklage: „Arafat Abou-Chaker wollte die Trennung nicht akzeptieren.“ Er habe die Zahlung angeblichen Schulden verlangt.

Am 25. Dezember 2017 soll er den Rapper in sein Büro in Treptow bestellt, dann die Tür abgeschlossen und gedroht haben: „Hüte deine Zunge, du Stück Scheiße, bevor ich sie dir abschneide.“

Zwei Wochen später sei Bushido erneut einbestellt worden. Die Anklage: „Anis Ferchichi sollte einen Betrag nennen – zwischen 2-3 Millionen Euro, die Arafat Abou-Chaker erhalten sollte.“ Allein bei einem Album verdiene Ferchichi knapp 2 Millionen Euro, soll der Clan-Chef dem Rapper vorgehalten haben.

Geld, Gier, Macht und auch Gewalt. Der Clan-Chef soll dem Rapper eine Hartplastik-Wasserflasche ins Gesicht gedroschen haben. Dann sei ein Stuhl auf Bushido geflogen, habe ihn an der Schulter getroffen. Zuletzt habe der Rapper 2,4/2,5 Millionen Euro geboten, um sich freizukaufen. Dem Clan-Chef sei das zu wenig gewesen. Bushido rappte später im Song „Mephisto“: „Unfassbar wie boshaft ...“

Der Zoff der Ex-Partner führte auch zu einer Spaltung in Teilen der deutschen Rapper-Szene. Einige – darunter Capital Bra, Fler, Shindy, Kollegah – sind in der Anklage als Zeugen genannt. Die Angeklagten wollen sich „gegenwärtig nicht“ äußern. Fortsetzung: Morgen. KE.