Berlin schaltet das Licht aus, um Energie zu sparen, und Amtsmitarbeiter könnten demnächst nur noch arbeiten, wenn es taghell ist.
Berlin schaltet das Licht aus, um Energie zu sparen, und Amtsmitarbeiter könnten demnächst nur noch arbeiten, wenn es taghell ist. imago/Christian Ohde

Berlins Bezirke wollen beim Energiesparen mit gutem Beispiel vorangehen. Doch mancher Vorschlag klingt dabei selten dämlich. Zum Beispiel der hier: Mitarbeiter der Verwaltung sollten nur noch bei Tageslicht arbeiten. Da kann ein Acht-Stunden-Tag im Winter schnell zum Sechs-Stunden-Tag werden. An trüberen Tagen auch zum Vier-Stunden-Tag. Die rund 290.000 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in Berlin dürfte das freuen.

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Die Berliner Bezirke haben angesichts der Energiekrise und drohender Gasknappheit damit begonnen, Ideen zum Energiesparen zu entwickeln. Zu den in manchen Bezirken schon geplanten Maßnahmen zählt etwa, die Heiztemperatur in den Behörden zu senken, das warme Wasser in Sporthallen abzuschalten oder die Arbeitszeit der Beschäftigten im Herbst und Winter in Zeiten mit Tageslicht zu verlagern. Andere Bezirke warten hingegen noch ab, welches Gesamtkonzept der Senat in diesem Monat vorlegt. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

„Mit niedrigeren Raumtemperaturen werden wir den Energiebedarf spürbar senken können. Jedes Grad weniger senkt den Energiebedarf um etwa sechs Prozent“, erklärte eine Sprecherin des Bezirksamts Spandau. Welche Raumtemperatur im Winter in den Gebäuden des Bezirks eingestellt werden kann, werde zurzeit geprüft.

Mit Photovoltaikanlagen auf bezirkseigenen Immobilien Energie sparen

Auch der Bezirk Mitte geht so vor. Zudem sei man in Mitte dabei, die Anzahl der Photovoltaikanlagen auf „bezirkseigenen Immobilien schnell auszubauen, um zusätzlich Energie zu gewinnen“, sagte ein Sprecher. Woher die Handwerker dafür kommen sollen, sagte der Sprecher nicht.

Tempelhof-Schöneberg hat nach Auskunft der zuständigen Bezirksstadträtin Angelika Schöttler (SPD) die Abschaltung der Warmwasserbereitung in Schulen im Blick. In Steglitz-Zehlendorf wird an der Optimierung der Wärme- und Warmwasserversorgung gearbeitet.

Treptow-Köpenick erwägt, das mobile Arbeiten noch flexibler zu gestalten oder mobile und feste Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden abzuschalten, die zuletzt auch der besseren Belüftung in Pandemiezeiten dienten.

Um Energie zu sparen, werden 200 Gebäude nicht mehr angestrahlt

Was das alles für die Besucher von Amtsstuben bedeutet, kann nur gemutmaßt werden. Bürgeramtstermine dürften bei flexiblen Arbeitszeiten jedenfalls noch schwerer zu kriegen sein.

„Eine berlinweite Vorgehensweise wird insbesondere bei einer Senkung der Raumtemperaturen in Schulen für zwingend erforderlich gehalten“, betonte eine Sprecherin des Bezirks Reinickendorf. Denn über die Raumtemperatur in Schulen, die Wassertemperatur in Stadtbädern oder die Straßenbeleuchtung entscheide am Ende der Senat. Daher müsse dieser zeitnah Vorgaben zu Energiesparmaßnahmen machen.

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Der Senat hat sich erklärtermaßen vorgenommen, mindestens zehn Prozent des Energieverbrauchs seiner Verwaltungen einzusparen. Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) hatte am vergangenen Mittwoch angekündigt, dass zahlreiche öffentliche Gebäude in der Nacht nicht mehr angestrahlt werden, um Strom zu sparen. Dabei handelt es sich um etwa 200 Gebäude und Wahrzeichen, für die das Land zuständig ist, zum Beispiel Siegessäule, Gedächtniskirche, Berliner Dom oder Rotes Rathaus.

In Neukölln werden bereits sämtliche bezirkliche Liegenschaften bis auf Weiteres nicht mehr angestrahlt, unter anderem das Schloss Britz und das Rathaus. Auch beim Rathaus in Treptow-Köpenick ist das so.