Menschen sonnen sich am Strand von Pollença auf Mallorca.  Foto: Clara Margais/dpa

Leises Meeresrauschen. Dazu ein erfrischender Duft von Sonnenöl, der einem um die Nase weht. Kein Stress, keine Sorgen, keine Pandemie. Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Die Sehnsucht nach Urlaub ist so groß wie nie und dennoch ist sie schwer zu stillen. Täglich steigende Infektionszahlen und viele Einschränkungen machen Urlaub fast unmöglich. Trotzdem hat sich der KURIER auf eine virtuelle Reise begeben und in den Reisebüros nachgefragt: Wohin könnte ich jetzt fliegen, wenn ich spontan buche?

Die Herausforderung beginnt schon damit, einen Reiseberater zu finden. In einem Reisebüro in Mitte am Alexanderplatz ist alles dunkel, die Schreibtische sind leer. Ein paar Straßen weiter an der Friedrichstraße sieht es nicht anders aus. Da die meisten Mitarbeiter aus der Touristikbranche in Kurzarbeit sind, vergeben viele Reisebüros nur noch Termine und sind nur stundenweise am Tag erreichbar.

Michael Kotzurek von GBFR-Reisen. Im Hintergrund sind Kataloge mit Inlandsreisen einsortiert.
Foto: Volkmar Otto

In Friedenau auf der Rheinstraße brennt bei „GBFR-Reisen“ noch Licht. Ein Mann mit Brille und blondem Haar sitzt am Schreibtisch. Dennoch ist die Tür verschlossen, es wird um telefonische Terminabsprache gebeten, so steht es auf einem Schild. Ich klopfe an die Scheibe und der Mitarbeiter macht mir auf. Ich habe Glück und bekomme sofort einen Termin.

Reiseexperte empfiehlt Balearen und Kanaren

Michael Kotzurek, der auch Geschäftsführer des Reisebüros ist, rät momentan von Fernreisen ab. Das Risiko, im Ausland nicht wieder wegzukommen, sei zu groß. „Wer jetzt gern weg möchte, sollte die Balearen oder Kanarischen Inseln wählen“, sagt er. Allerdings gilt zu beachten: Während bei der Einreise von den Balearen nach Deutschland nur ein negatives Testergebnis nachgewiesen werden muss, ist es bei den Kanarischen Inseln komplizierter. Da das Gebiet als Risikogebiet ausgeschrieben ist, ist nach dem Urlaub auch eine Quarantäne von zehn bis 14 Tagen vorgeschrieben. Für zusätzliche Irritationen unter Mallorca-Urlaubern hatte vor wenigen Tagen, eine von der Balearen-Regierung umgesetzte Verschärfung der Maskenpflicht gesorgt. Die spanischen Politiker forderten, dass die Maske auch während des Sonnenbadens am Strand und Pool getragen wird. Doch laut Mallorca-Zeitung ist die Verordnung nun „erst einmal ausgesetzt.“

Reise-Experte Kotzurek, der sein Unternehmen seit 1988 mit zwei weiteren Geschäftspartnern führt, empfiehlt seinen Kunden in der Pandemie lieber Pauschalreisen inklusive Verpflegung im Hotel zu buchen. Zum einen weil die Stornierungsbedingungen bis zu zwei oder vier Wochen vor Reiseantritt kulant auf die derzeitige Situation abgestimmt seien und zum anderen weil die Restaurants auf Mallorca nur eingeschräbkt bis 17 Uhr geöffnet haben.

Kunden könne er „an einer Hand abzählen“

Viele Kunden kommen am Tag nicht, so sagt Kotzurek. Er könne sie „an einer Hand abzählen.“ Er hat gerade einer Kundin eine Reise nach Lanzarote verkauft. „Den harten Kern der Reisewütigen“ gebe es noch immer. Dennoch habe er selten mehr als eine Buchung am Tag. Die Kalender und Schreibtischunterlagen in seinem Büro stammen allesamt noch aus dem Jahr 2020. Aktuellere wurden noch nicht gedruckt. Es lohnt sich nicht.

Statt der Fernreise-Kataloge liegen nun Kataloge mit Inlandsreisezielen wie Schleswig Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Regal aus. „Ich musste mich damit überhaupt erst einmal vertraut machen“, berichtet der Unternehmer. Er glaubt, das Reisen innerhalb Deutschlands bald wieder möglich ist. Ferienwohnungen und -häuser könnten im Sommer interessant sein. Auch die griechischen Inseln, die derzeit noch zum Risikogebiet zählten, könnten neben den Balearen und Kanaren, in den Ferienmonaten ab Juli wieder angefragt sein, sofern sich die Inzidenzwerte dort positiv entwickelten.

Foto: Volkmar Otto
Nicolas Heuss vom L'Tur-Reisebüro in Steglitz.


Sichere Prognosen kann aber momentan niemand abgeben. Momentan ist verreisen im eigenen Land nur ausschließlich zu geschäftlichen Zwecken möglich. Michael Kotzurek selbst hatte Glück und war im vergangenen Jahr noch kurz vor den gesetzlichen Beschränkungen im Berchtesgadener Land. „Danach wurde dort der harte Lockdown verhängt wurde, weil die Fallzahlen explodierten.“

Corona-Versicherungen

Doch was macht man, wenn man bereits gebucht hat und nicht reisen kann? Die Verbraucherzentrale Berlin rät in dieser Zeit, die Stornoregelungen besonders zu prüfen. „Je früher man storniert, desto günstiger ist es“, so eine Sprecherin. Manche Reiseveranstalter böten jetzt auch extra Storno- oder Corona-Versicherungen an.

Im L'Tur Reisebüro auf der Schloßstraße in Steglitz sitzt Nicolas Heuss und telefoniert. „Da sich täglich an den Reisebedingungen etwas ändern kann, stehen wir in engem Kontakt mit unseren Kunden“, sagt er. Vor kurzem sei Kuba noch attraktiv gewesen, doch nun gebe es auch dort eine Reisewarnung.

Einige von Heuss Kunden sind über Ostern nach Mallorca geflogen. Er erkundigt sich alle zwei Tage nach ihrem Befinden. Der persönliche Austausch gehöre zum Service dazu und sei besonders jetzt sehr wichtig.

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Auch Heuss verkauft „dramatisch wenig“, wie er sagt. Normalerweise hätten seine Kollegen und er um diese Zeit wahnsinnig viel zu tun. Im aktuellen Angebot hat er eine Flugreise nach Paguera (Mallorca). Ein Viersternehotel mit Halbpension für 570 Euro. Der Flug soll schon morgen am BER starten. Bislang sind noch Plätze frei.

„Nachfrage nach Urlaubsreisen grundsätzlich da“

„Die Nachfrage nach Urlaubsreisen ist grundsätzlich da, die Menschen haben Fernweh. Bei den aktuell noch zurückhaltend eingehenden Buchungen für die Sommermonate zeichnet sich ein großes Interesse für das Mittelmeer ab: Griechenland, Türkei, Spanien, Portugal, Kroatien sind dabei derzeit gefragt“, betätigt auch Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. Vom derzeitigen Reisen schreckten die Quarantäne-Bestimmungen bei der Rückkehr nach Deutschland am meisten ab. Die meisten Kunden buchten für in diesen Sommer oder sogar erst im nächsten Jahr. Mit der Aussicht auf Impfungen und mehr Möglichkeiten für Tests steige aber die Zuversicht, bald wieder verreisen zu können. „Zudem rechnen wir mit einem Nachholeffekt, da viele Menschen im vergangenen Jahr keinen Urlaub machen“, sagt Schäfer.