Nach der Bluttat in Berlin-Pankow gab es am Tatort, wo die sechsfache Mutter starb, eine Mahnwache.
Nach der Bluttat in Berlin-Pankow gab es am Tatort, wo die sechsfache Mutter starb, eine Mahnwache. Berliner Zeitung/Markus Wächter

Die Bluttat schockte ganz Deutschland. Am 29. April wurde Zohra G. „aus verletztem Ehrgefühl“ von ihrem getrennt von ihr lebenden Ehemann erstochen. Auf offener Straße in Berlin-Pankow. Der Tat gingen zwei Körperverletzungen voraus, in einem Fall hatte der Beschuldigte bereits angekündigt, seine Frau töten zu wollen. Seit dem heutigen Dienstag steht der Mann in Berlin vor Gericht.

Zu Beginn am Dienstag wurde die Anklage verlesen, wie eine Gerichtssprecherin sagte. Gul A. wird demnach Mord aus niedrigen Beweggründen sowie zweifache Körperverletzung vorgeworfen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat der 42-Jährige die sechsfache Mutter am 29. April um 10 Uhr morgens in Berlin-Pankow auf offener Straße mit 13 Messerstichen umgebracht. Er soll ihr auch die Kehle aufgeschnitten haben.

Der aus Afghanistan stammende Mann hatte sich demnach zur Tötung seiner Frau entschlossen, weil sie sich von ihm trennen wollte. Er fühlte sich derart gekränkt, dass er die Frau mit dem Mord bestrafen wollte. Laut Anklage sollen der Tat zwei Körperverletzungen vorausgegangen sein, die ebenfalls angeklagt sind. 

Der angeklagte Gul A. im Prozess um die tödliche Messerattacke auf seine 31-jährige Ehefrau im Landgericht Berlin.
dpa/Paul Zinken
Der angeklagte Gul A. im Prozess um die tödliche Messerattacke auf seine 31-jährige Ehefrau im Landgericht Berlin.

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Sechsfache Mutter mit 17 Jahren verheiratet

Die Berliner Polizei war nach der Bluttat in die Kritik geraten, weil sie die Frau womöglich nicht ausreichend geschützt hatte. Angeblich hatte die Behörde nicht richtig reagiert und die Familie aus Afghanistan in kein Frauenhaus gebracht, so eine Frauenrechtsorganisation. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik mussten sich im Innenausschuss deswegen scharfe Fragen gefallen lassen. 

Der Killer der sechsfachen Mutter Zohra G. wurde noch am Tatort in Berlin-Pankow festgenommen und abgeführt.
Der Killer der sechsfachen Mutter Zohra G. wurde noch am Tatort in Berlin-Pankow festgenommen und abgeführt. Sabine Gudath

Slowik sagte damals, es seien innerhalb der Polizei disziplinarrechtliche Maßnahmen eingeleitet worden, wollte aber nicht näher darauf eingehen. Es ist zu erwarten, dass mögliche Versäumnisse der Behörden auch Gegenstand des Prozesses sein werden.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte, soll der Mann im Jahr 2008 die damals 17-jährige Zohra G. nach islamischem Recht in Afghanistan geheiratet haben. Aus dieser Ehe gingen sechs gemeinsame Kinder hervor.

Täter glaubte, sechsfache Mutter habe Kontakt zu anderen Männern

Als das Paar später in Deutschland war, drängte Zohra G. immer nachdrücklicher auf ihre Selbstständigkeit. Weil das nicht klappte, wollte sie die Scheidung. Ihr Mann aber glaubte, sie habe Kontakt zu anderen Männern. Zohra G.s Todesurteil. 

In der Maximilianstraße in Berlin-Pankow lauerte er ihr im April mit einem 30 Zentimeter langen Messer auf, stach wie von Sinnen auf sie ein und schnitt ihr die Kehle durch.

Der Fall ist nicht der einzige in Deutschland. Beinahe 120.000 Frauen wurden laut Polizei 2020 „Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen“. 2021 soll die Zahl weiter gestiegen sein. Die Dunkelziffer ist hoch. Bei 359 Frauen versuchten die Täter 2020, sie umzubringen. In 132 Fällen wurde das Opfer bei einem sogenannten Femizid tatsächlich getötet.

Das Landgericht hat für den Fall Zohra G. zunächst 18 Prozesstage bis Februar 2023 eingeplant. Gul A. will sich an einem der weiteren Verhandlungstage zu den Vorwürfen einlassen.

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