Die Kronen der Kiefern werden lichter, insbesondere ältere Bäume werfen ihre Nadeln ab.
Die Kronen der Kiefern werden lichter, insbesondere ältere Bäume werfen ihre Nadeln ab. dpa/Christoph Soeder 

Eigentlich sind Kiefern Kummer gewohnt. Der ärmliche Sandboden in Berlin und das Drumherum ist ihr willkommen, und mit Trockenheit kommt sie klar. Eigentlich. Denn die Dürre der vergangenen Jahre und der auch 2022 nicht ausreichende Regen macht die Kiefern fertig. Das zeigt der aktuelle Waldzustandsbericht. Sie werfen Nadeln ab und ihre Kronen lichten sich. Jeder dritte (33 Prozent) des häufigsten Berliner Waldbaums ist deutlich geschädigt, gerade einmal ein Fünfzigstel (2 Prozent) ist gesund. Der Wassermangel wird noch verschärft, weil ein Viertel der Kiefern von Misteln besetzt ist.

Es gibt nur einen kleinen Lichtblick:  Der Anteil der abgestorbenen Kiefern ist 2022 von 0,68 auf 0,17 Prozent gesunken.

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17,7 Prozent der Fläche Berlins sind Wald

Insgesamt sind immer weniger Bäume in den knapp 290 Quadratkilometer Wald Berlins (17,7 Prozent der Stadtfläche) voll intakt. Als schadfrei stufen die Forstleute nur noch vier Prozent der Fläche ein. Das sind noch einmal zwei Prozentpunkte weniger als 2021, das auch schon das schlechteste Jahr seit der ersten Erhebung 1991 war.

Deutliche Schäden weisen laut dem aktuellen Bericht 40 Prozent der Flächen auf, das sind sechs Prozentpunkte mehr als 2021. Die übrigen Flächen fallen in eine sogenannte Warnstufe.

Nach der Trockenheit 2003 war der Anteil gesunder Bäume schon einmal stark zurückgegangen, wenn auch nicht so stark wie zuletzt. In den frühen 2010er Jahren war es dann noch einmal zu einer Erholung gekommen, zeitweilig war wieder rund ein Drittel der Fläche ohne Schäden. Immer schlechter wurde der Zustand wieder nach dem Jahr 2017, als es viel zu nass war, und dem extremen Dürrejahr 2018.

Am Schlachtensee wurden 2021 knapp 30 geschädigte Eichen gefällt. Die Forstleute fürchteten, sie könnten Äste abwerfen und Spaziergänger verletzen.
Am Schlachtensee wurden 2021 knapp 30 geschädigte Eichen gefällt. Die Forstleute fürchteten, sie könnten Äste abwerfen und Spaziergänger verletzen. BUND/Manfred Krauss

Anteil der abgestorbenen Eiche hat sich verdoppelt

Bei der Eiche, die ein gutes Fünftel der Berliner Waldfläche besetzt, geht es nach einer Erholung zwischen 2013 und 2016 wieder abwärts. Deutliche Schäden haben 49 Prozent der Eichen, drei Punkte mehr als 2021. Und im Gegensatz zur Kiefer ist die Absterberate von 0,48 auf 0,95 Prozent gestiegen.

Berlin versucht, durch den sogenannten Waldumbau den Anteil der Laubbäume zu erhöhen. So soll der Wald seinen Wasserhaushalt stabilisieren, weil Laubbäume im Winter kein Wasser verbrauchen. Damit, so die Hoffnung, wird der Wald widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Deshalb wurden im Herbst 2021 rund 321.000 Laubbäume verschiedener Arten gepflanzt. In diesem Jahr soll es etwa die gleiche Größenordnung sein.

Senatorin: 450.000 neue Berliner Waldbäume pro Jahr

Umweltsenatorin Bettina Jarasch (Grüne) sprach von insgesamt 450.000 Bäumen, die jährlich auch mit Hilfe von Unterstützern gepflanzt werden: „Für uns und für die kommenden Generationen.“

Die Waldgesundheit wird in Berlin im Sommer mit stichprobenartigen Überprüfungen an mehreren Standorten erhoben. In diesem Jahr war die Datenerhebung allerdings leicht eingeschränkt: Die Messgeräte der Klimastation Grunewald wurden geklaut.