Nein, Moses wird nicht rasiert: Der Pinsel, den Restaurator Mikheili Nadirashvili schwingt, dient dem Auftragen eines Stein-Ersatzes.
Nein, Moses wird nicht rasiert: Der Pinsel, den Restaurator Mikheili Nadirashvili schwingt, dient dem Auftragen eines Stein-Ersatzes. Benjamin Pritzkuleit

Knapp  380.000 Euro an Spenden helfen, dass der Berliner Dom nicht weiter Schaden nimmt: Das Geld wird dafür eingesetzt, die Fassaden und die Steinmetz-Arbeiten an den vier jeweils rund 80 Meter hohen Ecktürmen saniert werden können. Als letzter ist jetzt Turm A an der Reihe, an der Ecke der Kirche, die zum Alexanderplatz weist.

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Der Dom selbst hätte die Arbeiten an drei Türmen nicht mehr stemmen können, weil wegen Corona die Einnahmen vor allem von Eintrittsgeldern zusammengebrochen waren. „14.000 Euro kosten die Beleuchtung, die Heizung, das Personal und die ständigen Bau- und Reparaturarbeiten – pro Tag“, sagt Dom-Geschäftsführer Jan Kingreen. Bis zur Pandemie habe man diese Kosten zu 95 Prozent selber tragen können, bekam den Rest aus Kirchensteuer und vom Land Berlin.

Vorher – nachher: Am Turm D an der Nordostecke des Berliner Doms sind die Kapitelle gereinigt und ausgebessert.
Vorher – nachher: Am Turm D an der Nordostecke des Berliner Doms sind die Kapitelle gereinigt und ausgebessert. Damaris Gorissen

Bei Arbeiten am Glockenturm (Turm C) an der Ecke zum Alten Museum waren 2018 heftige Schäden festgestellt worden. Fugen waren undicht geworden, Wasser drang in den Sandstein ein. Schwarze Ablagerungen aus Ruß, Gummi-Abrieb von Autoreifen, Schmutz und Staub verhinderten, dass das durchfeuchtete Gestein trocknete, bei Frost kam es zu Absprengungen, erklärte Dombaumeisterin Sonja Tubbesing.  Es bestand die Gefahr, dass ganze Brocken abstürzen. 

Die Baudenkmalpflegerin Damaris Gorissen aus dem Dombaubüro spricht von „Schäden, die wir seit Jahrzehnten mitgeschleppt haben“. Viele Oberflächen seien weg, verwittert oder abgesprengt. 

Dom-Geschäftsführer Jan Kingreen mit dem symbolischen Spenden-Scheck auf dem Dom-Dach.
Dom-Geschäftsführer Jan Kingreen mit dem symbolischen Spenden-Scheck auf dem Dom-Dach. Benjamin Pritzkuleit

Private Denkmalstiftung half beim Spendensammeln

Deshalb holte man die private Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSG) um Hilfe, initiierte 2019 eine gemeinsame Spendenaktion, die 2020 mit Beginn der Pandemie um so dringlicher wurde. Jetzt konnte Wolfgang Degen vom DSG-Ortskuratorium Berlin die letzte Rate von 47.000 Euro übergeben, insgesamt waren es 380.000 Euro. Gorissen: „Das war unsere Rettung.“

Turm D hinten an der Spree konnte von 2020 an saniert werden, Turm B zum Humboldt-Forum hin 2021, und jetzt auch Turm A.

Turm A ist schon eingerüstet, kann saniert werden.
Turm A ist schon eingerüstet, kann saniert werden. Benjamin Pritzkuleit

Berliner Dom wurde zerbombt und wieder aufgebaut

Der Dom, 1905 fertiggestellt, war im Zweiten Weltkrieg zur Ruine gebombt worden. 1975 begann der Wiederaufbau, der finanziert von den evangelischen Kirchen in Ost und West unter Beteiligung der DDR. Das Vorhaben verschlang drei Viertel der Mittel, die für alle beschädigten Kirchen im Osten vorhanden war, erklärt Sonja Tubbesing. 1993 wurde das Gotteshaus erneut eingeweiht.

Der Berliner Dom vom Lustgarten aus gesehen. Auch dort wird die Fassade am Rand des Dachs saniert
Der Berliner Dom vom Lustgarten aus gesehen. Auch dort wird die Fassade am Rand des Dachs saniert Benjamin Pritzkuleit

Momentan wird nicht viel gearbeitet, es ist zu kalt. Sonst sind zwei bis drei Dutzend Steinmetze und Restauratoren am Werk, sagt Jan Kingreen. Nur der selbständige Restaurator Mikheili Nadirashvili (42) arbeitete am Donnerstag in knapp 60 Meter Höhe an der Fassade. Er führte noch einmal vor, wie er mit einem Ton-Kiesel-Schlamm die Schäden an der gewaltigen Moses-Statue am Rand des Dachs an der Spreeseite ausgebessert hat. Eine Behandlung, die er auch den Apostel-Statuen von Thomas und Jakobus hatte angedeihen lassen.