Rammstein-Sänger Till Lindemann wurde gerade 60 Jahre alt und wird jetzt als Honk beschimpft.
Rammstein-Sänger Till Lindemann wurde gerade 60 Jahre alt und wird jetzt als Honk beschimpft. dpa/Krudewig

Wer auf Social Media auffallen will, muss eskalieren, beschimpfen. Am besten noch auf einen bekannten Namen, der Reichweite verspricht, eindreschen. So macht es jedenfalls der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Sein Feindbild: Rammstein. Jetzt beschimpft Kowalczuk auf Twitter Rammstein-Sänger Till Lindemann als Honk. Und es funktioniert. Der Tweet wird tausendfach gesehen, immer wieder kommentiert.

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Ilko-Sascha Kowalczuk ist studierter Historiker mit dem Schwerpunkt Aufarbeitung der SED-Diktatur und Publizist, arbeitet seit 2001 bei der Stasiunterlagen-Behörde. Seine Wut entfachte jetzt ein Tweet des TV-Senders MDR, der anlässlich des 60. Geburtstages von Lindemann ein älteres Zitat des Sängers twitterte: „In der DDR hatten wir nur wenig, aber es gab ein Gefühl der Solidarität, das ich jetzt vermisse. Heute stecken wir bis zum Hals in Konsum, Egoismus und Individualismus.“   

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Der Historiker: „Rammstein ist eine DDR-Nostalgie-Band“

Kann man verstehen. Kann man anders sehen. Kann man drüber hinweggehen. Oder aber: eskalieren. Kowalczuk setzt auf Reichweite und macht das, was auf Social Media oft funktioniert. Er schimpft los, bezeichnet den Rammstein-Sänger als Honk. „Für dieses dämliche Zitat kann ich nichts, aber es paßt (Rechtschreibfehler ist im Originaltweet vorhanden, d. A.) in mein Bild von diesem Honk. Rammstein ist eine DDR-Nostalgie-Band. Wer das nicht glaubt, sollte mal die unfassbar dämlichen Einlassungen des so genannten Keyboarders Flake über die DDR hören.“

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Ilko-Sascha Kowalczuk beschimpft Rammstein-Sänger Till Lindemann als Honk.
Ilko-Sascha Kowalczuk beschimpft Rammstein-Sänger Till Lindemann als Honk. Mike Fröhling

Die ersten Kommentare trudeln schnell ein: „Aber ,dämlich‘, ,Honk‘ und noch mal ,dämlich‘ ist so viel klüger? Wer sind Sie, dass Sie den Menschen – egal ob der Oma oder dem Rammstein-Sänger – ihr Empfinden, Gefühl, ihren Eindruck absprechen und darüber urteilen?“, fragt ein Twitter-User. Kowalczuk versucht abzumildern, erklärt, dass Honk im Rammstein-Kosmos gar keine Beleidigung wäre. Obwohl beim Lesen klar wird, dass das Wort hier ganz bewusst als Beleidigung eingesetzt ist. 

Ein Twitter-User: „Rammstein hat mehr Parfums als Alben rausgebracht“

Ein anderer Twitter-User schreibt: „Eben noch eine rechte Band, jetzt auf einmal ne DDR Nostalgie-Band. Beides kommt von peinlichen Neidern, die es bekanntlich schlecht gewusst haben.“ Ein anderer kommentiert: „Solidarität? Wurde in der DDR von oben diktiert und unten gelebt. Konsum? In der DDR konnte man nicht viel kaufen. Egoismus? Die Menschen waren aufeinander angewiesen. Bitte erklären sie mir, wo in dieser Aussage der Fehler liegt?“

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Die Verteidiger Till Lindemanns sind viele: „In der Aussage geht es nicht um die DDR als Staatsapparat, sondern um eine wahrgenommene Mentalität. Wer den von T.L. völlig berechtigt kritisierten Konsum, Egoismus und Individualismus allen Ernstes gut findet, ist tendenziell asozial“, erklärt einer. Aber es gibt auch Stimmen, die Ilko-Sascha Kowalczuk beipflichten. „Er sollte sich mal mit Leuten unterhalten, die ein Studien- und/oder Berufsverbot bekamen oder mit Eltern, deren Kinder in linientreue Familien gesteckt wurden, oder mit Häftlingen, die den Mächtigen zu kritisch waren“, ist da an die Adresse von Till Lindemann zu lesen.

Und Rammstein wird auch direkt angezählt: „Wo wir bei Konsum sind, Rammstein hat mehr Parfums als Alben rausgebracht und über den Schrott, den man tlws. im Fanshop kaufen kann, mag ich gar nicht reden. Vom Fahrradsattel über Fußabtreter bis hin zum Toaster. Merch, das Fans wie mich abholt. Nicht“, schreibt etwa Krolo.