Yousuf H. schweigt seit elf Wochen vor Gericht. Es geht um Schwestermord im Namen der „Ehre“.
Yousuf H. schweigt seit elf Wochen vor Gericht. Es geht um Schwestermord im Namen der „Ehre“. imago/Olaf Wagner

Sie waren wie Mutti und Sohn: Als Betreuerin kümmerte sich Petra L. (56) um Sayed Yousuf H. (27). Nun war sie Zeugin im Prozess wegen Mordes an Maryam H. (34), seiner Schwester.

Mütterlicher Blick zu ihrem einstigen Schützling. Und zum Richter: „Er wollte immer ein anständiger Mensch sein.“ Doch laut Anklage sollen die afghanischen Brüder Yousuf H. und Mahdi H. (23) ihre Schwester eiskalt umgebracht, die Leiche in einen Koffer gestopft und schließlich in Bayern verscharrt haben – in der Nähe des Wohnortes des älteren Bruders in Donauwörth.

Ein Schwestermord im Namen der „Ehre“? Die Staatsanwältin geht davon aus: „Sie wurde getötet, weil die Angeklagten nicht damit einverstanden waren, dass sie entgegen der Moralvorstellung der beiden Männer eine teilweise modernere Lebensführung verfolgte.“ Und sie hatte nach der Scheidung eine neue Liebe gefunden, die sie vor den Brüdern verheimlicht hatte. Sie wollte den Mann heiraten.

Yousuf und Mahdi H. schweigen seit elf Wochen vor Gericht. Sie wurden drei Wochen nach der Tat am 13. Juli 2021 verhaftet. Bis heute ist ein Tatort nicht gefunden worden. Zum Versteck der Leiche führte die Geliebte von Yousuf H.

Schwestermord im Namen der „Ehre“: Mörder? Niemals!

Seine Ex-Betreuerin sehr von ihm angetan: „Mir gegenüber war er respektvoll.“ Acht Wochen habe er sogar bei ihr gewohnt, sie seien „wie Mutti und Sohn“ gewesen. Der Richter: „Wie religiös war er?“ Die Zeugin: „Ich weiß nur, dass er immer ein guter Mensch sein wollte.“

Was er zum Tragen von Kopftüchern meinte? „Eine Frau, die ein Kopftuch trägt, ist in seiner religiösen Herkunftsfamilie eine geschätzte Frau.“ Und wenn sich ein zukünftiges Paar vor der Hochzeit allein, ohne einen Aufpasser aus der Familie trifft? „Dann wird man verstoßen.“

Der Richter: „Landsleute sollen gesagt haben, Yousuf H. sei so daneben.“ Die Zeugin: „Ja, in der afghanischen Gemeinde in Donauwörth lehnte man ihn ab.“ Und: „Wenn er nicht Recht bekommt, wird er schon mal laut.“ Sie habe ihn von 2016 bis November 2019 betreut – wegen psychischer Probleme. „Sein Ziel war es, nach Berlin zu kommen.“ Dass er ein Mörder sein soll, kann sie sich nicht vorstellen.

Maryam H. lebte zuletzt mit ihren Kindern (14, 10) in einem Heim in Alt-Hohenschönhausen. Sie war als 16-Jährige in Afghanistan zwangsverheiratet worden. 2018 trennte sie sich in Berlin. Die Brüder sollen ihre Scheidung als Ehrverlust für die Familie angesehen haben. Fortsetzung: Mittwoch.

Lesen Sie auch: Familien-Tragödie: Drei Tote in Wohnhaus gefunden +++ Es sind Mutter (33), Vater (35) und Tochter (6) +++ Nur der Sohn (4) überlebt schwer verletzt!>>