Ehrenmord: Die angeklagten Brüder sitzen seit 37 Prozesstagen in Berlin vor Gericht.
Ehrenmord: Die angeklagten Brüder sitzen seit 37 Prozesstagen in Berlin vor Gericht. Pressefoto Wagner

Einblicke in das Seelenleben der beiden Brüder, die ihre Schwester (34) ermordet haben sollen. Zwei Psychiaterinnen sagen: Sie sind voll schuldfähig.

37. Tag im Prozess um den Tod der zweifachen Mutter Maryam H., die 2015 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war. Sie hatte sich in Berlin von ihrem gewalttätigen Mann getrennt, sie wollte mit einem neuen Partner ein anderes Leben führen. Ein Schwestermord im Namen der „Ehre“?

Yousuf H. (27) und Mahdi H. (23) sollen ihre Schwester am 13. Juli 2021 eiskalt an einem bislang nicht bekannten Ort getötet, die Leiche in einen großen Rollkoffer gestopft, per ICE von Berlin nach Bayern gebracht und dort verscharrt haben – in der Nähe des Wohnortes des älteren Bruders in Donauwörth.

Yousuf H. brach nach sechsmonatigem Prozess sein Schweigen, stellte den Tod der Schwester als ein Unglück dar – sie hätten um Geld für die Eltern in Afghanistan gestritten, Maryam habe sich respektlos geäußert, in einer Rangelei habe er sie allein erdrosselt. Bruder Mahdi sei nicht in der Wohnung gewesen.

Der ältere Bruder erzählte seine Geschichte auch der Gutachterin. Sprach von viel Gewalt in der Familie in Afghanistan mit acht Kindern, die arm gewesen sei – „er habe seinen Vater verabscheut“.

Ehrenmord-Gutachterin: Wie ein Kuckuck ist der Bruder in die Familien rein

Doch Yousuf H. erzählte nach seiner Ankunft in Deutschland im November 2013 auch ganz andere Dinge: „Familie in Afghanistan gut situiert, eigenes Haus, Vater zahlte 5000 Euro für meine Flucht.“ Als 2016 sein Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, verletzte er sich selbst, kam für kurze Zeit in die Psychiatrie.

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Die Psychiaterin schilderte nun alles andere als einen schwer Depressiven: „Intelligent, sozial kompetent, charmant und gut aussehend.“ Einer, der zwei Beziehungen hatte – beide Frauen verheiratet. Die Gutachterin: „Wie ein Kuckuck ist er in die Familien rein, hat sie entehrt durch Ehebruch.“ Und die Expertin auch: „Jemandem über einen nicht unerheblichen Zeitraum die Kehle zuzudrücken, hat mit Depressionen nichts zu tun.“

Über Mahdi H. sagte eine andere Psychiaterin, er sei „ängstlich und introvertiert“, aber ebenfalls voll schuldfähig. Am 12. Dezember soll plädiert werden.